Insel-Urlaub : Künstlicher Rückenwind ist gefragt

Grüner Deich, blauer Himmel, weißes Schaf: So geht Fahrradurlaub auf Föhr.
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Grüner Deich, blauer Himmel, weißes Schaf: So geht Fahrradurlaub auf Föhr.

E-Bikes gehen bei Föhrer Fahrradverleihern wie warme Semmeln. Auch Kinder-Anhänger sind beliebt.

shz.de von
02. August 2018, 14:30 Uhr

Bei Autos sind sie noch immer eine Rarität: Selbst die Prämie der Bundesregierung für Elektrofahrzeuge konnte deren Anteil am gesamten Automarkt nicht wirklich anheben. Bei Fahrrädern sieht es hingegen ganz anders aus: Hier sind Räder mit E-Motoren voll im Trend. Von 3,85 Millionen Rädern, die im vergangenen Jahr in Deutschland gekauft wurden, sollen rund 720 000 einen simulierten Rückenwind haben. Klar, dass dieser Trend nicht vor den Radverleihern auf der Insel Halt macht.

„E-Bikes in allen Farben und Formen“, antwortet zum Beispiel Hannes Utzolino, der in der Badestraße den Fahrradverleih Fehr betreibt, auf die Frage nach aktuellen Highlights. „Die Räder sind einfach bequem, das ist wie ein Lehrling, der einen von hinten die ganze Zeit anschiebt.“ Und auch Volker Reitmann vom Verleiher Deichgraf bestätigt, dass E-Bikes derzeit alle haben wollen: „Die machen das Radfahren bei Wind sehr viel leichter.“ Dabei würden sowohl junge, als auch ältere Kunden auf den virtuellen Rückenwind setzen: „Die jungen, weil sie neugierig auf die Technik sind. Und einige der älteren haben Probleme mit der Lunge oder mit den Knien, da ist ein E-Bike angenehmer. Außerdem kommt man damit schnell und einfach um die Insel.“

„E-Bikes? Wir haben welche“ steht auch groß auf einem Plakat vor „Welluuper“ von Torge Jürgens. Er sagt aber: „Zur Zeit haben wir im Verhältnis zur Vorsaison weniger E-Bikes verliehen.“ Er begründet das mit den vielen Familien, die derzeit ein Rad leihen würden: „Da bringt es nichts, wenn die Eltern vorne mit hoher Geschwindigkeit fahren und die Kinder nicht hinterherkommen.“

Jana Hinrichsen vom Fahrradverleih Paula Hansen berichtet, dass viele Familien gerne auch ein motorisiertes Rad für den Nachwuchs hätten. „E-Bikes für Kinder gibt es, ich habe die aber nicht im Angebot.“ Sie findet es unverantwortlich, die Kleinen bereits auf motorisierte Zweiräder zu setzen: „Die E-Bikes können 25 Stundenkilometer fahren, für Kinder ist das schwachsinnig. Für einen Mofa-Führerschein musst du auch 16 Jahre alt sein und darfst dann auch nur 25 fahren. E-Bikes sind ganz einfach nichts für Kinder.“

E-Bikes sind überall gefragt, ansonsten nennen die Föhrer Fahrradverleiher ganz unterschiedliche Kundenwünsche. „Damenräder werden derzeit noch häufig nachgefragt. Vor allem 20-jährige wollen so was, da kann man gut drauf chillen“, sagt etwa Volker Reitmann. Die jüngeren würden selbst auf der Insel ohne Berge eher ein Mountainbike bevorzugen. Herrenräder hätten hingegen beinahe komplett an Reiz verloren: „Die gehen kaum noch weg, und wenn vornehmlich an etwas ältere Männer.“ Bei Hannes Utzolino sind es vor allem die 26-Zoll-Mountainbikes, die kaum noch verlangt werden: „Die 27- oder 29-Zoll Varianten sind heute beliebter.“ Und ebenso auch Lastenräder: „Wir haben fünf Transporträder, zwei davon mit E-Motor. Und die sind auch fast immer weg.“ Aber auch sonst hat er zurzeit nur noch wenige Räder im Stall stehen: „Das muss auch so sein. Ansonsten hätte ich etwas falsch gemacht, wenn ich jetzt den Hof noch voller Fahrräder stehen hätte. Dafür ist die Saison zu kurz. Da muss es knapp werden, sonst habe ich die meisten Räder am Ende 48 Wochen im Jahr nicht vermietet.“

Bei Jana Hinrichsen in Utersum gehen derzeit Anhänger für Babys und Kleinkinder besonders gut. „Vor ein paar Jahren gab es die Möglichkeit mit den Anhängern noch nicht. Jetzt zeigt sich, dass so etwas stark nachgefragt ist.“ Dazu passt, dass bei Torge Jürgens in Nieblum ein anderes Kinder- und Strandutensilien-Transportmittel weniger gefragt ist: „Bollerwagen gehen in diesem Jahr schlechter“, hat er beobachtet und ist gespannt darauf, wie ein anderes Angebot ankommt: Eine Service-Station für kleine Reparaturen. Mit grundlegendem Werkzeug und Luftpumpe können so zum Beispiel platte Reifen oder ähnliches repariert werden. „Wie gut das genutzt wird, müssen wir sehen, wenn die Station an Bekanntheit gewonnen hat.“

Laut Internetseite der Föhr Tourismus GmbH gibt es auf Föhr 15 Fahrradverleihe, die sich auf fast alle Dörfer verteilen. Eines dürfte ihnen allen in diesem Sommer gemeinsam sein: An Arbeit mangelt es nicht. Denn ob mit Elektromotor oder ohne, ob Herrenrad mit Anhänger oder Hollandrad zum Chillen: Sowohl Tagesgäste, als auch Familien, die mehrere Wochen bleiben, erkennen: Die Insel entdeckt man am besten mit dem Drahtesel. Vor allem bei so sommerlichem Wetter wie in diesem Jahr.

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