Medizinische Inselversorgung : Kleines Haus mit großer Bedeutung

Vor klinisch weißem Hintergrund: Christian Volquardsen (Verwaltungsleiter), Dr. Reinhard Raabe (Beiratsmitglied), Christian Christiansen (Kassenwart), Sibylle Franz (Vorsitzende), Dr. Jörn Harder (ärztlicher Direktor) Karin Boetius und Dieter Völker (Kassenprüfer; v.l.).
Vor klinisch weißem Hintergrund: Christian Volquardsen (Verwaltungsleiter), Dr. Reinhard Raabe (Beiratsmitglied), Christian Christiansen (Kassenwart), Sibylle Franz (Vorsitzende), Dr. Jörn Harder (ärztlicher Direktor) Karin Boetius und Dieter Völker (Kassenprüfer; v.l.).

In der Mitgliederversammlung herrschte Einigkeit: Der Förderverein des Föhr-Amrumer Krankenhauses ist für die Inselklinik unverzichtbar.

shz.de von
09. Juli 2015, 09:00 Uhr

„Unsere Inselklinik würde es in dieser Form nicht geben“, sagte der ärztliche Direktor Dr. Jörn Harder gleich zu Beginn der Mitgliederversammlung des Fördervereins des Föhr-Amrumer Krankenhauses. „Ein Dank an die Bewohner von Föhr und Amrum und den ehrenamtlichen Vorstand – bleibt uns treu“, sagte Pflegedienstleiterin Gabriele Brümmerstädt am Ende der knapp zweistündigen, sehr engagierten Sitzung. „Wir von der Pflege sagen herzlichen Dank. Ihr seid uns sehr ans Herz gewachsen.“ – „Das ist Wasser auf die Mühlen unseres Fördervereins“, sagte die Vorsitzende Sibylle Franz und lachte.

Natürlich kann man sich fragen, warum Privatleute einem Krankenhaus unter Trägerschaft des Kreises Nordfriesland Betten, Computertomographen (CT), Verbandwagen und Internetzugänge kaufen sollen. Soll doch das Land ran. Aber wenn das Land immer pleiter wird und sich zunehmend gezwungen sieht, hauptsächlich auf große Gesundheitseinrichtungen in Ballungszentren mit großem Krankendurchschuss zu setzen, dann sind 18-Betten-Häuschen auf kleinen Inseln oben links auf der Landkarte verdammt dankbar für private Zuwendungen. Zumal der Förderverein genau das zum Ziel hat: Die Inselklinik zu unterstützen, ohne den Träger aus der Verantwortung zu entlassen und mitzuhelfen, dass auf Föhr eine ganzheitliche Medizin betrieben werden kann, die Körper und Seele im Blick hat.

Im Jahr 2014 hieß das von Seiten des Fördervereins: kabelloses Internet für die Patienten, ein Akkuschrauber und handchirurgische Geräte. Man plant außerdem, sich an der Anschaffung eines gebrauchten CT-Gerätes zu beteiligen, sollte es ein passendes Angebot geben, das die finanziellen Mittel des Vereins nicht überstrapaziert, denn, so betonte Sibylle Franz, man wolle gern Geld für plötzliche Notfälle in petto haben.

Knapp 26  500 Euro wurden im letzten Jahr vom Verein ins Föhrer Krankenhaus investiert, sagte Franz. 155  000 Euro waren es im Jahr davor. Von dem Geld konnten 2013 ein EDV-Programm, ein Narkosegerät und Reinigungsmaschinen angeschafft werden. Für 2014 geplant waren eigentlich Investitionszuschüsse von 40  000 Euro. Dass davon nur knapp über die Hälfte abgerufen wurde, irritierte nicht nur Kassenwart Christian Christiansen, sondern auch einen Großteil der rund 30 Vereinsmitglieder beider Inseln, die dieses Jahr auf Amrum, im Norddorfer Seeheim, zusammengekommen waren. Die Zeit, Geld auszugeben, ist nicht endlos dehnbar, das Finanzamt gewährt dafür nur eine Frist von zwei Jahren.

