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Insel-Bote

18. August 2017 | 07:53 Uhr

Latin-Rhythmen und tolle Stimmen

vom

Das Festival "Jazz goes Föhr" hat auch im 16. Jahr seines Bestehens nichts von seiner Anziehungskraft verloren

Wyk | "Die Finanzierung solcher Kulturevents gestaltet sich immer schwieriger", hatte der künstlerische Leiter Wolfgang Philipp erklärt. Das Publikum spürte davon nichts, denn auch in seinem 16. Jahr hatte das Festival "Jazz goes Föhr" nichts von seiner Anziehungskraft verloren. Die Besucher strömten in den Kurgartensaal und Musiker aus dem In- und Ausland präsentierten fünf Tage lang musikalische Leckerbissen vom Feinsten.

Mit der Pianistin und Sängerin Clara Haberkamp stand am ersten Abend eines der vielversprechendsten deutschen Jazz-Talente auf der Bühne. Das Trio komplettierten der Berliner Thilo Weber und am Bass der Amerikaner Greg Cohen - eine internationale Größe der Jazz-Musik. Bekömmlich wurde dem Publikum rhythmisch geprägter, innovativer Jazz geboten, im Wechsel mit Haberkamps melodiösen Eigenkompositionen.

Eher ein puristisches Jazz-Erlebnis für Kenner präsentierte das Münchner Duo "Le Bang Bang". Die Jazz-Sängerin Stefanie Boltz und der Bassist Sven Faller ernteten bereits nach dem zweiten Stück "Bravo"-Rufe. Boltz beeindruckte mit einem umwerfenden Stimmumfang und meisterte scheinbar mühelos Höhen und Tiefen. Kongenial dazu Sven Faller: Immer präsent aber nicht dominant, innovativ aber nicht verspielt. Rock-Klassiker wechselten sich mit Filmmusik der 1930-er Jahre und Fallerschen Eigenkompositionen ab und verzückten die Besucher.

Selbst karibische Temperaturen konnten am dritten Abend einen gut besuchten Saal nicht verhindern: Das hochkarätige Jazz-Projekt "Mulo Francel and Friends" hatte sich angekündigt. Mit "Quadro Nuevo", die im vergangenen Jahr das Publikum verzückt hatten, gelang Francel der internationale Durchbruch - seither zählt er europaweit zu den gefragtesten Jazz-Musikern. In diesem Jahr trat der Münchner mit Robert Kainar (Drums), David Gazarov (Piano), der das Publikum immer wieder zu Szenenapplaus provozierte, und Sven Faller (Bass) auf, mit denen er kürzlich die CD "Escape" eingespielt hatte. Allesamt Eigenkompositionen, die Francels Vorliebe für lateinamerikanische Rhythmen widerspiegeln.

"Down 2 Earth" heißt die Band aus Kiel um den Gittaristen Dietmar Voigt, die mit dem Saxophonisten Jiri Halada und den Sängerinnen Selina Kiosz und Kirsten Nordhofen gleich drei Gäste im Gepäck hatte. Das Publikum zeigte sich von einer Reihe improvisierter Solo-Passagen und den Sängerinnen begeistert und tanzte zu den funkigen Rhythmen. Eine Stimmung, die auch nach dem Konzert anhielt, denn die Jamsession mit Wolfgang Philipp und Helmut Winkler sowie einigen Feriengästen dauerte bis in die frühen Morgenstunden.

Das Finale schließlich gehörte dem Sebastian-Wittstock-Trio. Mit Rainer Winch (Schlagzeug) und Lars Gühlcke (Bass) hatte der Jazz-Pianist wiederum seine Lieblingsformation versammelt. Zwei Stücke des Italieners Enrico Pieranunzi bildeten den Auftakt, geschickt arrangiert und lässig am Piano vom Bandleader improvisiert. Mit dem Auftritt der Sängerin und Komponistin Ina Frerichs bekam der Abend dann eine weitere Facette. Bei ihren Stücken mit Soul- und Latin-Jazz-Rhythmen stellte das Trio in der Folge seine musikalische Bandbreite unter Beweis stellen und Ina Frerichs überzeugte mit ihrer Stimme ebenso wie mit tiefgründigen Texten. Ein hochklassiger Jazz-Abend, vom Publikum frenetisch gefeiert.

Hochklassig auch das gesamte Festival, dessen Macher sich zufrieden zeigten. Und manch einer aus dem Publikum dürfte bedauert haben, dass die Insel erst am 4. August 2014 wieder zu swingen beginnen wird.

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erstellt am 07.Aug.2013 | 03:59 Uhr

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