Schleswig-Holstein Musik Festival 2015 : Mischung aus Musik und Comedy trifft den Nerv

Haben musikalisch den Schalk im Nacken: Olaf Klindtwort, Jan-Frederick Behrend und Hans Torge Bollert (v.l.).
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Haben musikalisch den Schalk im Nacken: Olaf Klindtwort, Jan-Frederick Behrend und Hans Torge Bollert (v.l.).

Das Hamburger Trio Bidla Buh begeistert mit originellen Cover-Versionen. Fähre dient einmal mehr als Konzertsaal der besonderen Art.

shz.de von
24. Juli 2015, 18:00 Uhr

Für ein Konzert war es ein ungewohnter Ort, für das Schleswig-Holstein Musik Festival (SHMF) war es ungewohnte Musik: Das Hamburger Trio „Bidla Buh“ präsentierte sein aktuelles Programm „Sekt, Frack und Rock ’n’ Roll“ auf einer Fähre der Wyker Dampfschiffs-Reederei (WDR). Das Autodeck der im Binnenhafen liegenden „Nordfriesland“ war kurzerhand zum Konzertsaal der ganz besonderen Art umfunktioniert worden. Aufgehübscht mit Pflanzen, grünem Teppichboden und einer improvisierten Bar bot es Platz für gut 400 Zuschauer.

Die Band lieferte zweieinhalb Stunden gute Laune. Das Programm war gespickt mit allerlei bekannten Liedern wie „Kein Schwein ruft mich an“ von Max Raabe oder dem Klassiker „Ein bisschen Frieden“ von Nicole. Doch mit simplen Cover-Versionen geben sich die drei Musiker nicht zufrieden. Mit eigenen Texten, Rhythmen und Instrumenten wirken selbst die ältesten Songs wieder frisch und modern.

Das Publikum war ebenso begeistert wie Wyks Bürgermeister Paul Raffelhüschen, der befand: „Das ging ab. Die drei haben vom ersten Moment an das Publikum im Griff gehabt, Hut ab.“ Und auch Axel Meynköhn, Geschäftsführer der WDR, der das Schiff für das Konzert zur Verfügung gestellt hatte, zeigte sich von der Vorstellung angetan: „Es war genial. Ich wusste vorher nicht, was uns erwartet und bin wirklich positiv überrascht.“

Es war nicht das erste Konzert, das auf einer Fähre stattfand. Bereits seit Ende der 1980-er Jahre gibt es auf Föhr solche Ereignisse. Bisher waren jedoch überwiegend klassische Ensembles an Bord. „Der neue SHMF-Intendant möchte mit dem Festival ein breiteres Publikum ansprechen und vor allem auch junge Menschen dafür begeistern. Deshalb soll das Festival künftig auch für modernere Musik geöffnet werden“, erklärt Kuno Betzler, Mitglied des Föhrer Festival-Beirates.

Für die drei Musiker aus Hamburg war das Konzert eine neue Erfahrung. Zum ersten Mal haben sie auf Föhr gespielt und auch der Auftritt auf einem Schiff bedeutete eine Premiere. Vor bereits gut 15 Jahren hatten sich Hans Torge Bollert, Olaf Klindtwort und Jan-Frederick Behrend an der Hamburger Musikhochschule kennengelernt. Zu Ehren des großen Kabarettisten Georg Kreisler nannten sie sich Bidla Buh und gingen mit ihrem bunten Programm auf Tour. Dabei faszinieren sie das Publikum nicht nur mit schnellen und wilden Soli am Xylofon, sondern auch mit Blasebalg-Melodicas oder einem Pfeifkonzert auf Flensburger-Flaschen in Hamburger-Sportverein-Optik.

Diese erfrischende Mischung aus Musik, Comedy und Unterhaltung traf den Nerv der Besucher auf dem Autodeck und einiger „Freigucker“, wie Behrend jene Zuschauer nannte, die das Geschehen vom Kai aus verfolgten. Aus den Gesprächen konnte man immer wieder heraushören, wie begeistert das Publikum war. Kritische Stimmen waren dagegen kaum zu hören. Auch Leadsänger Bollert war zufrieden: „Es war eine besondere Atmosphäre, das Publikum ging von Anfang an mit, alles perfekt.“

Ob das Trio mit den rund 20 Instrumenten wieder auf die Insel kommt, steht noch nicht fest. Genügend Fans dürften sie nach diesem Abend auf jeden Fall haben. Aktuell stehen zwei weitere Auftritte im Rahmen des SHMF an und dann wird das 15-jährige Bestehen der Band mit einer Konzertreihe gefeiert.

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