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Mensch des jahres 2015 : Lotsin durch den Sprach-Dschungel

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Aus der Redaktion des Insel-Boten

Karin Faltings lebte elf Jahre in Teheran und spricht die Landessprache Farsi fließend. Den Flüchtlingen aus Afghanistan auf Föhr steht sie bei den ersten Gehversuchen in der neuen Heimat – nicht nur – als Dolmetscherin zur Seite.

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erstellt am 08.Nov.2015 | 17:00 Uhr

Eigentlich hat alles schon in den 1960-er Jahren angefangen. Damals kam ein Kunde zu der jungen Buchhändlerin Karin Faltings und verlangte ein Wörterbuch „Deutsch für Ausländer“. Die Friesin und der Iraner wurden ein Paar, Faltings lebte mit ihrem Mann elf Jahre in der persischen Hauptstadt Teheran und spricht seither die Landessprache Farsi fließend.

Ein Glücksfall für die Menschen, die aus dem seit Jahrzehnten von Kriegen und Gewalt heimgesuchten Afghanistan nach Deutschland fliehen und auf Föhr Zuflucht finden. Denn Farsi ist auch die Sprache der Afghanen und Karin Faltings steht ihnen bei den ersten Gehversuchen in der neuen Heimat – nicht nur – als Dolmetscherin zur Seite.

Bereits vor vier Jahren hat Faltings die ersten afghanischen Flüchtlinge betreut, aktuell sind es zwei Familien, die sie unterstützt. Seit knapp einem Jahr sind die auf Föhr und kommen, so berichtet ihre „Patin“, inzwischen auch ganz gut alleine klar. So muss sie – dank eines Büchleins, dass die Verständigung zwischen Doktor und Patienten nicht nur auf Englisch, Deutsch und Farsi, sondern auch anhand witziger Abbildungen erleichtert – nicht mehr bei jedem Arztbesuch dabei sein. „Aber meine Telefonnummer hängt in den Praxen, bei Bedarf komme ich dann dazu“, berichtet sie. Auch Schulen und Kindergärten wissen, an wen sie sich bei Verständigungsproblemen wenden müssen, so übersetzt sie beispielsweise Elternbriefe. Und auch den regelmäßigen Sprachunterricht für die afghanischen Neu-Föhrer hat Karin Faltings übernommen, und sie hat Wortlisten erstellt, die ihnen helfen sollen, im Alltag klar zu kommen. Und dabei so ganz nebenbei ihre eigenen Persischkenntnisse aufgefrischt.

Denn Faltings Iran-Aufenthalt liegt lange zurück. 1978 besuchte sie mit ihrer kleinen Tochter ihre Eltern auf Föhr und „strandete“ auf der Insel, weil im Iran die islamische Revolution ausbrach. „Plötzlich saß ich hier mit meinem Kind und einem Koffer, musste meinen Freundeskreis zurücklassen“, kann sich die Nordfriesin nur zu gut in die Lage ihrer Schützlinge hineinversetzen.

Sie blieb auf Föhr, heiratete nach ihrer Scheidung erneut, wurde Witwe und schließlich Ehefrau des Mathematikers Kai Faltings, der sie bei ihrer Flüchtlingsarbeit tatkräftig unterstützt. Nicht der einzige, denn – das betont sie immer wieder – Karin Faltings sieht sich nur als ein Teil des Föhrer Asyl-Helferkreises, dessen Arbeit mit großem Engagement von Siegfried Rettig koordiniert und vielen ehren- und hauptamtlichen Engagierten getragen wird. Doch Karin Faltings, die nicht nur übersetzt, sondern im Helferkreis auch weitere Aufgaben übernommen hat, ist dort ein wichtiges „Rädchen“ im Getriebe.

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