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Amrumer feuerwehr : Leute, die ticken wie du

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Von der Jugendwehr wechselte Toni Genzel zu den aktiven Brandschützern. Dabeizubleiben, war für den Reetdachdecker nie eine Frage.

Toni Genzel aus Menteroda in Thüringen lebt seit 25 Jahren auf der Insel. Der gelernte Gas- und Wasserinstallateur arbeitet als Reetdachdecker bei der Amrumer Reetdachdeckerei. Der 33-Jährige lebt mit Klein-Feuerwehrmann Moje (9) in Wittdün. Toni Genzel ist das Gesicht der „Die-Feuerwehr-braucht-dich“-Kampagne. Da guckt er wie ein guter Kumpel. Auffordernd. Mit der Frage im Blick: Wenn du nicht kommst, wer kommt dann?


Fotoshooting in Miami. Wird gern genommen, wegen des tollen Lichts. Flug, Hotel, Pool – morgens die Aufnahmen: Neben und auf dem Wagen. Mal oben ohne, mal in voller Montur, klönen mit anderen Firefightern ... wie war das?
Mein Feuerwehr-Kamerad Peter (Lückel), der Grafiker, rief an und sagte, hey, hier ist ein Foto von dir von einer Übung, da stehst du am Wagen und guckst voll in die Kamera. Sieht gut aus. Können wir das nehmen?

Ok, zu Ende geträumt. Was ist dein Job bei der Wittdüner Wehr?
Ich bin Maschinist und Gerätewart. Ich fahre das Löschgruppenfahrzeug. Und auf dem Foto sorge ich gerade dafür, dass meine Kameraden vorne am Strahlrohr Wasser haben, reguliere den Druck und gucke, dass der Tank wieder voll wird.

Seit wann bist du dabei?
Seit 2000. Ich bin mit drei Kumpels direkt aus der Jugendwehr in die aktive gewechselt.

War nie eine Frage?
Nie! Wir waren eine Clique, wir waren jung, liebten Autos und mit Blaulicht fahren.

Kameradschaft ist ein Wert. Und der klingt bei allen von euch immer mit.
Ist auch so. Leute um sich zu haben, die ticken, wie du. Die was wissen, die man fragen kann, die helfen. Dir – und anderen. Ist gut so. Eine eingespielte Truppe.

Da gehört auch so was wie der Mukoviszidose-Lauf dieses Jahr dazu ...
Den sind wir mit Atemschutz und voller Montur gelaufen. Ich hab’ für eine Runde (4,5 km) 45 Minuten 25 gebraucht. Auf dem Sand war Schluss mit Laufen und Maske. Aber so ging’s ja fast allen.

Du bist in deinem Job nicht der einzige bei der Feuerwehr. Wenns da piept, sind wie viele weg?
Vier. Und auch der Chef. Das ist dann knapp die Hälfte von unserem Laden. Wir sind bei der Amrumer Reetdachdeckerei schön verteilt. Zwei in Süddorf/Steenodde bei der Wehr, einer in Norddorf, ich in Wittdün.

Dein Weg bei der Feuerwehr?
Truppmann 1 und 2. Und dann innerhalb der nächsten zwei Jahre Truppführer, Sprechfunker und die Lehrgänge für Maschinist und Atemschutz. Das ging alles. Waren immer mal ein paar Wochenenden.

Dein Zeitaufwand jetzt?
Einmal im Monat Dienst in Wittdün, maximal zwei Stunden. Ich mache viel freiwillig, helfe mal bei anderen Wehren aus, erkläre bei Lehrgängen das Fahrzeug, die Pumpe ...

Wie viele seid ihr in Wittdün?
23 Aktive. 22 Männer, eine Frau. Das ist wenig. Die meisten sind über 40 Jahre, ein paar Dreißiger und einer, der jünger ist. Wobei beim letzten Übungsdienst zwei Neue da waren. Das ist gut.

Was ist das Problem in deinen Augen?
Die Zeit hat bestimmt jeder über, aber die Grundausbildung zieht sich einfach ein bisschen hin, das schreckt manche. Sollte aber nicht. Kriegen wir die Pflichtfeuerwehr, schreckt das viel mehr.

Es gibt zig verschiede Themen bei der Feuerwehr, wie sieht so ein Dienst bei euch aus?
Man kann viele Sachen machen. Und lernen. Schiffsbrandbekämpfung, technische Hilfeleistung bei Verkehrsunfällen, Personen bergen. Wir kommen donnerstags (den jeweils zweiten im Monat) ins Gerätehaus, ziehen uns an, und dann hat sich der Truppführer was ausgedacht. Mal gehts in ein Abrisshaus, vermisste Person drinnen, Suche unter Atemschutz. Oder wir schneiden Autos auseinander.

Da gibt es auf You Tube ein Video vom Dräger-Fire-Training im April auf Amrum, da hört man jemanden zehn Minuten lang schwer durchs Mundstück atmen ...
Ja, und die ganze Zeit qualmts. Da hat Dräger (Feuerwehrausrüster) uns einen Container hingestellt, der brannte drinnen, da sind wir von oben rein und haben alles Mögliche simuliert: Sofa- und Fettbrand, Gasleitungsleck mit Stichflamme, Rauchgasdurchzündung, Solarbrand. Und einer von uns hatte die Helmkamera, und hat damit gefilmt. Hat uns mal wieder gezeigt, dass man auch mit wenig Wasser sehr effizient löschen kann. Das Wochenende war schon was Besonderes.

Die Schlussfrage an Ausbilder Jens Lucke. Muss man Angst vor der Verantwortung haben?
Niemand bekommt Verantwortung aufgezwungen, wenn er sie nicht haben will. Und keiner, der nicht will oder kann, muss in ein brennendes Haus, auf eine hohe Leiter oder unter die Atemmaske. Die Aufgabe der Feuerwehr ist ja nicht nur zu Löschen. Wir schützen, retten und bergen auch. Es gibt also zig Jobs drum herum. Von Absperrung bis zur Wasserversorgung.

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