Wyk : Kreißsaal interessiert Forscher

In der Insel-Klinik dürfen keine Geburten mehr stattfinden.
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In der Insel-Klinik dürfen keine Geburten mehr stattfinden.

Umfrage der Kieler Uni: Wie ergeht es Föhrerinnen, die auf dem Festland entbinden mussten?

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28. Januar 2018, 11:00 Uhr

Die Idee zu dem Projekt hatte Manfred Hinrichsen von der Initiative Inselgeburt, und bei der Kieler Medizin-Professorin Hanna Kaduszkiewicz lief er offene Türen ein. An der Kieler Uni wird, gemeinsam mit dem Lehrstuhl für Allgemeinmedizin und Gesundheitsökonomie, eine Studie zur Schließung der Geburtshilfestation auf Föhr erstellt. Betreut wird sie von den Studentinnen Katja Baudisch und Charlotte Jaursch. Momentan läuft eine Online-Umfrage, an der Föhrer Mütter teilnehmen können, deren Kinder nach der Kreißsaal-Schließung geboren wurden.

Baudisch war zunächst Hebamme und studiert nun im elften Semester Medizin. Derzeit absolviert sie ihr praktisches Jahr. Jaursch studiert im neunten Semester Medizin und hat bereits einen Bachelor in Betriebwirtschaftslehre. Entsprechend teilen sich die Forschungsschwerpunkte der beiden Frauen auf: Katja Baudisch kümmert sich mehr um die emotionalen, organisatorischen Aspekte und die neuen Wege, die die Frauen nun einschlagen müssen. Charlotte Jaursch beleuchtet die Schließung aus einer gesundheitsökonomischen Perspektive und untersucht, was für neue, andere Kosten auf die Frauen und auf die Gesellschaft generell zukommen. „Es geht uns darum, erstmal einen Status quo zu erheben. Wir sind weder für, noch gegen die Schließung, sondern versuchen aus neutraler Sicht die Prozesse nach der Schließung, die so noch nicht in der wissenschaftlichen Literatur behandelt wurden, zu erfassen“, beschreibt Jaursch den Ansatz der beiden Forscherinnen.

Bereits im vergangenen Frühjahr haben Katja Baudisch und Charlotte Jaursch 19 Föhrerinnen inteviewt, die ihr Kind nach der Schließung der Wyker Geburtshilfeabteilung zur Welt gebracht haben. Auf dieser Basis entwickelten sie dann einen Online-Fragebogen, der seit Dezember freigeschaltet ist. Die Umfrage richtet sich an alle Föhrer Frauen, die zwischen dem 1. Oktober 2015 und dem 30. September 2017 ein Kind zur Welt gebracht haben.

Die Beantwortung der Fragen, die in sieben Themenblöcke unterteilt sind, nimmt laut Jaursch ungefähr 20 Minuten in Anspruch. Unter anderem wird nach dem Verlauf der Schwangerschaft und eventuellen Risikofaktoren gefragt, nach der Unterkunft auf dem Festland, der Organisation rund um die Geburt (Transportwege, Einbindung von Familie und Freunden). Außerdem wollen die Studentinnen wissen, wie die Geburt auf dem Festland verlaufen ist, welche Kosten für die jungen Eltern entstanden sind, und was sich die Mütter für die Zukunft wünschen würden. „Nach ersten Rückmeldungen einiger Frauen sind unsere Fragen einfach und intuitiv zu beantworten“, sagt Charlotte Jaursch. Ursprünglich sollte die Umfrage nur bis Ende Januar laufen, dieser Termin wurde nun auf Mitte Februar verschoben, „weil viele Frauen durch Weihnachten und den Jahreswechsel noch keine Zeit gefunden haben, an der Studie teilzunehmen“, so Jaursch.

An der Umfrage teilnehmen können Frauen, die mindestens 18 Jahre alt sind, auf Föhr leben und zwischen dem 1. Oktober 2015 und dem 30. September 2017 ein Kind zur Welt gebracht haben.
Insulanerinnen, die mitmachen möchten, sollten eine kurze Nachricht mit ihrer Email-Adresse an jaursch@bwl.uni-kiel.de mit dem Betreff: „Online-Umfrage Föhr“ senden. Sie erhalten daraufhin per Mail den Link zu der Umfrage und einen personalisierten Zugangsschlüssel, mit dem sie bis Mitte Februar an der Umfrage teilnehmen können.



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