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Wyker Krankenhaus : Kritik am Landrat reißt nicht ab

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Aus der Redaktion des Insel-Boten

Eine SPD-Veranstaltung zur Schließung der Geburtshilfe auf Föhr war gut besucht. Die Insulaner fordern weiterhin Einsicht in das Gutachten.

shz.de von
erstellt am 16.Mär.2016 | 12:15 Uhr

So nah, und doch unerreichbar fern für die Besucher einer Informationsveranstaltung der SPD im „Alt Wrixumer Hof“ war das geheimnisvolle Gutachten zur Qualität der gynäkologischen Versorgung auf den Inseln, das das Klinikum Nordfriesland hat erstellen lassen. Thomas Nissen, Fraktionsvorsitzender der SPD im nordfriesischen Kreistag, hatte dieses umstrittene Papier in seiner Funktion als Mitglied des Aufsichtsrates des Klinikums zwar in der Aktentasche, doch waren ihm weitere Auskünfte dazu verwehrt. Das Gutachten zwinge vor allem angesichts der Frage der Haftung zum Handeln, so Nissen. Er kam aber zur Feststellung: „Die jetzige Lage ist zwar legaler, dafür aber schlechter, als es vorher der Fall war“. Gleichzeitig kündigte er an, dass das Land Schleswig-Holstein bei einer unabhängigen Hamburger Firma ein weiteres Gutachten in Auftrag gegeben habe, das noch im Laufe des Monates März zu erwarten sei. Davon erhoffe man sich die Entwicklung eines Maßnahmenkataloges für Föhr, Amrum und die Halligen.

„Keine Geburten mehr auf unserer Insel?“ war die Frage, die zu diskutieren die nordfriesische SPD nach Wrixum eingeladen hatte, und zusammen mit einer Reihe von SPD-Kreistagsabgeordneten war auch der Bundestagsabgeordnete Matthias Ilgen nach Föhr gereist, um sich über die Situation vor Ort zu informieren. „Hier haben wir die Gelegenheit, über Lösungen des Problems nachzudenken, wozu bei der Amtsausschuss-Sitzung mit Landrat Harrsen keine Gelegenheit war“, betonte Annemarie Linneweber, die Föhrer SPD-Vorsitzende.

Dass die Insulaner vehement für die Geburtsstation auf Föhr eintreten, war unüberhörbar. Besonders viele Frauen meldeten sich mit recht emotionalen Beiträgen zu Wort, wobei sie die Situation der Gebärenden und deren Familien in den Mittelpunkt stellten. „Den Föhrer Schwangeren wird das Menschenrecht vorenthalten, selbst über den Ort der Entbindung entscheiden zu können“, sagte eine Frau. Es sei nicht zumutbar, so hieß es unter anderem, dass die Frauen zwei Wochen vor dem Geburtstermin auf das Festland müssen, wobei vor allem die emotionale Seite betont wurde. „Eine Geburt ist keine Krankheit“, wurde von den Frauen betont.

Das Gutachten des Klinikums Nordfriesland war ein Punkt, der auch bei dieser Veranstaltung immer wieder angesprochen wurde. „So lange wir nicht wissen, was darin steht, drehen wir uns ständig im Kreis“, erklärte Peter Schaper, SPD-Fraktionsvorsitzender in der Wyker Stadtvertretung. Wahrscheinlich sei es möglich, die Argumente zu entkräften, wenn man sie denn kennen würde. Als Beispiel wurde der „Mangel an Blutkonserven“ genannt, hier könne leicht Abhilfe geschaffen werden.

Manfred Hinrichsen von der Föhrer Grünen meldete sich mit dem Hinweis zu Wort, dass laut Gutachten die Insel Föhr an 70 Tagen im Jahr nicht zu erreichen sei. „Diese Aussage ist blanker Unsinn“, so Hinrichsen, „und macht jedes Vertrauen zunichte“. Thomas Nissen versuchte zwar, diese Aussage zu relativieren, aber so richtig zu überzeugen vermochte er nicht.

Neben dem eigentlichen Problem der Geburtshilfe auf Föhr drehte sich die Diskussion auch um das Auftreten und das Handeln von Landrat Dieter Harrsen, der wenige Tage zuvor an einer Sitzung des Föhr-Amrumer Amtsausschusses teilgenommen hatte. „So kann man nicht mit Menschen umgehen“, war der Tenor der Diskussionsbeiträge angesichts der „Drohgebärden“ des Landrates auf Föhr.

Kritisiert wurde heftig, dass kein Notfallplan vorliege und der Beschluss des Kreistages nicht durchgeführt worden sei, einen runden Tisch einzuberufen, an dem alle relevanten Berufsgruppen und ganz besonders auch die Insulaner beteiligt sein sollten „Dieser Auftrag, der klar formuliert war, ist im November 2015 einstimmig verabschiedet worden“, informierte dazu Manfred Hinrichsen. Zwar habe Dieter Harrsen zweimal zu einem Treffen geladen, an dem aber Föhr lediglich durch Amtsdirektorin Renate Gehrmann vertreten gewesen sei.

Die Vertreter der SPD-Kreistagsfraktion kündigten in diesem Zusammenhang an, die Entwicklung dieses „runden Tisches“ zu hinterfragen. Letztlich hoffen sie auch, dass in Sachen Geburten auf Föhr noch nicht das letzte Wort gesprochen ist, wobei sie auf das zu erwartende Gutachten bauen.

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