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Föhrer im Ersten Weltkrieg : Mit 28 Jahren gefallen

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Aus der Redaktion des Insel-Boten

Der Wyker Siegfried Cornelius Carstensen ließ sein Leben an der Ostfront. Friedrich Christiansen besucht 1916 seine Heimatinsel.

Im Kirchenregister St. Nicolai vermerkt Pastor Friedrich Höber (1870-1942) für 1915: „Am Sonntag den 31. Oktober wurde die Gedächtnisrede gehalten über den Arbeiter Siegfried Cornelius Carstensen von Wyk. Geboren am 31. Juli 1887 in Gotteskoog als ehelicher Sohn des Siegfried Carstensen und der Ulrike Carstensen. Seit dem 19. November 1909 war er verheiratet mit Elise Petrine geb. Schnoor von Dagebüll. Er gehörte dem 230. Reserve-Infanterie-Regiment an, kämpfte im Osten und fiel am 23. Juli 1915.“

Unter Siegfried Carstensen Todesanzeige in der „Föhrer Zeitung“ vom 18. Oktober 1915 lässt seine Ehefrau die Zeilen setzen: „Du gutes Herz, ruh’ still in Frieden/Ewig beweint von Deinen Lieben.“ Sie kommt von Dagebüll und ist nach Recherchen in den dortigen Kirchenbüchern wahrscheinlich identisch mit der dort im März 1887 geborenen Ilise Gethrine Schnoor von der Söschenwarft. Die Familie Schnoor ist schon seit Jahrzehnten nicht mehr ansässig in Dagebüll.

Ilise Gethrine und Siegfried Carstensen hatten eine Tochter, deren Name unbekannt ist. Ihre und die der Mutter Spur verliert sich. Auf dem Ehrenmal St. Nicolai für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs ist Siegfried Carstensens Name auch nach hundert Jahren noch zu erkennen.


Und was geschieht auf Föhr?


Die „Föhrer Zeitung“ veröffentlicht schon im Oktober 1914 die „Dringende Bitte an unsere Leser: Für Mitteilung verbürgter Nachrichten über Föhrer Söhne, die im Felde stehen, sind wir sehr dankbar und bitten dringend darum. Diese Nachrichten haben nicht nur auf der Insel ein allgemeines Interesse, sondern auch bei unseren Kriegern, denen die ‚Föhrer Zeitung‘ regelmäßig zugesandt wird.“

Sophie Martens (1911-2012) erzählt über die Ernährungslage während des Ersten Weltkriegs: „... man musste anstehen, und Kinder wurden häufig weggeschubst. Wie war ich dann immer glücklich, wenn ich meiner Mutter etwas bringen konnte. Und wenn es auch nur Kakaoschale, Rübenmarmelade und Kunsthonig war.“

Auch Matthias Bohn (1872-1930), der Vater des am 25. April 1915 gefallenen Friedrich Bohn (1885-1915), wird eingezogen. Seine 1895 gegründete Firma in Wyk muss er verlassen und wird in Zeebrugge/Seebrügge, dem heutigen Fährhafen nach Harwich/England, an der belgischen Küste stationiert. Dort gehört der sehr musikalische und mehrere Instrumente spielende Matthias Bohn zur Hoboistenkompanie, die zur Belustigung der Kompanie zu spielen hat.

In Zeebrugge/Seebrügge ist die deutsche Seefliegerstaffel stationiert. Von dort unternimmt der Wyker Friedrich Christiansen (1879-1972) 440 Feindflüge. Seine Bilanz am Ende des Krieges: 20 Luftsiege, davon 19 Flugzeuge und ein Luftschiff, ein U-Boot, drei Schiffe versenkt, zwölf Prisen eingebracht und wegen Tapferkeit vor dem Feind zum Offizier befördert.

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erstellt am 01.Aug.2015 | 19:00 Uhr

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