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Rettungseinsatz vor Föhr : Lebensgefährliches Watt-Abenteuer im Nebel

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Aus der Redaktion des Insel-Boten

Die Wanderung einer süddeutschen Jugendgruppe bei Dunkelheit löst einen Großeinsatz aus. Alle Kinder konnten unverletzt geborgen werden.

Wyk | Es begann als fröhliche Wattwanderung, hätte aber schnell als lebensgefährliches Abenteuer enden können. Feuerwehr und DLRG holten am Samstag eine 23-köpfige Kindergruppe aus Süddeutschland aus dem Watt vor Wyk, die mit zwei Betreuern trotz einbrechender Dunkelheit und aufziehenden Nebels zum gut 1,5 Kilometer entfernten Fahrwasser gelaufen waren.

Ein Wittdüner Mitarbeiter der Schutzstation Wattenmeer hatte auf dem Heimweg von Dagebüll nach Amrum von der Fähre aus eine Person an der Fahrrinne stehen sehen und seinen Kollegen auf Föhr davon berichtet. „Wir sind dann zu zweit rausgefahren, haben aber nichts erkannt. Daraufhin habe ich einen Notruf abgesetzt“, berichtet Moritz Röttgen aus Detmold, der zurzeit bei der Schutzstation in Wyk im Rahmen des Bundesfreiwilligendienstes arbeitet. Gegen 19.45 Uhr löste die Rettungsleitstelle in Harrislee daraufhin einen Großeinsatz aus, an dem neben der Wyker Feuerwehr und der DLRG auch der Rettungsdienst und die Polizei beteiligt waren.

Die DLRG fuhr mit ihrem geländegängigen Fahrzeug hinaus ins Watt, um den Kindern mit aufgeblendeten Scheinwerfern und Blaulicht heimzuleuchten. Wyks Werhführer Kai Sönnichsen ging der Gruppe mit seinen Leuten entgegen, während sich das Feuerwehrboot „Florian“ und das Ausflugsschiff „Hauke Haien“ von der Wasserseite aus an der Suche nach den acht- bis zwölfjährigen Kindern beteiligten. Die waren nämlich, wie Sönnichsen und der Wyker DLRG-Chef Brar Nissen berichten, nicht als geschlossene Gruppe unterwegs. „Die Kinder waren überall zwischen Strand und Fahrrinne“, so Sönnichsen. „Die liefen wahllos über eine Strecke von 300, 400 Metern verteilt“, ergänzt Nissen. „Akute Lebensgefahr bestand zwar nicht“, so Sönnichsen, zumal die Gruppe sich genau zum Niedrigwasserzeitpunkt auf den Weg gemacht hatte. „Doch es war dunkel und wurde diesig, dann mit einer Horde Kinder ins Watt hinaus zu gehen, ist unverantwortlich. Für mich ist es unverständlich, dass man zu diesem Zeitpunkt noch ins Watt gehen kann.“

So sieht das auch DLRG-Mann Nissen, der berichtet, dass die Betreuer noch nicht einmal genau gewusst hätten, mit wie vielen Kindern sie losmarschiert waren. Das führte dazu, dass, als die Gruppe wieder am Strand angekommen war, zunächst zwei Kinder als vermisst galten und die Einsatzkräfte noch mal – inzwischen war es stockdunkel – zum Fahrwasser fuhren. Doch dann stellte sich zum Glück heraus, dass sämtliche Kinder wieder wohlbehalten an Land waren. Allerdings seien sie alle leicht bekleidet und barfuß gewesen, so Nissen. „Das ganze Unternehmen war absolut unverantwortlich“, betont er.

Als die Einsätzkräfte am Strand eintrafen, habe sich gerade noch eine zweite Gruppe aus dem selben Haus auf den Weg ins Watt machen wollen. „Die haben wir dann zurückgehalten“, berichtet Brar Nissen. „Ein Wattführer ist deutlich günstiger, als diesen Einsatz zu bezahlen“, meint der DLRG-Mann. Denn die Kosten könnten der Gruppe in Rechnung gestellt werden. Immerhin waren an der Rettungsaktion 28 Feuerwehrleute, sechs DLRG-Mitglieder, sowie Polizei, Rettungssanitäter und Notarzt beteiligt. „Außerdem hatten wir einen Hubschrauber angefordert, weil wir nicht genau wussten, wie viele Kinder im Watt waren“, berichtet Nissen, „doch von der Leitstelle hieß es, dass keiner mehr fliegen könne wegen des Nebels“. Der hätte auch den Kindern leicht zum Verhängnis werden können.

Unfassbar – ein Kommentar von Petra Kölschbach

Auf den Inseln lernt jedes Kind schon früh, dass das Watt seine Tücken hat und Wanderungen über den Meeresboden selbst bei schönstem Wetter lebensgefährlich werden können – dann nämlich, wenn plötzlich Nebel aufzieht und selbst Ortskundige ganz schnell die Orientierung verlieren. Erfahrene Wattführer haben deshalb immer eine Notfallausrüstung dabei. Zu der gehört neben einem Kompass auch ein Strick, an dem sich bei Nebel alle Teilnehmer an der Tour festhalten können, um so eine Kette zu bilden, aus der niemand verloren geht.

Doch Inselgäste unterschätzen die Gefahren immer wieder, marschieren ohne Führer einfach drauf los und geraten in Panik, wenn ihnen bei auflaufendem Wasser plötzlich ein Priel den Rückweg versperrt oder sie von der Dämmerung überrascht werden. Rettungseinsätze, in denen Gäste aus solchen Situationen geborgen werden mussten, haben sich in diesem Jahr gehäuft, berichten Feuerwehr und DLRG übereinstimmend.

Es ist schlimm genug, wenn erwachsene Wattwanderer sich selbst  – und vielleicht auch noch ihre Retter – in Gefahr bringen. Doch wenn zwei Betreuer mit den ihnen anvertrauten Kindern nach Sonnenuntergang und bei deutlich aufziehendem Nebel bis zur Fahrrinne hinauslaufen und dabei nicht einmal darauf achten, dass die Gruppe eng zusammen bleibt, so ist das nicht nur unverantwortlicher Leichtsinn. Dieses Verhalten ist schlicht unfassbar.

 

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erstellt am 21.Sep.2014 | 22:15 Uhr

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