Sturm-Wochenende : Mit blauem Auge davongekommen

Kein Durchkommen am gestrigen Morgen: Bei Sturmfluten mutet der Wyker Hafen regelmäßig wie ein Schwimmbad an.
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Kein Durchkommen am gestrigen Morgen: Bei Sturmfluten mutet der Wyker Hafen regelmäßig wie ein Schwimmbad an.

Die Orkane Elon und Felix haben auf den Inseln keine größeren Schäden angerichtet. Die Sturmflut setzte lediglich die Hafengebiete unter Wasser.

shz.de von
12. Januar 2015, 07:00 Uhr

Die Inseln sind bei den kurz aufeinanderfolgenden Stürmen gut weggekommen und die aufmerksame Gelassenheit der Verantwortlichen sowie die guten Vorbereitungen haben sich bezahlt gemacht. Bis auf einen Baum, den es wegzuräumen galt (Amrum) und einen Keller, der ausgepumpt werden musste (Föhr), gab es keinen Einsatz, vermeldeten die Wehren beider Inseln gestern und auch das Wasser stellte die Verantwortlichen vor keine große Herausforderung. Wie groß die erneut zu verzeichnenden Sandverluste ausgefallen sind, wird erst eine professionelle Begutachtung zeigen.

Am Sonnabendnachmittag hatte das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) seine Prognosen für das Sonntagmorgen-Hochwasser nach oben korrigiert und zwei bis zweieinhalb Meter über Normal angekündigt. Fast eine Punktlandung, denn in Wyk wurden 2,40 Meter erreicht, berichtete Gerd Jakobsen vom Hafenamt.

Und der Leiter des Außenbezirks Amrum des Wasser- und Schifffahrtsamtes, Wolfgang Stöck, berichtete von einem Hochwasserstand von 2,31 Metern über dem mittleren Hochwasserstand. „Nur gut, dass wir bereits am Sonnabend die Flutwasserschotten vor die Tonnenhallentore montiert haben. Dort stand das Wasser am Sonntag 30 Zentimeter hoch“, so Stöck, und bei jeder schauerartigen Böe sei mehr Wasser in den Hafen gedrückt worden. Besondere Vorkommnisse waren darüber hinaus nicht zu verzeichnen.

Auch der Wyker Hafen stand gestern früh unter Wasser. Wie auf Amrum Jürgen Jungclaus als Leiter des Katastrophenstabes, war hier Heidi Braun vor Ort, um sich zu informieren. Ihr bot sich das gewohnte Sturmflut-Bild: Wassermassen, die gegen die Stöpe drückten und sich die Straße hinauf bis zum Sperrgutbasar ihren Weg bahnten. Bei einem solchen Wasserstand seien weder der Rathausplatz noch der Sandwall betroffen, so Braun, „und an den Deichen können wir auch nichts machen. Ein normaler Sturm wie wir ihn vorher auch schon hatten“. Dennoch machten sich mit eintretender Helligkeit die Deichgänger zu einem Kontrollgang auf und Werner Paulsen, Mitarbeiter des Landesbetriebes für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz, fuhr die Küsten und somit die sandigen Bereiche ab. Größere Schäden kamen bei der Begutachtung nicht zum Vorschein.

Ob dies auch für seine Bäume zutraf, davon überzeugte sich Ole Sieck, als Forstwirt für den Föhrer Wald zuständig, am gestrigen Vormittag. Alles halte sich in Grenzen, berichtete er, und ging von 40 bis 50 Bäumen aus, die dem Sturm zum Opfer gefallen sind. Neue Bäume, die in den Randbereichen gestanden hatten, in denen zuvor schon Xaver und Christian wüteten. „Das kann man leicht aufarbeiten“, kann Sieck mit dieser Größenordnung gut leben.

Die Wyker Dampfschiffs-Reederei (WDR) hatte am Sonnabendnachmittag die Fährverbindungen eingestellt, nachdem die „Schleswig-Holsten“ gegen 17 Uhr in Wittdün Quartier bezogen hatte. „Das Schiff musste am Anleger 1 festmachen, weil der Wasserstand so hoch war, dass ein Anlegen an Brücke 2 nicht möglich war“, berichtete ein WDR-Mitarbeiter auf Amrum. Wie am Wochenende kündigte die Reederei gestern auch für heute Einschränkungen im Fährverkehr an (www.faehre.de).

Auch wenn sie diesmal nicht ausrücken mussten: Die Wehren beider Inseln sind – wie die übrigen Einsatzkräfte – auch künftig bei ähnlichen Szenarien in Alarmbereitschaft. Zur Routine werde dies allerdings nicht, so Amtswehrführer Klaus Peter Ottens, denn der nächste Orkan werde kommen. Die Frage sei lediglich wann und unter welchen Vorzeichen. Lobend hob Ottens die Vernunft der Bevölkerung hervor. Denn die warnenden Aufrufe, sich nicht grundlos im Freien aufzuhalten und die Wälder zu meiden, wurden auf beiden Inseln befolgt. Auch Gartenlauben und Ähnliches seien gebührend gesichert worden, so Ottens.

Nach der Sturmflut ist auch für Jürgen Jungclaus vor der Sturmflut. Dessen Fazit ebenfalls postitiv ausfiel. Was zur Vorbereitung gehöre, sei getan worden und werde auch künftig getan. „Alle Einsatzkräfte sind hoch motiviert und wissen, wenn man auf den Knopf drückt, dann ist es ernst“, so Wittdüns Bürgermeister. „Und dann sind sie auch zur Stelle und somit kann man beruhigt in die Zukunft sehen. Denn es werden in diesem Winter, so sind die Prognosen, und auch in der Zukunft weitere Sturmfluten folgen, die mit Gefahren verbunden sind.“

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