das gedächtnis der inseln : Mit alten Handschriften bestens vertraut

Im Keller der Ferring-Stiftung lagern die Föhrer und Amrumer Archive.
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Im Keller der Ferring-Stiftung lagern die Föhrer und Amrumer Archive.

Reinhard Jannen betreut in der Alkersumer Ferring-Stiftung auch das Archiv des Amtes Föhr-Amrum. Für dessen Nutzung beschloss der Haupt- und Finanzausschuss des Amtes jetzt eine Satzung und eine Entgeltordnung.

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18. März 2014, 08:00 Uhr

In dem vom Amt Föhr-Armum unterhaltenen Amtsarchiv werden die Aufgaben derzeit ohne Satzung geregelt. Die aber sei notwendig, war sich der Haupt- und Finanzausschuss des Amtes Föhr-Amrum einig, dessen Mitglieder auf ihrer jüngsten Sitzung einstimmig den Erlass einer Archivsatzung und der dazugehörigen Entgeltordnung beschlossen.

Betreut wird das Archiv in der Alkersumer Ferring-Stiftung von Reinhard Jannen, der den Ausschussmitgliedern zuvor einen Einblick in seine Arbeit gewährte. Die gleich vier Archive umfasst, wie der Archivar aufzählte: Das Öömrang-Archiv von Amrum, das Archiv der Ferring-Stiftung, das Föhrer Inselarchiv und das Archiv des Amtes Föhr-Amrum. Letzteres kam vom Husumer Kreisarchiv auf die Insel und umfasst 800 Kartons mit mehr als 100 000 Akten.

Neben der Betreuung der Archive und der sicheren Lagerung – jeder Karton muss ausgepackt werden und es greifen diverse konservatorische Sicherheitsmaßnahmen – gehören Sichtung und Studium der Dokumente zum täglichen Brot. So kann ein Findbuch des Kreisarchivs 400 Akten enthalten, die nicht weiter erschlossen sind. Verfasst häufig in der gotischen Kurrentschrift, dem Vorläufer des Sütterlin. Bis in die 40-er Jahre des 20. Jahrhunderts war die Kurrentschrift als Druck- und Handschrift gebräuchlich und der Umgang mit dieser Schrift gehört für Jannen, der regelmäßig Fortbildungen besucht, zum täglichen Handwerkszeug. Trotz 20-jähriger Erfahrung bereiten die Handschriften allerdings auch dem Fachmann Probleme. Dies gelte vor allem für einzelne Wörter, die sich nicht aus dem Kontext heraus erschließen lassen. Im Zweifelsfall hilft ein Beratervertrag des Amtes mit dem Landesarchiv in Schleswig.

Der Archivar liest die alten Akten aus und notiert in Kurzform, was diese enthalten. Eine Übersicht, die ins Internet gestellt wird und von Interessierten nachgelesen werden kann. Ein zeitaufwändiges Prozedere mit einem doppelten Effekt, wie Jannen berichtet: „Die Online-Version ist für die Benutzer besser und einfacher zu konsumieren und darüber hinaus werden die Materialien geschont“. Gäbe es den Service der digitalen Version nicht, müsste ein Archiv-Besucher bei seiner Suche alle Akten durchlesen, so kann er gezielt auf ein Exemplar zugreifen.

In der Praxis, berichtete Reinhard Jannen, kämen die Besucher mit Fragen, die er in der Regel kurzfristig beantworten könne. Auch würden alte Steuerakten angefragt, die eingescannt und dann zur Verfügung gestellt werden. Auf Föhr seien zudem geneologische Fragen sehr beliebt, indem etwa das Geburtsdatum des Urgroßvaters erfragt werde. Ein Alltagsgeschäft, das dem Archivar keine Probleme bereitet.

Auch Fotokopien können angefertigt werden, wenn das Ausgangsmaterial dies zulässt. Und wenn die Akten keinen Sperrvermerk tragen und deshalb nicht eingesehen werden dürfen. Auch das gebe es, etwa im Falle lebender Personen, die ihre Unterlagen zwar abgeben, die Veröffentlichung aber erst für einem späteren Zeitpunkt erlauben. Wer die Dienste Reinhard Jannens in Anspruch nehmen möchte: Die Ferring-Stiftung hat montags bis freitags von 9 bis 12 Uhr geöffnet, außerhalb dieser Zeit sind Absprachen möglich.

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