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Serie: Wyker Geburtshilfe : Klein-Josse war das erste Festlands-Baby

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Aus der Redaktion des Insel-Boten

Im September 2015 wurde Ose Asbahr zwei Tage vor dem Geburtstermin von der Kreißsaal-Schließung kalt erwischt. Bis dahin hatte sie eine total entspannte Schwangerschaft.

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erstellt am 11.Dez.2016 | 16:30 Uhr

Josse ist ein quietschvergnügter, aktiver Einjähriger. Die ganze Aufregung in den Tagen rund um seine Geburt hat dem kleinen Mann offenbar nichts Bleibendes anhaben können, obwohl die es in sich hatten: Josse ist das erste Föhrer Kind, das nach der Schließung des Wyker Kreißsaals nicht mehr auf der Insel geboren werden konnte. Er kam in Flensburg zur Welt.

Am 3. Oktober 2015 war das, drei Tage vorher, am 1. Oktober, war die Geburtshilfeabteilung in der Wyker Klinik geschlossen worden. „Ich hatte eine glückliche Schwangerschaft“, berichtet Josses Mutter Ose Asbahr. „Ich habe diese Zeit total genossen und es geliebt, schwanger zu sein“. Daran änderte sich auch nichts, als die Klinikleitung Mitte September die Schließung des Kreißsaals ankündigte. Denn damals wurde als Termin noch der 1. Dezember genannt. „Ich war weiter völlig tiefenentspannt und überzeugt, dass dieser Kelch an mir vorbeigeht“, erinnert sich die junge Mutter.

Doch dann kam alles anders. Es war der 30. September, zwei Tage vor ihrem Stichtag, die hochschwangere Wykerin war gerade in der Stadt unterwegs, als ihr Handy klingelte. Hebamme Kerstin Lauterberg rief an. „Setz dich erstmal“ , habe die zu ihr gesagt, und dann: „Du musst heute noch rüber aufs Festland, hier kannst du nicht mehr entbinden“.

„Ich stand heulend in der Mittelstraße, mir ist erst mal alles unter den Füßen weggezogen worden“, erinnert sich Ose Asbahr an den ersten Schock. Völlig aufgelöst fuhr sie mit ihrem Mann Michael zu Frauenärztin Juliane Engel, die dann bestätigt habe, was die Hebamme erzählt hatte. Nun Hals über Kopf noch am Abend die Insel zu verlassen, ohne zu wissen, wohin sie sollte und wie es weitergehen könnte, das kam für die werdende Mutter nicht in Frage „Ich habe dann nur noch gehofft, dass es am Abend noch los geht und Josse doch noch hier geboren werden kann“, erinnert sie sich.

Und tatsächlich: Ose Asbahr bekam leichte Wehen, aber erst am nächsten Morgen, als die Geburtshilfeabteilung eigentlich schon geschlossen sein sollte.

„Die hatten im Krankenhaus eine Sitzung, wir sind da rauf und runter getapert und irgendwann hieß es, dass ich gnädigerweise hier entbinden dürfe“, erinnert sich Asbahr an den Moment der Erleichterung – die aber nicht lange anhielt.

Denn kaum hatte seine Mutter sich entspannt, überlegte Klein-Josse sich das mit dem Geborenwerden noch mal. „Abends gingen die Wehen wieder weg, ich wurde unter Tränen aus dem Kreißsaal gefahren und musste wieder nach Hause“, beschreibt Asbahr diesen schlimmen Moment. Lange konnte sie nicht zuhause bleiben, am Morgen des 2. Oktober ging es wieder los, sie fuhr erneut in die Wyker Klinik, wurde untersucht, „und dann hat die Hebamme mich ausfliegen lassen. Zum Abschied haben wir alle geweint“.

Allein landete die Gebärende in der Flensburger Diako, ihr Vater brachte ihr dann den Ehemann, der zum Glück von seinem Arbeitgeber frei bekam, mit dem Auto hinterher.

24 Stunden lag Ose Asbahr, die sich die ganze Schwangerschaft darauf verlassen hatte, ihr Baby mit der vertrauten Hebamme und der vertrauten Ärztin in vertrauter Umgebung bekommen zu können, im Flensburger Kreißsaal, fünf verschiedene, ihr völlig fremde Geburtshelferinnen haben sie betreut, bis Josse dann schließlich am 3. Oktober mit der Saugglocke geholt wurde. „Das waren in der Diako alles nette Menschen, ich habe mich da gut aufgehoben gefühlt, aber die Umstände waren schlimm, das hat mich völlig aus der Bahn geworfen“, sagt Josses Mutter. Drei Tage blieb die junge Familie in Flensburg, die eigentlich geplant hatte, entspannt ins Wyker Krankenhaus zu fahren und gleich nach der Geburt wieder heim fahren zu können.

„Ich weiß ja nicht, wie die Geburt dann wirklich auf Föhr gelaufen wäre, aber so wie das jetzt war, daran hatte ich schon zu knapsen“, berichtet die 35-Jährige, dass es für sie die ersten Monate nach Josses Geburt ganz klar gewesen sei, dass sie unter solchen Umständen kein weiteres Kind bekommen würde. „Aber ich will mir von der Obrigkeit nicht vorschreiben lassen, ob und wie viele Kinder ich kriege“, meint sie inzwischen trotzig. Dennoch – sollte es für Josse tatsächlich irgendwann noch ein Geschwisterchen geben, „müssen wir schon vor der Babyplanung genau überlegen, wo wir es bekommen und was in dieser Zeit mit ihm wird“, so Asbahr.

Sorgen, die sie in ihrer ersten Schwangerschaft nicht hatte. „Ich bin froh, dass ich da so eine schöne Zeit und nur in den letzten beiden Tagen diesen Stress hatte.“

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