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In Wyk : Kleinteilige Idylle soll erhalten bleiben

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Berliner- und Hamburger Ring sollen nicht verändert werden. Mit knapper Mehrheit sprachen sich Wyks Stadtvertreter für eine Erhaltungssatzung aus.

Hatte im Bauausschuss nur die SPD gegen eine Erhaltungssatzung für den Berliner- und Hamburger Ring gestimmt, zog sich die Ablehnung in der Stadtvertretung quer durch die Parteien. Das spiegelte sich auch in der Abstimmung wider, die mit acht Ja- und sechs Nein-Stimmen denkbar knapp ausfiel.

Das sogenannte „Rugstieggebiet“ entstand in den 1970-er Jahren als Wohngebiet für die einheimische Bevölkerung. Nach den Vorgaben des Bebauungsplanes (B-Plan) zieren die Mehrzahl der eingeschossigen Wohngebäude Rotsteinfassaden sowie Sattel- und Walmdächer. Am öffentlichen Grünstreifen im Süden und Osten finden sich zudem Flachdach-Bungalows und dreigeschossige Wohngebäude – auch sie steinerne Erinnerungen an die 1970-er Jahre. Gestalterische Vorgaben, die dem Gebiet in Verbindung mit der ringförmigen Erschließungsform jene kleinteilige Geschlossenheit verleihen, die es aus Sicht einiger Wyker Politiker zu schützen gilt.

Nach Eigentümerwechseln wurden in den vergangenen Jahren viele der Häuser saniert und vor dem Hintergrund heutiger Wohnansprüche und energetischer Vorstellungen auf den neuesten Stand gebracht. Dies hatte nicht selten eine Veränderung des äußeren Erscheinungsbildes zur Folge. Mehrfach hatten den Bauausschuss zudem in den zurückliegenden Monaten geplante Abrisse von Häusern in dem Gebiet beschäftigt. So konnten auf einem Grundstück auf Grundlage des bestehenden B-Plans zwei statt wie bisher ein Gebäude errichtet werden. Dass ein solcher Antrag derzeit nicht abgelehnt werden könne, berichtete Bauamtsmitarbeiter Ulrich Schmidt, da Bauten dieser Größenordnung auch verfahrensfrei abgebrochen werden dürfen. Gibt die Größe des Grundstücks es her, können anstelle von einem auch zwei Häuser errichtet werden – mit dann vier statt zwei Wohneinheiten. Eine Verdichtung, so Schmidt, die den bisherigen städtebaulichen Zielsetzungen der Stadt widerspräche. Ziel der Satzung sei, derartige Abbrüche zu vermeiden beziehungsweise einen Genehmigungsvorbehalt vorzuschalten. Damit blieben Satzungen und B-Pläne Entscheidungsgrundlagen, allerdings kann seitens der Stadt im Einzelfall geprüft und eine Genehmigung verweigert werden.

Von einer Entmündigung der Bürger sprach Peter Potthoff-Sewing (CDU), und auch Holger Frädrich (SPD) wollte die Entscheidung, ob Neubau oder nicht, den Eigentümern überlassen. Dessen Parteikollege Thomas Löwenbrück zu bedenken gab, dass es nicht nur darum gehe, „ein bisschen genauer hinzugucken. Am Ende steht ein städtebaulicher Vertrag und damit eine eindeutige Wertminderung des Hauses“. Zudem seien Abriss und Neubau nicht selten wirtschaftlicher, so Löwenbrück, der Zustimmung von der Satzungsbefürworterin Dr. Silke Ofterdinger-Daegel (KG) erntete. Niemandem würde zugemutet, ein Fertighaus aus den 1960-/70-er Jahren zu erhalten. Vielmehr ginge es darum, überhaupt gefragt zu werden. „Wir möchten wissen, was da entsteht, und die Möglichkeit haben, uns die Dauerwohnungen in irgendeiner Weise zu sichern.“

Eine kontroverse Diskussion, die nicht zuletzt daraus resultierte, dass nicht alle das Gebiet als erhaltenswürdig ansehen. Während Lars Schmidt (CDU) Bürger und Wohngebiet schützen will, befand Peter Potthoff-Sewing eine Satzung als „völlig überzogen“ und auch Holger Frädrich vermochte deren Notwendigkeit nicht zu erkennen. Die zudem nicht dazu tauge, betonte Peter Schaper (SPD), als Krücke zur Regulierung des B-Plans missbraucht zu werden. Vielmehr müsse dieser angepasst, und nicht die Hausbesitzer mit einer Erhaltungssatzung noch stärker reguliert werden. „Eine Einschränkung, die ich nicht für richtig halte, zumal es sich nicht um ein so sensibles Gebiet handelt.“

Doch auch Schaper musste sich der – wenn auch knappen – Mehrheit beugen. Die Satzung wurde beschlossen und soll nun sicherstellen, dass die städtebauliche Eigenart des Gebietes und die Zusammensetzung der Wohnbevölkerung im Sinne des Milieuschutzes erhalten bleibt.

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erstellt am 22.Jun.2016 | 12:15 Uhr

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