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Zeitumstellung auf Winterzeit : Lange Nacht auf Amrum: Wem die Umstellstunde schlägt

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Die Nacht zum Sonntag dauert eine Stunde länger. Nachtschichten dauern länger und die Mitarbeiter der Pflegestation müssen an vielen Uhren drehen.

shz.de von
erstellt am 25.Okt.2014 | 09:45 Uhr

Amrum | Gerard Rzaniecki lacht schelmisch, wenn er an die bevorstehende Uhrenumstellung denkt. Denn drei oder vier seiner Schäfchen werden Sonntag bestimmt eine Stunde zu früh in der Kirche stehen. Rzaniecki, seit 14 Jahren Pfarrer in Niebüll und damit auch zuständig für die katholischen Kirchen auf Föhr und Amrum, kennt das schon. „Ist immer so“, sagt er, „obwohl wir im Pfarrbrief und im Schaukasten ausdrücklich auf die neue Uhrzeit hinweisen und den Menschen noch eine schöne, zusätzliche Stunde Schlaf wünschen“. Und wo ist er, wenn die Zeit umgestellt wird? Sein Job ist überschaubar: nur die Beleuchtung muss neu geregelt werden. Denn die Glocken läuten nur zum Gottesdienst und werden per Hand bedient.

Ganz anders bei der St.-Clemens-Kirche auf Amrum, wo Küster Jens Lucke eine gewisse Nonchalance walten lassen muss, will er nicht mitten in der Nacht und hoch über der Eingangstür das mechanische, über 100 Jahre alte Uhrwerk der Nebeler Kirche losschrauben und zurück drehen. „Ich steige da wohl schon Sonnabendabend hoch und stelle um“, sagt Lucke. Schlägt uns dann für kurze Zeit die falsche Stunde? „So ist es wohl“, sagt Lucke und lacht.

Bei der AOK-Nordseeklinik in Norddorf gibt es keine ruhigen Zeiten, rund ums Jahr kuren dort rund 400 Mütter und Kinder. Bereitschaft in der Nacht der Uhrenumstellung haben, wie in allen Nächten, ein Pädagoge, Krankenschwestern und ein Techniker. Der Techniker für die Uhrenumstellung? „Nein, für Stromausfall oder Sturm- und Wasserschäden“, ist aus der Klinik zu hören.

Eine interessante Konstellation hat Kay Seesemann, Veranstalter der allsamstagnächtlichen Kniepsandhallenparty in Nebel gefunden. „Wir fangen nach alter Zeit an zu arbeiten und hören nachts nach alter Zeit auf. Wenn es drei ist, ist es drei, nicht zwei.“ Und das Personal wird wie bezahlt? „Nach Verweildauer natürlich“, sagt Seesemann.

Geht sich ja eh alles aus. Zum Frühling wird den Nachtarbeitern eine Stunde erlassen, jetzt dazugetan. Das sieht man in der DRK-Pflegeeinrichtung Amrum auch so. Stationsleiter René Petzholdt wird in der Umstellnacht Bereitschaft haben. Die meisten der zehn Bewohner werden ganz normal durchschlafen, schätzt Petzholdt. Worauf er auf jeden Fall achten muss: „Wir dürfen keine Uhr vergessen umzustellen, keine Armbanduhr und keinen Wecker unserer Mieter. Sonst gibts ein Durcheinander.“

Im Stall bei Familie Hartmann, die seit zwanzig Jahren in Alkersum eine Hofkäserei betreibt, gibts zwar kein Durcheinander, aber ein klein bisschen mehr Aufregung kann sich Helga Hartmann schon vorstellen. „Wenn mein Mann frühmorgens unsere fünfzig Kühe melken geht, dann werden die schon stehen und warten.“ Während die Tiere sonst noch leicht verschlafen in ihren Liegebuchten dösen, treibt die Zeitumstellung sie doch ein Stündchen eher auf die Beine.

 

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