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Prozess gegen Kokain-Segler : Milde Strafe wegen Beihilfe

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Erleichterung bei den beiden Föhrern, die der Beihilfe zum Kokainschmuggel in der Karibik bezichtigt wurden. Der 44-Jährige bekam eine Bewährungsstrafe, die Frau wurde frei gesprochen.

Wyk/Niebüll | Erleichterte Gesichter und Umarmungen auf dem Gerichtsflur – glimpflich ging das Verfahren wegen Beihilfe zum groß angelegten Kokainschmuggel aus der Karibik für zwei Bewohner der Insel Föhr aus. Ein 44-Jähriger wurde gestern vom Schöffengericht Niebüll zu einem Jahr und zehn Monaten auf Bewährung verurteilt, eine 46-Jährige freigesprochen. Damit folgte das Gericht in allen Punkten den Anträgen der Verteidigung.

Bereits Ende Dezember vergangenen Jahres war im so genannten Karibik-Verfahren der 47-jährige Föhrer Frank Jan L. zu sieben Jahren und neun Monaten Haft verurteilt worden. Das Landgericht Flensburg sah es als erwiesen, dass er gemeinsam mit zwei Komplizen, die zu zehn und fünf Jahren Haft verurteilt wurden, zwischen 2008 und 2011 insgesamt zweieinhalb Tonnen Kokain per Segelyacht über den Atlantik transportiert hat – mit einem Schwarzmarktwert von über 100 Millionen Euro.

Den beiden nun im abgekoppelten Verfahren Angeklagten war vorgeworfen worden, L. in den Jahren 2010 und 2011 bei den Kokain-Transporten vor Ort auf der Yacht geholfen zu haben. Wie schon beim letzten Verhandlungstermin vor knapp zwei Wochen verweigerte L., der erneut als Zeuge vorgeführt wurde, trotz Androhung von Beugehaft die Aussage. Doch ein bereits frühzeitig abgelegtes umfassendes Geständnis des 44-Jährigen und seine Reue („Es war falsch, ich weiß nicht, warum ich mich dafür entschieden habe“) sowie die Aussagen der 46-Jährigen, die demnach mit L. ohne Wissen über den geplanten Kokainschmuggel einen Karibik-Törn machen wollte, reichten sowohl Staatsanwaltschaft als auch dem Vorsitzenden Richter für eine Beurteilung.

Während der Staatsanwalt für den 44-Jährigen lediglich zwei Monate Haft zusätzlich sowie 90 Arbeitsstunden forderte, sah er im Fall der 46-Jährigen eine Beihilfe aufgrund belastender Aussagen des Mitangeklagten als bewiesen – und hielt eine Haftstrafe von drei Jahren für adäquat.

„Der Tatbestand der Beihilfe ist nicht ausreichend belegt“, widersprach der Vorsitzende Richter in seiner Urteilsbegründung. Die belastenden Aussagen des 44-Jährigen dienten eventuell nur seiner Entlastung, ein Motiv wie etwa Geldbedarf sei bei der Frau nicht erkennbar, hier müsse im Zweifel für die Angeklagte entschieden werden. „Wir sind froh und erleichtert“, sagte Annette Marberth-Kubicki, Verteidigerin der Föhrerin. Die Staatsanwaltschaft habe sich in ihrer Beurteilung „auf ganz dünnes Eis“ begeben. Letzterer bleibt eine Woche Zeit, um in Berufung zu gehen.

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