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Glück im Unglück : Leopold verdankt einem Touristen sein Leben

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Ein Wattwanderer entdeckt den in ein Fischernetz verfangenen Seehund. Mitarbeiter des Robbenzentrums können das Tier aus seiner misslichen Lage befreien.

Ein dringender Notruf erreichte die Mitarbeiter des Wyker Robbenzentrums. Touristen meldeten einen verletzten Seehund, der sich weit draußen im Watt in einem abgerissenen Fischernetz verfangen hatte. „Die kleine Robbe konnte sich kaum noch bewegen“, berichtet Finder Axel Wiehler. Sobald es die Tide erlaubte, gingen André van Gemmert und Janine Bahr zur beschriebenen Stelle ins Watt. Nach über einer Stunde Marsch erreicht Janine Bahr dann die beschriebene Stelle und findet gemeinsam mit ihren Mitarbeiterinnen Sina Bauer und Lilly Büttelmann das geschwächte Tier recht schnell an einer von einem tiefen Priel umgebenen Sandbank. Nur mit einiger Eile und einem Schwimmeinsatz durch den tiefen Priel konnte die Tierärztin den Seehund erreichen und bergen. Erst dann war es möglich, das Tier aus seiner misslichen Lage zu befreien und das aus Kunststoff bestehende Netz aus den tief ins Fleisch eingeschnittenen Wunden herauszuschneiden. Nach der Wundversorgung und der Gabe von Elektrolytflüssigkeit wurde der Seehund wieder munter und wehrhaft. Nach eingehender Untersuchung wurde der kleine „Leopold“ -so haben die Finder die Robbe spontan getauft – dann wieder ins Wasser zu seiner Gruppe entlassen.

„Im Salzwasser heilen solche Wunden recht schnell“, berichtet Bahr. „Jedoch ohne die Aufmerksamkeit der Touristen und den beherzten Rettungseinsatz wäre das Tier langsam und jämmerlich gestorben.“ Für die an der Rettungsaktion beteiligten Personen war es ein tolles Gefühl zu sehen, dass sich die kleine Robbe schnell wieder in ihre Gruppe integrierte und mit ihr wegschwamm. „Immer wieder geraten Meeressäuger in unachtsam weggeworfene, abgerissene oder abgeschnittene Netze – so genannte Geisternetze“, kommentiert André van Gemmert diesen Vorfall.

Im schleswig-holsteinischen Wattenmeer müsste der Schutz der Robben im Allgemeinen viel mehr und besser überwacht und kontrolliert werden, da sind sich die beiden Robbenzentrumsbetreiber einig. Immer wieder erhalten sie Meldungen von Touristen, dass Ausflugsboote zu nah an die Robbenbänke heranfahren und die Tiere dadurch ins Wasser flüchten. Das ist gerade in der Wurfzeit der Seehunde im Frühsommer für viele Neugeborene Tiere ein Todesurteil, wenn sie durch vom Menschen verursachte Störungen von ihren Müttern getrennt werden. Die Betreiber des Robbenzentrums befürchten, dass viele der ihnen gemeldeten Seehunde durch menschlichen Einfluss in eine Notlage kamen. Neben der Verschmutzung durchWohlstandsmüll, Überdüngung und Überfischung der Nordsee zeige auch das Beispiel des im Netz verfangenen Tieres, dass der Nationalpark Wattenmeer ganz und gar keine unberührte Natur sei, so Bahr.

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