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Insel-Bote

15. Dezember 2017 | 06:09 Uhr

Referat in Nebel : Lernen mit allen Sinnen

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Welchen Einfluss haben Bildschirm-Medien auf uns und die Beziehung zu unseren Kindern? Ein Vortrag in der Fachklinik Satteldüne gab Antworten.

shz.de von
erstellt am 04.Dez.2017 | 17:30 Uhr

Welchen Einfluss haben Bildschirm-Medien auf uns und die Beziehung zu unseren Kindern? Welche Auswirkung haben sie auf die Entwicklung unserer Kinder? Und gibt es Regeln für den Medienkonsum der Kinder?

Diese Fragen wurden in einem Vortrag in der Kinderfachklinik Satteldüne mit mehr als 30 Besuchern diskutiert. Initiiert wurde die Veranstaltung von den Frühen Hilfen Föhr-Amrum (Birte Rochhausen) und der Lebenshilfe Sylt (Gudrun Hausmann) in Kooperation mit der Fachklinik. Deren Kinderarzt Dr. Olaf Schnabel referierte zu diesem Thema. Wer wollte, konnte sein Handy am Eingang ablegen und dem Abend „whatsApp-frei“ beiwohnen.

Wie sehr sich unsere Gesellschaft in den vergangenen Jahren in und mit der Medienwelt verändert hat, legte Schnabel einleitend dar. Seit 1990 gebe es das Internet, ebenfalls seit den 1990-er Jahren zunehmend das Handy. Facebook habe seit 2004 bei uns Einzug gehalten und das Smartphone begleite uns seit 2007. „WhatsApp“ gebe es gerade mal seit 2009, so der Referent. Gleichzeitig habe sich die Lesekultur in den letzten 30 bis 40 Jahren in Deutschland verändert, die von 22 auf 18 Minuten täglich sank. „Der TV-Konsum hingegen stieg in den letzten 40 Jahren von 100 auf 220 Minuten täglich an“ berichtete Schnabel.

Um sich den Einfluss des Medienkonsums bewusster zu machen, war die Mitarbeit der Anwesenden gefragt. Zunächst galt es, Vor- und Nachteile als Besitzer eines Smartphones zu reflektieren. Im Anschluss wurden diese Argumente pro und kontra diskutiert. Die nächste Frage galt den Vor- und Nachteilen des Smartphones aus der Sicht des Kindes, die ebenfalls besprochen wurden. Auch der jüngste Besucher, ein Amrumer Schüler, der mit seinem Vater gekommen war, steuerte spannende und interessante Antworten bei.

Welche Auswirkungen hat nun der Bildschirm-Konsum auf die gesunde Entwicklung eines Kindes? Dr. Schnabel beleuchtete die biologische Entwicklung nach der Geburt: Mit Milliarden von Nervenfasern komme ein kleiner Mensch zur Welt. Lernen bedeute, dass zwischen diesen Nervenfasern Verschaltungen (Synapsen) entstehen. Dafür brauche es Reize, Wiederholungen und Freude, die durch Sinne wie Riechen, Hören, Sehen, Schmecken und Fühlen im Nervensystem einträfen. Ungenutzte Nervenfasern bildeten sich im Laufe der Jahre eher zurück. Weshalb das Lernen mit allen Sinnen so wichtig sei. „All diese Dinge braucht das Kind, um die Welt zu begreifen, um sozial-emotionale Kompetenzen zu erlernen und sich in der Gemeinschaft gesund zu entwickeln.“ Entscheidend seien die ersten Minuten, Wochen und Jahre im Leben für eine stabile Eltern-Kind-Bindung, sie seien ein unverzichtbares Fundament für das seelisch gesunde Aufwachsen. Diese Bindung entstehe durch das aufeinander Einlassen, durch die Aufmerksamkeit, die Eltern ihren Kindern beim Spielen, Stillen oder den Mahlzeiten schenken sollten, führte Schnabel weiter aus.

Aktuelle Studien belegen, dass ein erhöhter Medienkonsum bei Kindern zu diversen Erkrankungen führen kann. Die Empfehlungen aus kinderärztlicher Sicht: Keine Bildschirm-Medien unter drei Jahren, danach höchstens 30 Minuten pro Tag, bildschirmfreie Kinderzimmer, sorgfältige Auswahl der Mediennutzung, keine Gewaltdarstellung und Medienkonsum im Beisein der Eltern. Zudem sollten die Zeiten vor dem Schlafengehen und Kindergarten- oder Schulbesuch sowie den Mahlzeiten bildschirmfrei bleiben. Dabei haben Eltern eine wichtige Vorbildfunktion. Die Erwachsenen sollten sich regelmäßig reflektieren und den eigenen Umgang mit den Medien überprüfen. Mit denen ein vorsichtiger Umgang geboten sei, sagte Dr. Schnabel.

Zum Abschluss gab es für jeden Besucher eine Postkarte mit einem passenden Spruch: „Als wir Kinder waren, hatten wir kein Internet und keine Handys, dafür aber aufgeschlagene Knie und dreckige Fingernägel. Das war eine wundervolle Zeit.“

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