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90. Todestag von Stine Andresen : Mehr als nur eine Heimatdichterin

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Die Föhrerin hat der Nachwelt viel Poesie hinterlassen und war bereits als Kind literarisch aktiv.

shz.de von
erstellt am 28.Jul.2017 | 18:30 Uhr

Stine Andresen (1849-1927), die bekannte Föhrer Dichterin, starb vor 90 Jahren und hat der Nachwelt viel Poesie hinterlassen. Ihre literarische Tätigkeit, die seit früher Kindheit bereits in Elternhaus und Schule gefördert wurde, ermöglichte es ihr zeitweise sogar, davon zu leben. Für eine Frau um 1900 war dieser Umstand mehr als beachtlich.

Gabriela und Sebastian Jüngel, die vor sieben Jahren während eines Urlaubs im Archiv des Dr.-Carl-Haeberlin-Friesenmuseums in Wyk auf die Lyrik der Dichterin aufmerksam wurden, waren anlässlich des 90. Todestages von Stine Andresen an den Ort ihrer Recherche zurückgekehrt, um das Lebenswerk dieser Frau in biografischen Skizzen und Rezitationen, untermalt mit Flötenmusik, vorzustellen. Schnörkellos und unsentimental habe Andresen gedichtet, so Sebastian Jüngel, dennoch seien ihre tiefen Empfindungen, vor allem zur Natur und ihrer Heimat immer deutlich geworden. Sogar eine Musikalität empfanden die Rezitatoren und arbeiteten diese in Andresens Gedicht „Meerestraum“ sehr deutlich heraus.

„Sie ist sehr wach für die Übergänge gewesen“, erklärte Germanist Jüngel, „die Übergänge vom Meer zum Strand, vom Tag zur Nacht, vom Leben zum Tod.“ In den Gedichten „Spätrosen“, „Abschied vom Meere“ oder „Nächtlicher Besuch“ wurde deutlich, dass Andresen einen eigenen Zugang zum Werden und Vergehen gefunden hatte. Ihre eigene Lebensgeschichte mag sie dabei sehr geprägt haben, denn sie musste sich ihr ganzes Leben lang mit dem Tod auseinandersetzen. Stine Jürgens, so ihr Mädchenname, hatte früh schon ihre Geschwister und Eltern verloren; ihr Ehemann, der Müller Emil Andresen, starb mit 42 Jahren und der gemeinsame Betrieb, die Wyker Mühle, war bereits so herabgewirtschaftet, dass zu dem Verlust geliebter Menschen noch der wirtschaftliche Ruin hinzukam.

Andresen wurde wegen ihrer Schwermut stationär in Kiel und Flensburg behandelt, muss aber einen Weg aus der Krise gefunden haben, wobei ihr literarisches Talent wohl eine große Rolle gespielt haben mag. Auch wenn sie sich oft einsam fühlte („Ich machte lange einsame Spaziergänge am Meeresstrand und durch die Felder“), so war die Dichterin nicht allein gelassen. In der Welt bewegte sie sich sogar recht sicher und pflegte Kontakte zur späteren deutschen Kaiserin Auguste Victoria und zur rumänischen Königin Elisabeth zu Wied, die unter dem Künstlernamen Carmen Silva ebenfalls literarisch tätig war. Für die Burgschauspielerin Christine Hebbel, Ehefrau des Dramatikers Friedrich Hebbel, war Stine Andresen 1899/1900 sogar wie eine Privatsekretärin tätig.

Mit einem Hinweis auf Andresens Auszeichnungen (Erster Preis 1899 für eine Hymne auf die Stadt Kiel, Einladung vom Verein Berliner Presse zu einer Lesung, Aufbewahrung einiger Werke in der Eliteuniversität Harvard/USA) wünschte sich Sebastian Jüngel, die beachtliche und selbstbewusste Stine Andresen möge die Schublade „Heimatdichterin“ verlassen, damit ihr literarisches Talent in vollem Umfang gewürdigt werden kann. Jüngel: „Es wird Zeit, dass ihre feinsinnigen, rhythmisch differenzierten Gedichte wieder erklingen – und bei allem Ernst ihr Humor nicht übersehen wird“.

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