Eilun-Feer-Skuul : Laufen für ein neues Leben

Auf dem Sportplatz der Eilun-Feer-Skuul findet der Lauf statt.
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Auf dem Sportplatz der Eilun-Feer-Skuul findet der Lauf statt.

Wyker Schüler organisieren am letzten Schultag eine Aktion für die Flüchtlinge auf den Inseln. Dabei werden nicht nur Spenden gesammelt, es soll auch Begegnungen geben.

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15. Juli 2015, 07:45 Uhr

Das Thema beschäftigt im Moment ganz Deutschland, kaum eines ist so häufig Bestandteil einer Diskussion. Und bei kaum einem Thema liegen die Meinungen so weit auseinander: Flüchtlinge. Auch der Religionskurs von Pastor Jörg-Weißbach an der Eilun-Feer-Skuul (EFS) hat sich intensiv mit diesem Thema auseinandergesetzt. Und den Jugendlichen wurde schnell klar, dass sie sich nicht nur theoretisch mit dem Problem befassen, sondern auch Menschen, die auf der Insel Föhr gelandet sind, und deren Schicksale kennenlernen und ihnen konkret helfen wollen. So entstand die Idee zu einem Spendenlauf, der am kommenden Freitag, 17. Juli, auf dem Sportplatz des Schulzentrums ausgetragen wird.

Jedes Jahr kommen Hunderttausende zu uns und wir müssen sie irgendwie aufnehmen, mit der Masse fertig werden, heißt es dazu in einer Mitteilung der Schülerinnen und Schüler. Leider werde dabei oftmals vergessen, dass hinter den Menschen, die die Bundesrepublik erreichen auch Persönlichkeiten und Geschichten existieren, die diese Menschen zu erzählen haben. „Wie Post werden sie aus Verteilungszentren in der ganzen Bundesrepublik verteilt, Rücksicht auf den Wunsch der Flüchtlinge wird kaum genommen“, kritisieren die Jugendlichen.

Ihnen sind Menschen wie Halil begegnet. Der Afghane kam vor fast zwei Jahren nach Deutschland. Er floh vor dem Terror der Taliban. Seine Eltern sind gestorben, er sah in seinem Heimatland keine Perspektive mehr für sich. „Den ganzen Tag lebt man in Angst, man weiß am Morgen nicht, ob man am Abend zurückkommt“, habe er berichtet. Zu Fuß machte er sich auf den Weg nach Europa. Mehrere tausend Euro musste er an die Schleuser zahlen, die ihn mehr oder weniger sicher über die Grenzen brachten. Seinen Asylantrag stellte er vor 22 Monaten, entschieden wurde noch nichts.

Auch Mutawa musste aus seiner Heimat Syrien fliehen. „Sie rekrutieren dort jeden!“, klagt er. Seine Arbeit als Zahnarzt konnte er nicht mehr ausführen, deshalb floh er. 100 Tage war er unterwegs, bis er vor sechs Monaten in Deutschland ankam. „Es ist wichtig, dass man sich akzeptiert fühlt. Die Leute hier sind nett, aber es ist immer noch hart“, sagte er.

Siegfried Rettig vom Helferkreis für die Flüchtlinge auf Föhr sieht ebenfalls noch viel Arbeit vor den Gemeinden. „Wir müssen die Flüchtlinge weiter unterstützen.“ Das größte Problem sieht er bei der Beschäftigung: „Sie haben keine feste Arbeit und da ist natürlich ein Problem.“ Marco Christiansen vom Ordnungsamt fügt hinzu: „Alle Behörden sind überfordert. Mit diesen immensen Fallzahlen hatte niemand gerechnet und jetzt bleibt es bei uns liegen.“ Um die Frage der Flüchtlinge auch auf den Inseln wieder mehr in den Blickpunkt zu rücken, haben die Schüler von Jörg Weißbach ihre Aktion ins Leben gerufen. Am Freitag, dem letzten Schultag vor den Sommerferien, organisieren sie zwischen 8.15 und 9.15 Uhr den Spendenlauf auf dem Sportplatz. Die Klassen der gesamten Schule werden eine Stunde lang Runden und damit Spenden erlaufen, welche von verschiedenen Sponsoren übergeben werden.

Im Mittelpunkt steht dabei jedoch nicht in erste Linie das Geld, sondern vor allem der Kontakt. „Es ist uns wichtig, dass wir nicht einfach nur Spenden sammeln, die den Flüchtlingen auf den Inseln und in der Region zugutekommen, sondern dass Kontakt zu Einheimischen aufgenommen wird“, betonen die Jugendlichen. „Deshalb laden wir ein, an der Aktion teilzunehmen. Man kann dort mehr über die Geschichten der Flüchtlinge hier auf Föhr erfahren und merken, dass ein jeder viel zu erzählen hat.“

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