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Nationalprk Wattenmeer : Kitesurfer verzichten auf Kniepbucht

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Wassersportler, Naturschutzvereine und Gemeinden gehen aufeinander zu. Sie verständigen sich auf Sperrzonen an der Amrumer Ostküste.

Die bevorstehende Novellierung der Befahrensverordnung im Nationalpark und das damit verbundene Verbot des Kitesurfens auf großen Flächen des Wattenmeeres war Thema einer Gesprächsrunde, an der Vertretern der drei Amrumer Gemeinden, der Amrum-Touristik, der Naturschutzverbände, der Wassersportler und der Nationalparkverwaltung teilnahmen. „Die Diskussion um das Ausweisen von Kitesurfgebieten wird auch auf Amrum kritisch gesehen“, erklärte Amrum-Touristik-Chef Frank Timpe.

Der Leiter der Nationalparkverwaltung, Dr. Detlef Hansen, fasste den aktuellen Sachstand zum Thema zusammen: Da die Zonierung im Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer den aktuellen Gegebenheiten – zum Beispiel die Verlagerung der Sandbänke– angepasst werden soll, planen Bund und Länder eine Novellierung der bisherigen Befahrensverordnung, die auf das Jahr 1999 zurückgeht. Gleichzeitig soll das Kitesurfen im Nationalparkgebiet naturverträglicher gestaltet werden, indem großflächige Gebiete dafür ausgewiesen werden. Hansen bekräftigte die Zustimmung der Nationalparkverwaltung zum Kitesurfen im Nationalpark. „Es geht nicht um ein Verbot des Kitesurfens, sondern darum, Naturschutz und wassersportliche Nutzung in Einklang zu bringen“, machte er deutlich. Hierzu finden nicht nur Gespräche zwischen den Ländern Schleswig-Holstein, Hamburg und Niedersachsen statt, sondern auch vor Ort – damit alle Beteiligten die Chance haben, zu Wort zu kommen. Hansen mahnte eine einvernehmliche Lösung an, damit diese auch für die Zukunft tragfähig bleibt. Bezugnehmend auf die einzelnen Gebiete Amrums informierte er darüber, dass nach aktuellen Messungen der Hochwasser-Linie – unter Berücksichtigung des 150-Meter-Streifens – die Kniepbucht nicht mehr unter die Befahrensverordnung fällt. „An der Amrumer Westküste auf dem Kniepsand gibt es keine Probleme mit Wassersportlern“, erklärte hierzu Naturschützer Dr. Thomas Chrobock vom Öömrang Ferian. Er hob gleichzeitig hervor, dass Wassersportler an der Ostküste, die als wichtiges Bruthabitat für Austernfischer, Rotschenkel, Säbelschnäbler und Sandregenpfeifer gilt, durchaus Störungen verursachen können. Allerdings beschränke sich die wassersportliche Nutzung der Ostküste eher auf Bereiche in und um die Steenodder Bucht und die Wittdüner Kniepbucht. Auch das Naturschutzgebiet Amrumer Odde sei ein bedeutsames Brut- und Rastgebiet, machte Dieter Kalisch vom Verein Jordsand deutlich. Dort komme es aber immer wieder zu Beeinträchtigungen durch Stehpaddler, die von Föhr herüberkommen. Es sei deshalb umso wichtiger, dass die in Naturschutzgebieten bestehen Bestimmungen – wie zum Beispiel das Betretungsverbot – auch zwischen den Inseln besser kommuniziert werden.

Schlechte Nachrichten hatte Kirsten Thiemann von der Schutzstation Wattenmeer: Die Zahl der Vögel, die sich ganzjährig im Wattenmeer aufhalten und die Hochwasserrastplätze nutzen, nimmt ab. Besonders betroffen sind die Eiderenten. Immer wieder erhebt die Schutzstation Wattenmeer Störungskartierungen am Kniephaken und an der Kniepbucht. Das Ergebnis: Bereits kleine Störungen durch Wassersportler, aber auch durch Fußgänger und freilaufende Hunde haben gravierende Auswirkungen auf das Verhalten der Vögel. Denn diese werden aufgescheucht und beruhigen sich nur langsam.

Diese Probleme gehen auch an den Amrumer Wassersportlern nicht spurlos vorbei. Ihre Vertreter betonten, dass sie extra Ansammlungen von rastenden Vögeln meiden. Die meisten von den Naturschützern als bedenklich eingestuften Gebiete werden von ihnen ohnehin nicht genutzt. So stimmten sie einer dauerhaften Nichtnutzung dieser Gebiete zu und verzichteten – zum Schutz der Eiderenten – während der Brut- und Aufzuchtsaison freiwillig auf die Nutzung der Kniepbucht, was „...bei der relativ kurzen Wassersportsaison schon schmerzlich, aber im Sinne des Naturschutzes verständlich und vertretbar ist“, wie sie verdeutlichten. Ein generelles Verbot des Kitesurfens im Wattenmeer sei für die Sportler jedoch „nicht nachvollziehbar“. Zudem bezweifeln sie, wie auch die Amrumer Gemeindevertreter, dass die dann ausgewiesenen Sperrzonen in Zukunft noch veränder- oder erweiterbar sind. Das sah Kirsten Boley-Fleet von der Nationalparkverwaltung anders. „Im Falle von notwendigen und gewünschten Änderungen der Kulisse für Kitesurfgebiete können Änderungsanträge kurzfristig zwischen der zuständigen Wasser- und Schifffahrtsverwaltung im Benehmen mit der Nationalparkverwaltung abgestimmt und entschieden werden“, betonte sie.


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erstellt am 03.Feb.2016 | 12:15 Uhr

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