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Ausstellung in Wyk : Klamotten im Klamottenladen

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Das Museum Kunst der Westküste und das Modenhaus Ehlers kooperieren. Arbeiten von Thomas Judisch werden am Sandwall gezeigt.

von
erstellt am 14.Mai.2016 | 11:15 Uhr

Normalerweise kommen die Leute ins Museum – das Museum Kunst der Westküste (MKDW) kommt jetzt zu den Leuten. Im Modenhaus Ehlers am Wyker Sandwall hat das MKDW für die nächsten beiden Wochen eine Dependance eingerichtet. Zwischen den Edel-Klamotten der Wyker Boutique hängen, stehen und liegen bis zum 29. Mai schon etwas abgetragenere, teilweise sogar befleckte Teile – Objekte des Bildhauers Thomas Judisch.

Judisch ist, seit er im Jahr 2014 eine Zeit als „Artist in Residence“ in Alkersum verbrachte, zu einer Art „Hauskünstler “ des MKDW geworden. Seine Alkersumer Bernstein-Lollis wurden dort gezeigt, im Museumsgarten liegen seine bronzenen Pferdeäpfel, und Arbeiten, die einen Bezug zu denen haben, die jetzt in Wyk zu sehen sind, gibt es außerdem in der aktuellen Frühjahrsausstellung des MKDW.

Arbeiten, bei denen nichts so ist, wie es auf den ersten Blick scheint. Da liegen Kleiderhaufen auf dem Fußboden, man zuckt zurück, um nicht darüber zu stolpern, doch dann entpuppen sie sich als Fotos. Da hängen andere Teile an Wänden und Türen, auch sie sind fotografiert, wurden auf PVC–Folie gedruckt und dann vom Künstler so ausgeschnitten, dass sie dreidimensional wirken. Zwischen teuren Edel-Teilen hängen befleckte Hemden und es ist wohl nur eine Frage der Zeit, bis ein Kunde so ein Stück mit in die Umkleide nimmt und erst dann den „Blut“- oder „Kaffee“-Fleck entdeckt. Ja, und die Basecaps und ausgelatschten Sandalen, die neben feinen Espadrilles oder teuren Duftwässern stehen, die sind aus Ton modelliert.

Was so augenzwinkernd daherkommt, ist von Bildhauer Judisch durchaus ernst gemeint. Ihn interessiert der Faltenwurf der abfotografierten Stücke, er versteht die Bilder abgetragener Kleidungsstücke als Porträts ihrer Besitzer und die – ebenfalls fotografierten – Wäscheberge am Boden als Akte. Es ist der Fantasie des Betrachters überlassen, was er hinter Jeans, Slip und BH oder der Kleidung eines Paares sieht.

Offiziell eröffnet wird Judischs Wyker Ausstellung am Pfingstsonntag um 16.30 Uhr. Museumsdirektorin Ulrike Wolff-Thomsen wird dann in die Arbeiten einführen, es gibt Musik von „Freudentanz“ und Lutscher – aus Zucker, nicht aus Bernstein. Den ganzen Sonntag bietet das Museum einen Shuttle zwischen Wyk und Alkersum an.

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