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Flüchtlinge auf Föhr und Amrum : Mammut-Aufgabe für alle Beteiligten

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Aus der Redaktion des Insel-Boten

Die Zahlen ändern sich ständig: Neben dem Amt und den Helferkreisen leisten auch die Schulen und Kindergärten einen wichtigen Part zur Integration.

Angesprochen auf das Flüchtlingsthema, redet Jörg Michelsen derzeit nicht gern über Zahlen. Die seien, so der Leiter des Ordnungsamtes, bei ihrer Nennung ohnehin häufig bereits überholt. Bei 41 habe die Jahres-Aufnahmequote im Januar gelegen, sei dann über 60 auf 91 gestiegen und liege nun bei rund 100 Personen für Föhr und Amrum.

Für das Ordnungsamt eine fatale Entwicklung, denn die eigentlichen Aufgaben geraten ins Hintertreffen. So wurde mit Marco Christiansen ein Mitarbeiter freigestellt, der sich allein der Flüchtlingsthematik widmet. Und der Aufwand ist enorm, beschränkt sich nicht nur auf die Unterbringung. Es gilt, jene, die nach Föhr oder Amrum kommen, auf diversen Wegen zu begleiten. Dazu kommt der administrative Part und auch die Wohnungen müssen hergerichtet werden. Aufgaben, die selbst mit den gut funktionierenden Helferkreisen auf beiden Inseln kaum zu bewältigen sind. „Es wird noch einiges auf uns zukommen und wir bewegen uns am Limit“, fürchtet Jörg Michelsen zudem den Worst Case. Der träte ein, wenn die gut funktionierenden Strukturen der ehrenamtlichen Helfer durch Überlastung zerschlagen würden, „dann haben wir ein ungleich größeres Problem“.

Doch nicht nur die Helferkreise, auch die Schulen und Kindergärten haben einen großen Anteil an der Integration. So besuchen zwei Kinder aus Flüchtlingsfamilien den Amrumer Kindergarten. Oberste Priorität habe das Erlernen der Sprache, berichtet die Leiterin der Einrichtung, Brigitte Jerosch, wobei es dafür kein spezielles Programm gebe. Die Kinder lernen die neuen Wörter im Kita-Alltag spielerisch. Basis für das Gelingen sei eine vertrauensvolle Beziehung zu den Erzieherinnen, eine Hürde, die mittlerweile überwunden sei. Auch an der Öömrang Skuul ist man um Integration bemüht. Zwei Schüler nehmen am normalen Unterricht teil und werden zudem in Deutsch gefördert, sagt Schulleiter Jörn Tadsen. Da die Kinder bislang nur ihre Heimatsprache beherrschen, müssen Tadsen und Jerosch improvisieren. Denn anders als auf Föhr fehlt es an Dolmetschern, so dass jeweils Online-Übersetzungsprogramme zum Einsatz kommen.

Auf Föhr sind neben einem Kind an der Grundschule in Midlum die Wyker Schulen involviert. Je zwei Schüler besuchen die Rüm-Hart-Schule und die Eilun-Feer-Skuul. In Letzterer fungiert die Deutschlehrerin Frauke Andresen intern als Beauftragte für Migration, berichtet Schulleiter Carl Wögens. Die Kinder sind in den planmäßigen Alltag integriert, erhalten zudem individuellen Unterricht in Deutsch und Englisch und werden von Schülerseite von Paten betreut. „Wir sind guter Dinge, dass die begonnene Integration gut weiterläuft“, ist Wögens optimistisch.

Von zwei Mädchen, die in diesem Jahr eingeschult wurden, berichtet die Leiterin der Rüm-Hart-Schule. Auch hier sind die Kinder in den Alltag integriert und Rita Hinrichsen lobt den Helferkreis, der allein schon wegen seiner Dolmetschertätigkeit ungemein hilfreich sei. Ein großes Lob zollt die Schulleiterin aber auch dem evangelischen Kindergarten St. Nicolai, in dem die Kinder sehr gut vorbereitet worden seien. „Das sind für mich positive Beispiele, wie Integration gut funktionieren kann.“

Die so gelobte Einrichtung ist derzeit – abgesehen von einem Kind im Midlumer Kindergarten – die einzige Föhrer Kita, in der Flüchtlingskinder aufgenommen wurden. Vier seien es aktuell, berichtet die Leiterin Klaudia Hobje. Die Kinder lernen naturgemäß sehr schnell Deutsch und erhalten regelmäßig von der früheren Leiterin der Rüm-Hart-Schule, Anne Harder, Deutsch-Förderunterricht.

Auf welche Zahlen sich Schulen, Kitas und alle übrigen Beteiligten künftig einstellen müssen, steht in den Sternen. Verlässliche Aussagen gibt es nicht, beklagt auch Jörg Michelsen: „Wir registrieren derzeit immer neue Aufnahmen und hangeln uns von Woche zu Woche.“ Michelsen hat die undankbare Aufgabe, Flüchtlinge einzugliedern und die Insulaner dabei nicht aus dem Auge zu verlieren. Denn auch diese müssen auf dem ohnehin überschaubaren Wohnungs- und Stellenmarkt weiterhin eine Chance haben.

Der größte Teil der Flüchtlinge auf Föhr und Amrum muss wegen der Anhörungsverfahren noch nach Neumünster und kann lediglich eine Duldungsbescheinigung vorlegen. Ein Problem bei der Eröffnung eines Kontos, ohne das in der heutigen Gesellschaft nichts geht. Und ein Problem, das auch die Banken erkannt haben, weshalb für jene, deren Verfahren noch läuft, übergangsweise erleichterte Bedingungen gelten. So genügen der Briefkopf einer deutschen Ausländerbehörde, Identitätsangaben (Name, Geburtsort und -datum, Staatsangehörigkeit und Anschrift) sowie ein Lichtbild und die Unterschrift des Bearbeiters bei der Ausländerbehörde, um ein Konto zu eröffnen. Praktische Erfahrungen hat auf Föhr allerdings bisher lediglich die Nord-Ostsee-Sparkasse, wo er bereits einige Flüchtlingskonten gibt.

 

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erstellt am 22.Okt.2015 | 12:30 Uhr

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