Tagung auf Föhr: Erhalt selten gewordenen Tiere : Kurzbeinig und langgestreckt

Bei der Tierschau informiert der Pressesprecher des Sondervereins, Frank Haßkerl (Mitte), die Gäste. Mit dem Blatt unter der Feder werden die Farben begutachtet.
Bei der Tierschau informiert der Pressesprecher des Sondervereins, Frank Haßkerl (Mitte), die Gäste. Mit dem Blatt unter der Feder werden die Farben begutachtet.

Krüper-Hühner vor dem Aussterben bewahren: In Süderende wird eine uralte Rasse bewahrt.

shz.de von
20. Juni 2018, 08:30 Uhr

Beinahe wären sie ausgestorben: Die Krüper gehören zu einer der ältesten Hühnerrassen Deutschlands. Für den Erhalt dieser äußerst selten gewordenen Tiere sorgt der bundesweite Sonderverein der Krüper- und Zwerg-Krüperzüchter. Erstmals veranstaltete der Verein seine Sommertagung in Schleswig-Holstein; auf Föhr, denn seit Neustem werden die zur Gruppe der Landhühner zählenden Tiere auch auf der Insel gezüchtet.

„Das Besondere an den Krüpern ist ihre Kurzbeinigkeit und die langgestreckte Walzenform“, erklärt Jörg Erich Haselier, Vorsitzender des Vereins. „Wegen der kurzen Läufe waren sie früher gut für die kleinen Grundstücke einfacher Leute geeignet.“ Im Zuge der Veränderungen in der Landwirtschaft wurde die über 500 Jahre alte Rasse unter den Hochleistungstieren unattraktiv. Heute gibt es bundesweit nur noch ein paar hundert Tiere, weshalb die Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen (GEH) die Krüper in die Rote Liste aufnahm. Ihr Gefieder kann schwarz, weiß, gesperbert oder schwarz mit weißen oder gelben Punkten sein, die Kämme sind klein. „Krüper sind sehr zutraulich“, stellt Haselier die Rasse weiter vor, „und die Hennen legen etwa 200 Eier im Jahr“.

Die diesjährige Sommertagung des Vereins startete mit einem gemeinsamen Grillen in Süderende. Dort hatten sich die Teilnehmer, unter anderem aus Dänemark, eingemietet. „Der Pokal für die längste Anreise mit über 900 Kilometern geht an Gäste aus Offenburg“, freute sich Haselier über das Engagement der Vereinsmitglieder. Es folgte die Jahresversammlung, bei der Zuchtziele und Organisatorisches behandelt wurden. Die Tierbesprechung in der Halle von Brar Roeloffs stellte den Abschluss der Sommertagung dar: Hier wurden etwa 30 Tiere begutachtet, fast alle stammen aus der Zucht des Süderenders Karl Zielke.

„Seit fünf Jahren züchte ich Hühner, vor zwei Jahren habe ich mit den Krüpern begonnen“, berichtet Zielke. „Für die Tierzucht habe ich mich schon immer interessiert und zum Beispiel lange Zeit Hütehunde und Schafe gezüchtet.“ Das sei allerdings sehr aufwendig gewesen, weshalb er zu den Hühnern wechselte: „Dann habe ich recherchiert und stieß auf die Krüper, die haben mich gleich angesprochen.“

Über den Föhrer Zuwachs im Sonderverein durch Karl Zielke, der dem Vorstand als Kassenführer angehört, freut sich Jörg Erich Haselier besonders: „Unser Ziel ist es, die Rasse zu erhalten und zu verbreiten.“ So habe die Krüper-Zucht ihren Schwerpunkt vor allem im Bergischen Land und in Nordrhein-Westfalen. „Durch Karl Zielke konnten wir außerdem Kontakte zum Kleintierzuchtverein Föhr knüpfen, und wir sind ihm überaus dankbar für die Organisation der Veranstaltung“, so Jörg Erich Haselier.

Der Sonderverein wurde 1904 gegründet und zählt heute knapp 120 Mitglieder. Sie verfolgen, neben der Erhaltung, das Ziel, sämtliche elf Farbenschläge, die bei der Gründung vorhanden waren, wieder zu erzüchten. „Mit der Haltung und Zucht der Krüper leisten wir einen wesentlichen Beitrag zur Erhaltung deutschen Kulturgutes“, berichtet Haselier und ist für jeden neuen Mitstreiter dankbar.

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