"Pallas"-Unglück : Küstenwache bleibt das große Ziel

Medienvertreter und Experten auf dem Ölbekämpfungsschiff 'Lüttmoor': In direkter Nachbarschaft ist der Schubschlepper 'Odin' angetäut. Zur neuen Schiffseinheit gehört außerdem die Ölfang- und Tankbarge 'Gröde'.    Fotos: Volkert Bandixen
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Medienvertreter und Experten auf dem Ölbekämpfungsschiff "Lüttmoor": In direkter Nachbarschaft ist der Schubschlepper "Odin" angetäut. Zur neuen Schiffseinheit gehört außerdem die Ölfang- und Tankbarge "Gröde". Fotos: Volkert Bandixen

Für die Schadstoffunfallbekämpfung hat das Land ein Lagezentrum in Husum eingerichtet - auch eine Konsequenz aus der "Pallas"-Havarie.

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28. Oktober 2008, 09:25 Uhr

Husum | Es war nicht zuletzt das "Pallas"-Unglück, das 2003 zur Einrichtung eines Havarie-Kommandos in Cuxhaven geführt hat. Denn Unzulänglichkeiten bei der Koordination der Rettungs- und Sicherheitseinheiten sind eng mit dieser Katastrophe verbunden. "Wir haben damals viel lernen müssen, aber auch viel lernen dürfen", fasste gestern Johannes Oelerich zusammen. Der Direktor des Landesbetriebes für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz (LKN) mit Sitz in Husum blickte in einem Pressegespräch noch einmal auf das Unglück zurück, indem er auch auf strukturelle Probleme einging.
Qualifiziert
Danach war 1998 "gerade" die Schadstoffunfallbekämpfung in den drei Staatlichen Umweltämtern zusammengeführt worden. Vorher unterstand der Bereich sechs Ämtern für ländliche Räume. Noch ohne eigene Räume nutzten die Experten der Umweltämter die Ölwehrhalle auf dem Bauhof des LKN in Husum, um die Hilfe zu organisieren. Seit 2006 gibt es nun einen gemeinsamen Einsatz-Stab der drei Umweltämter und seit 2008 das Einsatz- und Lagezentrum für die Gewässer Schleswig-Holsteins und den Nationalpark Wattenmeer - untergebracht in der bewährten LKN-Ölwehrhalle. Im Fachbereich "Schadstoffunfallbekämpfung" arbeiten im LKN 36 Kräfte - insgesamt sind durch Fortbildungsmaßnahmen sogar 60 Mitarbeiter qualifiziert worden.

Diese neue Struktur sowie neues Gerät gehören zu den Verbesserungen, die in den zehn Jahren nach "Pallas" vom Land umgesetzt worden sind. Insgesamt etwa vier Millionen Euro investiert Schleswig-Holstein in alle Vorsorgemaßnahmen - inklusive der Beteiligung an dem Havarie-Kommando, das eine gemeinsame Einrichtung von Bund und Küsten-Ländern ist und sich als Netzwerk aus verschiedenen Behörden, Organisationen, Instituten und privaten Einrichtungen darstellt. Gut die Hälfte der Summe fließt in Betrieb und Unterhaltung des Ölwehrgerätes. Seit September gibt es außerdem eine zentrale Rufbereitschaft für alle Gefahrenlagen von Sturmfluten über Hochwasser bis zum Schadstoffunfall. Fachbereichs-Leiter Thomas Langmaack hatte Einzelheiten vorgestellt - und betonte: "Das Havarie-Kommando würde die einheitliche Einsatzführung wahrnehmen und hat Zugriff auf alle Schiffe. Wir wären dem Kommando unterstellt und müssten Maßnahmen in Schleswig-Holstein ergreifen."
2011 in Dienst stellen
30 Spezialschiffe stehen für Not- und Katastrophenfälle zur Verfügung: davon liegen 19 in Häfen der Nordsee und in Hamburg sowie elf in Ostsee-Häfen. Acht Schiffe sind in Schleswig-Holstein stationiert, so Langmaack. Vom Bund sei bereits der Bau von zwei neuen Schiffen in Auftrag gegeben - sie sollen 2011 in Dienst gestellt werden: in Nord- und Ostsee. Für die Nordsee handelt es sich um den Nachfolger für den Hochseeschlepper "Oceanic". Dr. Bernd Scherer, Referatsleiter für Meeresschutz im schleswig-holsteinischen Umweltministerium, erklärte, dass dieses Konzept vom Bund durch die Mehrzweckschiffe "Neuwerk", "Mellum", "Scharhörn" und den Schlepper "Oceanic" ergänzt werde - Scherer sprach von einer "Erst-Eingreiftruppe auf hoher See". Er betonte, dass das Land für eine Deutsche Küstenwache kämpfe, in der Bundes- und Länderorganisationen zusammengefasst sind. Bisher sei dies an Föderalismus-Strukturen und Niedersachsen gescheitert.

.Am 29. Oktober vor zehn Jahren war das mit Schnittholz-Paketen aus Schweden beladene Frachtschiff vor Amrum auf Grund gelaufen, nachdem es am 25. Oktober 1998 vor der dänischen Küste in Brand geraten war. Öl gelangte ins Meer und machte etwa 12 000 Seevögel und mehrere Dutzend Seehunde zu seinen Opfern. Teile des Wracks , das jährlich kontrolliert wird, liegen vor Amrum - Hohlräume und Laderäume sind versiegelt.

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