„Wir gehen da alle mal in die Forschung“, sagte Verwaltungsleiter Christian Volquardsen umgehend und betonte, dass auf keinen Fall der Eindruck entstehen solle, man brauche das Geld nicht. Im Gegenteil: „Der Förderverein ist schon deshalb unverzichtbar, weil uns liquide Mittel einfach fehlen.“ Volquardsen ist verwaltungsseitig verantwortlich für die vier Häuser des Klinikums Nordfriesland in Husum, Niebüll, Tönning und auf Föhr.

Aufschlussreich schilderte Volquardsen Beispiele aus einer Uns-sind-die-Hände-gebunden-Finanzpolitik. Wobei die Föhrer Inselklinik wegen der Sicherstellungszuschläge, wie sie in Deutschland nur noch die Krankenhäuser auf Helgoland, Sylt und Fehmarn bekommen, immer ein bisschen außen vor ist, was wirtschaftliche Probleme betrifft – der besonderen Standortsituation sei Dank. Insgesamt wurden im Föhrer Krankenhaus im letzten Jahr 1352 Patienten stationär behandelt – knapp 100 weniger als 2013.

Auch Dr. Jörn Harder, der ärztliche Direktor, betonte die Sonderstellung einer Inselklinik, bei der „die Idee der Zusammenlegung und des wirtschaftlichen Arbeitens nicht wie auf dem Festland funktionieren kann“. Ganz krasses Beispiel ist natürlich die Geburtshilfe: Die geforderten Versicherungsprämien für Hebammen rechnen sich erst ab 200 Geburten. Die Inselklinik hatte im letzten Jahr 64, im vorletzten 56.

Es stellt sich wirklich die Frage, ob für ein kleines Haus in der Nordsee mit 18 Betten, das hauptsächlich die Grund- und Regelversorgung seiner Insulaner sicherstellen möchte, die gleichen Qualitätsmaßstäbe gelten müssen, wie für eine Uniklinik. Das sei, als würde man eine Ferrari-Karosserie auf ein VW-Chassis setzen, war aus der Versammlung zu hören.

Das Sitzungsprotokoll wurde in allen Punkten abgearbeitet. Vorlagen, Genehmigungen, Entlastungen – alles reibungslos. Kurz, konzentriert und ein bisschen zum Schmunzeln war das Prozedere der Wahl des Vorsitzenden und des Beiratsmitglieds, turnusgemäß nach drei Jahren: „Wiederwahl“ schallte es unisono aus dem Publikum. Gegenstimmen? Enthaltungen? „Nimmt XY die Wahl an?“ – „XY nimmt die Wahl an.“ – „XY ist gewählt. Danke XY.“ Das ging ruck, zuck. Was für ein Engagement. Vorsitzende ist und bleibt die Norddorfer Apothekerin Sibylle Franz. Beiratsmitglied ist und bleibt der Föhrer Internist Dr. Reinhard Raabe. Und Kassenprüfer ist und bleibt Dieter Völker von Föhr.

Ein Ausblick auf 2015: Genehmigt wurden vom Verein bisher Investitionen von 12  000 Euro für zum Beispiel Verbandsschränke und -wagen, ein Sauerstoffmessgerät, ein Reinigungsgerät für Endoskope (Endowasher) und Klappsitze für die Krankenhausflure.

1050 Mitglieder zählt der Verein, dessen Micro-Jahresbetrag von 30 Euro sicherlich für noch sehr viel mehr Amrumer und Föhrer Haushalte zumutbar ist. Da bedarf es eigentlich gar nicht solch glücklicher Rettungsgeschichten, wie der einer beidseitigen Lungenembolie Ende Juni auf Föhr, die anders ausgegangen wäre, hätte es die Klinik nicht gegeben. Die Vereinsvorsitzende Sibylle Franz sprach zum Abschluss der Sitzung von der 2015er-Hoffnung auf „etwas weniger Ruhe“. Gemeint ist damit bestimmt kein Tatütata. Aber Tätärätä für einen gern gesehenen Anstieg bei den Mitgliederzahlen.

Die Geste aller Anwesenden, aufzustehen und den 23 verstorbenen ehemaligen Vereinsmitgliedern eine Minute Gedenken zu widmen, war sehr schön.

Solange sich die Internetseite des Fördervereins www.fv-fakh.de im Aufbau befindet, gibt es Informationen und Mitgliedsanträge auch hier: www.klinikum-nf.de.

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