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zwischen Wittdün und Steenodde : Mehr Schutz für die Insel Amrum

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Bei einer öffentlichen Veranstaltung wurden zwei Varianten für die geplante Deichverstärkung vorgestellt. Mit dem Baubeginn ist allerdings nicht vor 2017 zu rechnen.

In einer Informationsveranstaltung in der Nordseehalle stellten die verantwortlichen Küstenschützer des Landesbetriebs für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz (LKN) die in diesem Jahrzehnt anstehende Deichverstärkung in Wittdün und Steenodde vor. Wie der Direktor des Landesbetriebes, Dr. Johannes Oelerich, den anwesenden Bürgern erklärte, befindet ich das Projekt noch in der Planung. Es sei in dieser Phase besonders wichtig, dass sich alle betroffenen Haus- und Grundstücksbesitzer melden, die Bedenken oder Einwendungen haben.

Vor vier Jahren wurde bereits festgestellt, dass der Hochwasserschutz auf der Wittdüner Wattseite nicht den heutigen Anforderungen genügt. Wie Wittdüns Bürgermeister Jürgen Jungclaus erklärte, würde im Falle eines Deichbruchs zwischen Steenodde und dem Seezeichenhafen das Wasser so weit ins Landesinnere eindringen, dass die Landesstraße, die Wittdün mit den Nachbardörfern verbindet, bis zu 75 Zentimeter hoch überflutet werden würde. Außerdem müsse dem Klimawandel und dem zu erwartenden Anstieg der Wasserstände Rechnung getragen werden. Aufgrund dessen plant das Land, den Hochwasserschutz für die Ortslagen Wittdün und Steenodde zu verbessern.

Frank Barten, Geschäftsbereichsleiter für den Neubau und die Instandhaltung von Deichen und anderen Küstenschutzbauwerken und für den Betrieb der landeseigenen Häfen beim LKN-SH verantwortlich, informierte über die nächsten Verfahrensschritte, zu denen auch eine Umweltverträglichkeitsprüfung gehört. „Ich rechne nicht mit einem Baubeginn vor 2017“, so Barten.

Die mit der Planung befasste Expertin beim LKN, Ines Koslowski, stellte zwei Planungsvarianten vor. Anhand des bei der großen Sturmflut 1962 am Pegel Wittdün gemessenen Hochwassers von 4,14 Meter über Normal sei jetzt der Bemessungswasserstand mit 4,60 Metern über Normal festgelegt worden. Dies entspreche einem Hochwasserereignis, das statistisch alle 100 Jahre auftritt.

Für Wittdün bedeutet das eine merkliche Deicherhöhung. Die erste Variante sieht die Verstärkung der vorhandenen Trasse vor und wird derzeit mit einer Bausumme von 3,67 Millionen Euro veranschlagt. Dabei bliebe das vorhandene Deckwerk als Fußsicherung erhalten. Die Deichböschung soll, da es auf Amrum keinen geeigneten Kleiboden gibt, mittels doppellagiger Sandcontainerauflagen gesichert werden. Die vernähten Container werden mit einer etwa zehn Zentimeter dicken Bodenschicht abgedeckt, auf der Gras gesät wird. Die Kronenhöhe liegt bei 5,70 Metern über normal.

Die zweite Variante, mit veranschlagten Kosten von 2,2 Millionen Euro erheblich günstiger, sorgte für deutliches Unbehagen bei den Anwesenden in der Nordseehalle, zumal der Bereich hinter dem Überlaufdeich zwischen Steenodde und dem Seezeichenhafen als kontrollierte Überflutungsfläche eingeplant werden soll. So könnten die Küstenschützer Ausgleichsflächen für andere Maßnahmen ausweisen. Bei entsprechenden Wasserständen liefe dann das Nordseewasser durch einen Durchlass im Deich in die Niederung ein. Bei hohen Wasserständen könnten, wie auch bei Sturmfluten und bei einem Deichbruch, laut der ermittelten Geländehöhen, Flächen bis nach Süddorf überflutet werden.

Auch diese Variante stellt den Schutz der bewohnten Bereiche von Wittdün und Steenodde sicher. Teile des vorhandenen Deiches sollen wie in Variante eins verstärkt werden und auch die Kronenhöhe ist die gleiche. In Wittdün soll der Deich bis zur Überfahrt am Hafenspielplatz führen. Dort schließt ein Flügeldeich an, der in Richtung Südwesten schwenkt und die Bebauung von Norden her schützt. Geplant ist in diesem Zusammenhang die Anhebung der Straße. Die Zuwegung zur Kläranlage sowie der Anschluss an die Landesstraße 215 sollen als Rampen ausgebildet werden. Im Bereich Steenodde sollen 250 Meter der vorhandenen Deichtrasse verstärkt werden. Im weiteren Verlauf schließt schließt auch hier ein 120 Meter langer Flügeldeich an, der in Richtung Westen schwenkt und die Bebauung von Süden her schützt. Die Befestigung erfolgt ebenfalls mittels Sandcontainern.

„Ich habe das Wasser als Kind bereits vor der ‚Blauen Maus‘ erlebt und gesehen, wie es durch die Wände in den Keller drückte“, schildert Jan von der Weppen die Erlebnisse von 1962. Für ihn ist es unverständlich, dass die Behörde die billigere Variante favorisiere und dafür einen enormen Eingriff in die Natur der Insel in Kauf nehmen wolle. Die bei Variante zwei zusätzlich erforderlichenen Maßnahmen zum Schutz der Kläranlage und des landwirtschaftlichen Betriebs in Süddorf relativierten die Differenz zwischen den Baukosten der beiden Varianten, ist der Wittdüner überzeugt. Von der Befürchtung der Versalzung des Oberflächenwassers im angrenzenden Wohngebiet mal ganz abgesehen.

Warum man einen geschützten Bereich Amrums zugunsten einer Ausgleichsfläche für andere Projekte und für eine vermeintliche Einsparung von Steuergeldern der Nordsee zugänglich machen will, wollte etlichen Insulanern nicht einleuchten.

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