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Der Erste Weltkrieg : Letzte Ruhe in der Heimat-Erde

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

John Wilhelm Söncksen wurde auf den Schlachtfeldern im Osten verwundet und als einer der wenigen Soldaten Föhrs auf der Insel begraben.

shz.de von
erstellt am 02.Sep.2015 | 19:00 Uhr

„Das Ehrenbuch unserer Gemeinde“ Oevenum verzeichnet den am 9. August 1915 gefallenen Soldaten John Wilhelm Söncksen aus Wyk, dessen Name ebenfalls auf dem Ehrenmahl in Boldixum erscheint. Außerdem nennt eine Gedenkplatte in der Reihe der Gefallenen des Ersten Weltkriegs auf dem Nieblumer Friedhof seinen Namen (nördlichste Reihe, fünter Stein von links). Beerdigt wurde John Wilhelm Söncksen auch auf dem dortigen Friedhof. Damit gehört er zu den wenigen Soldaten Föhrs, die ihre letzte Ruhe in der Heimaterde fanden.

John Wilhelm Söncksen wurde 1885 in Wyk als Sohn des Briefträgers Matthias Söncksen (1861-1933) und dessen Frau Meta geborene Sönnichsen geboren, die einen Butterladen in der Mühlenstraße 16 betrieb. Er hatte drei Brüder: Matthias fiel ebenfalls im Ersten Weltkrieg, Karl wurde Bankvorsteher in Garding, und der Seemann „Tedje“ Söncksen, ein Urgestein der Schifferbank, ist vielen noch bekannt.

Die gemeinsame Schwester Grete heiratete den Kapitän Andreas Matzen, der 1944 mit seinem Frachter „Nordmark“ in der Nähe von Amrum auf eine Mine lief und zusammen mit zwei Besatzungsmitgliedern umkam. Grete Matzen, besser bekannt als Grete Söncksen, führte den Butterladen ihrer Mutter weiter.

Ferdinand Zacchi (1884-1966) erinnert sich an seinen Klassenkameraden John Wilhelm Söncksen und das Spiel der Wyker Jungs mit „de Löpers“: „Wi harrn ümmer de Taschen vull vun Löpers ... . Eenmal harr John Söncksen sien Taschendook inne Stunn ruthalt un rums tümmelten nu alle Löpers öwer de Deel. O, wat woar de Ohl (Lehrer Christian Jens Christiansen, 1847-1928, d.V.) doll! Wi mosten nu alltomal uns’ feine Löpers afleewern“.

John Wilhelm Söncksen wurde Kaufmann und übernahm im Jahr seiner Heirat (1913) zusammen mit seiner Frau Maria Volena Rörden (1893-1920) aus Midlum den Kaufmannsladen in der Oevenumer Dörpstrat 62, der bis heute besteht. Nicht einmal zwei Jahre später, am 23. März 1915, wurde der junge Ehemann und Vater einberufen, vier Monate darauf auf den Schlachtfeldern im Osten schwer verwundet und ins Krankenhaus nach Landsberg an der Warthe in Polen gebracht. Drei Tage vor seinem 30. Geburtstag starb John Wilhelm Söncksen dort am 9. August 1915.

Es gelang, seine sterblichen Überreste auf seine Heimatinsel zu überführen. Neben ihm auf dem Nieblumer Friedhof wurde nur fünf Jahre später auch seine Frau Maria Volena zur letzten Ruhe gebettet. Das Grab der Eheleute Söncksen besteht nicht mehr. Die gemeinsame Tochter Meta (geb. 1914), die im Alter von sechs Jahren Vollwaise wurde, heiratete 1942 den Amrumer Gerhard Alwin Ricklefs. Sie hatten zwei Söhne und eine Tochter.

Und was geschieht auf den Inseln?

Etwas mehr als ein Jahr war es im August 1915 her, dass die allgemeine Mobilmachung befohlen wurde, die Wyker und Boldixumer Männer sich bei der Nebeler Kirche auf Amrum melden mussten und der Norddorfer Bäckermeister und Gemeindevorsteher Schult „in mehlbestäubtem Arbeitsanzug, mit weißer Bäckerschürze angetan“ von Haus zu Haus eilte, die Türen aufriss und „Mobil!“ hineinbrüllte.

Wenige Monate später meldete sich der Amrumer Steuermann Karl Bendixen (1887-1914), der mit einem Segelschiff vor Valparaiso in Chile lag, zum Dienst im dort eben ankommenden Geschwader des Grafen Maximilian von Spee (1861-1914) und fand zusammen mit ihm und vielen Kameraden auf der „SMS Gneisenau“ im Seegefecht bei den Falklandinseln am 8. Dezember 1914 den Tod.

Auch der Amrumer Theodor Krückenberg (1885-1962) diente unter Graf Spee, überlebte das Gefecht bei der Hafenstadt Koronel und wurde schließlich in einem chilenischen Lager untergebracht.

Der Boldixumer Jann Okkens wurde am 22. Juli1915 an der Bord SMS „Hildebrand“ zum Steuermannsmaat befördert. Ein Jahr später wird er in der Schlacht am Skagerak fallen.

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