Wattenmeer-Nationalpark : Längst ziehen alle an einem Strang

Walter Stubenrauch (li.) begrüßte auch Peter Hering (re.), dessen Vogel-Bilder gezeigt werden.
Walter Stubenrauch (li.) begrüßte auch Peter Hering (re.), dessen Vogel-Bilder gezeigt werden.

Den 30. Geburtstag feierten in Wyk Naturschützer und ehemalige Gegner gemeinsam. Dabei wurde auch eine Ausstellung mit Vogelfotos eröffnet.

shz.de von
04. Mai 2015, 13:30 Uhr

Vor 30 Jahren wäre wohl die Einladung zu einer Feier, in deren Mittelpunkt der Nationalpark Wattenmeer steht, bei den Föhrern auf große Zurückhaltung gestoßen. Als es jedoch jetzt darum ging, das 30-jährige Bestehen dieses Schutzgebietes im Wyker Nationalpark-Haus zu feiern, zeigte keiner der Gäste mehr Berührungsängste. Vielmehr waren mit der Amtsvorsteherin des Amtes Föhr-Amrum, Heidi Braun, und dem Wyker Bürgermeister Paul Raffelhüschen Vertreter des öffentlichen Lebens erschienen, das dem Nationalparkgedanken seinerzeit eher skeptisch gegenüber gestanden hatte.

Heidi Braun freute sich dann auch über dieses Jubiläum: „Es ist toll, dass der Nationalpark Wattenmeer 30 Jahre geworden ist und ich wünsche ihm weiterhin viel Erfolg“. Auch Raffelhüschen überbrachte Glückwünsche. Er verwies darauf, dass die Nationalparkausstellung sowie Amts- und Stadtverwaltung unter einem Dach sehr gut miteinander auskämen. Der Wyker Bürgermeister konnte es sich jedoch nicht verkneifen, das Weihnachtsfest vor einigen Jahren zu erwähnen, an dem das Aquariums-Wasser aus dem Dachgeschoss den Sitzungsraum geflutet hatte. Auch erinnerte Raffelhüschen an den sehr umfassenden Synthese-Bericht, der Ende der 1990-er Jahre Grundlage für ein neues Nationalpark-Gesetz war. „Ein heftiges Teil“, so Raffelhüschen, das bei den Stadtvertretern die Sorge geweckt habe, sie gäben den kleinen Finger, um die ganze Hand zu verlieren.

Walter Stubenrauch, Leiter des Wyker Nationalpark-Hauses, verwies einleitend darauf, dass aus Anlass des Jubiläums in diesemJahr an jedem 30. eines Monats besondere Aktionen auf dem Programm stehen werden. „Auf der Internet-Seite stehen 30 tolle Gründe für den Nationalpark Wattenmeer“, so Stubenrauch, der deshalb auf eine ausführliche Darstellung des Parkes verzichtete, um stattdessen die Gäste auf einen Zeitreise mitzunehmen. Im Gründungsjahr des Parkes, so Stubenrauch, wurde Michail Gorbatschow Generalsekretär der KPdSU und der 17-jährige Boris Becker gewann in Wimbledon. An der Nordseeküste habe man sich zu dieser Zeit große Sorgen um die Zukunft des Fremdenverkehrs gemacht. Dabei erinnerte Stubenrauch an die Ideen, die Partywelt der kanarischen Inseln im Norden zu kopieren. Es habe sogar Überlegungen gegeben, auf Sandbänken Events zu veranstalten, die dann mit einem Hubschrauber-Shuttle angeflogen werden sollten. „Zum Glück kann man sich heute solche Veranstaltungen im Wattenmeer nicht mehr vorstellen“, betonte Walter Stubenrauch.

Der Leiter des Nationalpark-Hauses ging noch zehn Jahre weiter zurück und schilderte, wie sich die Idee eines Nationalparkes allmählich entwickelt habe, was dann auch zur Gründung verschiedener Naturschutz-Organisationen, wie zum Beispiel der Schutzstation Wattenmeer, führte. So habe sich der Nationalpark allmählich entwickelt, erklärte Stubenrauch, der unter anderem auf den Einsatz der Ranger, auf die Verbannung der Jagd aus dem Wattenmeer, die Erhöhung der Flughöhe für Flugzeuge und das Monitoring an der Küste verwies. „Es ging letztendlich darum, die Natur Natur sein zu lassen, auch wenn dies für viele Menschen schwer zu ertragen ist“.

Im Rahmen der Jubiläumsfeier wurde auch eine Dia-Show eröffnet, die die Fotografen Peter Hering und Martin Stock gestaltet haben. Der Nieblumer Peter Hering, der für die Aufnahmen der Vögel verantwortlich zeichnet, hat diese Präsentation – die während des ganzen Sommers zu sehen sein wird – unter das Motto gestellt: „Es gibt einen Ort, wo Himmel und Erde eine Bühne teilen – und dies ist das Watt.“

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