guter bekannter : Leidenschaften prallen aufeinander

Ein gutes Team: Hans Scheibner mit Ehefrau Petra (rechts) und Tochter Raffaela.
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Ein gutes Team: Hans Scheibner mit Ehefrau Petra (rechts) und Tochter Raffaela.

Längst ist es gute Tradition und so machte der bekannte Kabarettist Hans Scheibner auch in diesem Jahr auf Amrum Station. Mit seinem Programm zur Fußball-Weltmeisterschaft begeisterte er die Insulaner.

shz.de von
02. Juni 2014, 21:00 Uhr

Längst ist es gute Tradition und so machte der bekannte Kabarettist Hans Scheibner auch in diesem Jahr auf Amrum Station. Zuletzt hatte der „Lästerlyriker“ das insulare Publikum mit Programmen wie „Glatteis“, „Alles so schön beknackt hier“ oder „Wer nimmt Oma?“ begeistert. Fast 78 Jahre ist Scheibner alt, kürzer zu treten gehört jedoch nicht zu seinem Lebensplan.

Und warum sollte er auch? In diesem Jahr hatte der Hamburger bei seinem Gastspiel im Norddorfer Gemeindehaus passend zur in Kürze beginnenden Fußballweltmeisterschaft in Brasilien das Thema „Frauen und Fußball“ im Gepäck. Und da Fußball eine Mannschaftssportart ist, wurde das Ein-Mann-Team kurzerhand verstärkt, leisteten Ehefrau Petra Melchert-Scheibner und Tochter Raffaela Scheibner auf der Bühne tatkräftig Unterstützung. Eine gute Entscheidung, denn beide präsentierten sich in Bestform. Sie gaben dem „Alten Hasen“ nicht nur tolle Vorlagen, sondern verwandelten auch Strafstöße und gesungene Elfmeter.

Natürlich wurden alle wichtigen Fragen des aktuellen Fußballgeschehens behandelt. Werden wir tatsächlich in Brasilien zum vierten Mal Weltmeister? Ist Fußball wirklich „nur“ die wichtigste Nebensache oder nicht doch die wichtigste Hauptsache im Leben? Ist der Fußballgott ein glühender HSV-Fan oder wie ist zu erklären, dass dieser Mannschaft der sicher geglaubte und verdiente Abstieg in die Zweite Liga erspart blieb?

Hans Scheibner, bekennender Sympathisant des Hamburger Kultklubs FC St. Pauli, nahm während der rund 90 Minuten plus Nachspielzeit kein Blatt vor den Mund. Und birgt in „Frauen und Fußball“ ohnehin jedes Thema explosiven satirischen Sprengstoff, prallen im knallharten Fußballjahr Leidenschaften aufeinander. Auf der einen Seite die Frauen, die vom Fußball einfach nicht genug kriegen können. Ganz nach dem Motto: Wir sind Europameister, wir waren Weltmeister und jetzt seht mal zu, dass ihr uns einholt, ihr „Schluffis“. Auf der anderen Seite die Männer, die immer noch nicht begreifen können, dass ihre Frauen inzwischen sogar wissen, was passives Abseits ist.

Auch Grundsatzdiskussionen über die Vormachtstellung im deutschen Fußball wurden angesprochen. Ist Manuel Neuer oder Nadine Angerer die Nummer eins im Tor, Turbine Potsdam oder Bayern München der bessere Verein und Jogi Löw ein besserer Trainer als Silvia Neid? Alles dreht sich um die bevorstehende WM in Brasilien.

Klar, dass auch „Hermann und Hermine“ ihre Sicht der Dinge beisteuerten. Garniert wurde das ganze durch eine Vielzahl legendärer Fußballweisheiten, wie etwa „entscheidend ist auf’m Platz (Alfred Preißler), „haste Scheiße am Fuß, haste Scheiße am Fuß“ (Andreas Brehme), „nein, liebe Zuschauer, das ist keine Zeitlupe, der läuft wirklich so langsam“ (Werner Hansch) oder „nach dem Spiel ist vor dem Spiel“ (Sepp Herberger). Anders als nach so manchem Fußballmatch, gab es nach dem Abpfiff im Gemeindehaus stimmungsvollen Applaus.

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