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schwimmendes museum : Maritimes Kulturgut zu Besuch

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Aus der Redaktion des Insel-Boten

Wer sich für alte Dampfschiffe begeistert, konnte seiner Leidenschaft dieser Tage im Wyker Hafen frönen. Nach einigen Jahren der Abstinenz stattete der Dampf-Eisbrecher „Wal“ der Insel seinen immerhin fünften Besuch ab.

Wer sich für alte Dampfschiffe begeistert, konnte seiner Leidenschaft dieser Tage im Wyker Hafen frönen. Nach einigen Jahren der Abstinenz stattete der Dampf-Eisbrecher „Wal“ der Insel seinen immerhin fünften Besuch ab. Begleitet wurde der Oldtimer von der Barkasse MS „Quarantäne“.

Mit knapp 50 Metern Länge und gut zwölf Metern Breite gehört die maximal elf Knoten erreichende „Wal“ zu den letzten großen Dampfschiffen unter deutscher Flagge. Gebaut im Jahr 1938 in den Stettiner Oderwerken, war sie bis 1990 auf dem Nord-Ostsee-Kanal als Eisbrecher im Einsatz. Bis 1964 wurde das Schiff mit Kohle betrieben, seither mit Öl. Die Schiffahrts-Compagnie Bremerhaven griff zu, als nach der Ausmusterung die Verschrottung drohte. Heute werden Kurzurlaube für jene, die auf die Bequemlichkeiten moderner Kreuzfahrtschiffe verzichten können, auf Nord- und Ostsee angeboten.

Chefs an Bord sind die Kapitäne Harro von Lüdinghausen und Bernhard Schumacher. Die einzigen wirklichen Fahrensleute an Bord, die übrige Besatzung setzt sich überwiegend aus seemännischen Laien – hauptsächlich Pensionäre – zusammen. Die Törns sollen helfen, das maritime Kulturdenkmal zu bewahren. „Rund 100 000 Euro verschlingt allein die Instandhaltung, ohne dass der Dampfer einen Meter bewegt wird“, berichtet von Lüdinghausen. „Man hört es rosten“, und ständig müsse an dem Schiff gearbeitet werden. Fast alles macht die ausnahmslos ehrenamtlich tätige Besatzung in Eigenleistung. Zwölf bis 14 Köpfe zählt die Crew in der Regel, dazu können auf dem über 38 Kojen verfügenden schwimmenden Museum 16 Gäste pro Fahrt mitgenommen werden. 200 bis 250 Stunden Fahrtzeit werden pro Jahr geplant, dennoch werden die Reisen aus Kostengründen reduziert. Wurden früher schon mal Göteborg oder Riga angesteuert, liegen die Ziele heute wesentlich näher. Längere Reisen sind zu teuer – die Fahrgäste bleiben aus.

Für die Schiffsführer – beide fahren abwechselnd als Kapitän oder Steuermann – ist die Tour nach Föhr eine Herausforderung: Immerhin kommt die „Wal“ mit fünf Metern Tiefgang daher. Große Erfahrung aber haben beide. So tat der ehemalige Fregattenkapitän Harro von Lüdinghausen bei der Marine Dienst auf einem Zerstörer. Seit 2000 gehört er dem Verein an. In der Vergangenheit teilte er sich den Job mit Werner Schwarz, heute ist Schumacher sein Partner. Der war in seinen Anfangsjahren – seit 1959 – auf Frachtschiffen unterwegs. Bis zu seiner Pensionierung fuhr Bernd Schumacher zuletzt 36 Jahre lang auf Hafen- und vor allem Hochseeschleppern für Hapag-Lloyd.

Zwar ist die „Wal“ ein Methusalem, ihren Dienst als Eisbrecher aber könnte sie im Bedarfsfall auch heute noch versehen. „Wir haben noch die Eisbrecherklasse“, verweisen die Schiffsführer auf die Einstufung der Eisfestigkeit von Schiffen. Der typische Eisbrecher-Bug ist imposant, fünf Zentimeter Eisen weist vorn der Steven, stolze drei Zentimeter der Bug auf. „Bis 60 Zentimeter marschiert der Dampfer locker durchs Eis“, so Harro von Lüdinghausen.

Zur Bremerhavener Geschichte gehört auch die Barkasse „Quarantäne“. Als Dienstfahrzeug des Hafengesundheits- und Quarantäneamtes versah sie früher ihren Dienst. Mit ihr konnten ein- oder auslaufende Schiffe, ohne dass diese Landkontakt hatten, aufgesucht werden. So konnte der Hafenarzt bei schweren oder Verdacht auf ansteckende Erkrankungen sowie Unfällen rund um die Uhr angefordert werden. 40 Jahre lang versah die 1960 gebaute, knapp 20 Meter lange Barkasse zuverlässig ihren Dienst, ehe sie moderneren Verkehrsmitteln weichen musste und aufgelegt wurde.

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erstellt am 01.Sep.2014 | 08:00 Uhr

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