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Am Wyker Südstrand : Letzte Saison für das Kinderkurheim

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Rund 40 Mitarbeiter stehen Ende dieses Jahres auf der Straße. AOK-Geschäftsführung begründet den Schritt mit fehlender Wirtschaftlichkeit.

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erstellt am 14.Okt.2015 | 09:00 Uhr

Das Kinderkurheim der Allgemeinen Ortskrankenkasse (AOK) Baden-Württemberg am Wyker Südstrand wird geschlossen. Für die rund 40 Mitarbeiter ein Schlag ins Gesicht, die völlig unvorbereitet mit der Tatsache konfrontiert wurden, dass sie zum Ende dieses Jahres arbeitslos sein werden. Die Zahl stationärer Vorsorge- und Rehabilitationskuren für Kinder und Jugendliche sei bundesweit seit geraumer Zeit rückläufig, begründete die Pressestelle der AOK-Kinderkurheim GmbH auf Nachfrage den Schritt. Dieser Entwicklung habe sich die Einrichtung in Wyk nicht entziehen können.

In ruhigem Fahrwasser war das Kinderkurheim, das seit 1995 von der AOK Baden-Württemberg genutzt, 1998 gekauft und zu Beginn der 2000-er Jahre aufwendig saniert worden war, nie. „Seit fast 20 Jahren verzichten die Mitarbeiter auf Gehaltsbestandteile des AOK-Tarifvertrages“, berichtet der Verdi-Fachbereichsleiter Michael Rüther, um das Ganze halbwegs wirtschaftlich betreiben zu können. Zudem sei die Einrichtung 2010 in einen Saisonbetrieb umgewandelt worden und seither jeweils in den Monaten Dezember bis Februar geschlossen. Für den Betriebsrat Kai Jensen eine wirksame Maßnahme: „Mit dem Saisonbetrieb wurden die Kinderzahlen deutlich besser und das Heim war in zehn Durchläufen pro Jahr gut ausgelastet.“

Doch das Haus ist in die Jahre gekommen und für die Geschäftsführung sind Zahlen die Grundlage für Entscheidungen. So verweist die Pressestelle auf die rückläufige Gesamtentwicklung: „Um jungen Familien und deren Kindern optimale Versorgungskonzepte anbieten zu können, muss ein neues Klinikkonzept entwickelt werden, außerdem sind umfassende Baumaßnahmen erforderlich.“ Daher und aus rechtlichen Gründen sei die Schließung zum Jahresende unausweichlich. Beide Seiten streben nun ein geordnetes Verfahren an, um die Situation für die Beschäftigten einigermaßen erträglich zu machen; Verhandlungen sind für den 21. Oktober geplant.

Nun zahlt sich aus, dass bereits vor zwei Jahren ein Sozialtarifvertrag abgeschlossen wurde, berichtet Rüther. Der habe insbesondere die Problematik berücksichtigt, dass die Mitarbeiter jeweils neun Monate beschäftigt und jährlich mit einem neuen Vertrag ausgestattet wurden. Rein formal gesehen befristete Verträge, die eine Abfindung ausschließen. In dem Sozialtarifvertrag aber wurde festgeschrieben, dass die Mitarbeiter im Fall einer Schließung so behandelt werden, als ob sie dauerhaft beschäftigt wären. Auch über flankierende Maßnahmen soll geredet werden. Über die Höhe möglicher Abfindungen etwa, und ob der Betreiber Bewerbungstrainings für langjährig Beschäftigte, Fahrtkostenzuschüsse oder eine Umzugsregelung anbietet.

Stationäre Vorsorgemaßnahmen für Kinder und Jugendliche sollen ab 2016 in der Fachklinik Satteldüne auf Amrum erbracht werden. Dort könnten nach jetzigem Stand auch einige Arbeitsplätze zur Verfügung gestellt werden, verweist Michael Rüther auf entsprechende Gespräche und die Möglichkei der Mitarbeiter, sich auf der Nachbarinsel zu bewerben.

Die Zukunft des Kinderkurheimes ist derweil ungewiss. Laut Pressestelle der AOK-Klinik GmbH werden derzeit Gespräche mit Rehasan, einem bundesweiten Träger von Mutter-Vater-Kind-Einrichtungen, geführt. Angesichts notwendiger Sanierungen und des in dieser exponierten Lage eingeschränkten Bebauungsplans dürfte das Haus wohl einige Jahre ungenutzt bleiben.

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