Schleswig-Holstein Musik Festival 2018 : Klassik, Klezmer und a cappella

Gilt als Altmeister des Klezmer: Giora Feidman (M.).
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Gilt als Altmeister des Klezmer: Giora Feidman (M.).

Auch in diesem Jahr stehen auf Föhr fünf hochkarätige Konzerte auf dem Programm.

shz.de von
03. Juli 2018, 12:30 Uhr

Am Wochenende hat die Cellistin Sol Gabetta gemeinsam mit dem NDR-Elbphilharmonie-Orchester das diesjährige Schleswig-Holstein Musik Festival (SHMF) eröffnet, am Mittwoch fällt auch auf Föhr der Startschuss. Fünf Konzerte werden es in diesem Jahr sein, aufgeführt an den bewährten Spielstätten St. Johannis in Nieblum und St. Nicolai in Boldixum, im Museum Kunst der Westküste (MKDW) und in dem maritimen Ambiente auf einer Fähre im Wyker Hafen.

Beim Auftakt am morgigen Mittwoch, 4. Juli, im MKDW stehen ab 20 Uhr Robert Schumann und Nicolò Paganini im Mittelpunkt. Schumanns Entschluss, Pianist werden zu wollen, wurde maßgeblich durch einen Konzertbesuch im April 1830 beeinflusst. Am Abend des 11. April wurde er in Frankfurt Zeuge eines Auftritts von Paganini. Schumann, damals noch Jurastudent in Heidelberg, war so überwältigt, dass er daraufhin exzessiv Klavier übte und sich für den Musikerberuf entschied. Nicht zuletzt in seinen Paganini-Etüden op. 3 und op. 10 setzt sich Schumann intensiv mit dem Geiger auseinander. Der Gitarrist Heiko Ossig, der Konzertmeister des NDR-Elbphilharmonie-Orchesters Rodrigo Reichel und der Schauspieler Steffen Groth haben nun ein Programm konzipiert, das die „Beziehung“ zwischen Schumann und Paganini näher beleuchtet. Briefe und Tagebuchaufzeichnungen Schumanns sowie Berichte von Zeitzeugen spielen eine Rolle, aber selbstverständlich auch die Musik der beiden, darunter Werke für Violine und Gitarre von Paganini und Bearbeitungen von Schumann-Werken für Gitarre.

„Singing Südafrika“ heißt es am Dienstag, 17. Juli, ab Bord der „Nordfriesland“. Die A-cappella-Band „Just6“ vereint die verschiedensten musikalischen Strömungen und bezeichnet sich auf ihrer Homepage selbst als „Afro-Pop/Soul, Jazz and Gospel Contemporary A Capella Male Ensemble“. 2010 sangen einige Mitglieder der Band im Rahmen eines christlichen Camps erstmals zusammen, 2011 gab sich die Gruppe ihren heutigen Namen und brachte ihre erste CD auf den Markt. Insbesondere live beeindrucken die sechs aus der südafrikanischen Provinz Gauteng stammenden Sänger, nur dann kommen ihre fantastischen Stimmen, ihr unglaubliches Rhythmusgefühl, schlicht, ihre ganze überbordende Musikalität voll zum Tragen.

Am Donnerstag, 19. Juli, bringt der Klarinettist Giora Feidman den „Spirit of Klezmer“ in die Nieblumer St.-Johannis-Kirche. 1936 als Sohn jüdischer Einwanderer in Argentinien geboren, wird Feidmans Jugend durch die spezifisch jüdische Musiktradition des Klezmer geprägt. Und „der große, alte Herr der Klarinette und des Klezmer“ verfügt über so viel Charisma, dass das Publikum bereits begeistert ist, bevor er auch nur eine Note gespielt hat. Drei Konzerte wird der 82-Jährige im Verlauf des diesjährigen Festivals geben, eines davon auf Föhr. Begleitet wird Feidman von Guido Jäger (Kontrabass), Enrique Ugarte (Akkordeon) und Murat Coskun (Percussion).

Trauermusik aus der ganzent Welt


Das MKDW ist noch einmal Austragungsort, wenn am Mittwoch, 8. August, die Geschwister Well zu Gast sind. 15 Kinder setzten Traudl und Hermann Well in die Welt, alle überaus musikalisch. 1976 gründen die Brüder Hans, Christoph und Michael Well die Musik- und Kabarettgruppe Biermösl Blosn, drei ihrer Schwestern sind als Wellküren unterwegs. Mittlerweile gibt es bereits die dritte Generation mit knapp 40 Cousinen und Cousins und eine vierte Generation. Zur dritten Generation gehören die Geschwister Matthias (Violine) und Maria Well (Violoncello), Kinder von Biermösl-Gründungsmitglied Michael Well. Beide gewannen mehrfach erste Preise auf Bundesebene von „Jugend musiziert“ und wurden bereits als Jungstudenten an der Hochschule für Musik und Theater München aufgenommen. Sie widmen sich gemeinsam mit Vladislav Cojocaru (Akkordeon) an diesem Abend Trauermusiken aus der ganzen Welt, von indischen Ragas über Totentänze aus Afrika bis hin zu Klagegesängen klassischer Komponisten.

„Träumerei“ ist das finale Föhr-Konzert am Dienstag, 21. August, in der Boldixumer St.-Nicolai-Kirche überschrieben. Trompete und Streichquartett geben den Ton an, wenn sich Matthias Höfs (Trompete) mit Anke Dill (Violine), Luisa Höfs (Violine), Stefan Fehlandt (Viola) und Gustav Rivinius (Violoncello) den Komponisten Mozart und Schumann widmet. Beide haben kein einziges Werk für Trompete geschrieben. Schade, fand Matthias Höfs und ließ einfach einige Werke, die ihm geeignet erschienen, für die Besetzung mit Trompete und Streichtrio bzw. Streichquartett bearbeiten. Ein wahrer Glücksgriff, wie sich schnell zeigte, denn der strahlend helle, brillante Ton der Trompete und der expressiv-sinnliche Klang der Streicher gehen eine wunderbare Symbiose ein.

Alle Konzerte beginnen um 20 Uhr, Karten gibt es im Vorverkauf beim Föhr-Amrumer Reisebüro in der Wyker Mittelstraße, telefonisch unter
0431/237070 oder im Internet, (www.shmf.de). Nach allen SHMF-Veranstaltungen fährt ein Personenschiff von Wyk nach Dagebüll.

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