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Insel-Bote

22. August 2017 | 22:43 Uhr

Friesendom : Kirchturm im Plastikmantel

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Hinter der schützenden Hülle haben Bauarbeiten begonnen. Dach und Mauerwerk des St.-Johannis-Turmes müssen saniert werden.

Erinnerungen an den verhüllten Berliner Reichstag werden zur Zeit beim Betrachten des Turmes der Nieblumer St.-Johannis-Kirche wach. Es sind aber keine künstlerischen Ambitionen mit der „Verpackung“ des Bauwerks verbunden. Vielmehr ist dies ein weiterer Schritt bei den Bemühungen, den alten Friesendom zu erhalten, der im Jahr 1240 erstmals urkundlich erwähnt worden ist.

Bereits seit zehn Jahren laufen die Maßnahmen, in deren Verlauf unter anderem das Dach komplett erneuert und die maroden Steine des Kirchenschiffs mit ausgetauscht wurden. Engagiert in dieser Sanierung waren dabei nicht nur die politische und die Kirchengemeinde, sondern ganz besonders auch der rührige Förderverein. Unter Regie des Fördervereins und der Kirchengemeinde liegt nun das Augenmerk auf dem rund 30 Meter hohen Kirchturm, der eingerüstet und komplett verhüllt wurde. Dahinter sind seit kurzer Zeit die Handwerker zu Gange, denn auch an diesem Teil des Friesendomes ist das Mauerwerk nicht überall im besten Zustand.

Während der Architekt Dietrich Röher von Anfang an die Restaurierungsarbeiten fachlich begleitet hat, ist mit Pastorin Kirsten Hoffmann-Busch eine neue Vertreterin der Kirchengemeinde am Werk. Sie hat damit die Nachfolge von Pastor Holger Asmussen angetreten. Der Architekt kommt regelmäßig nach Nieblum, und besteigt zusammen mit der Pastorin das Gerüst, um die einzelnen Schritte zu besprechen. Bei ihren Touren in die Höhe müssen sie Risse im Mauerwerk und zerbröckelnde Backsteine unter die Lupe nehmen. In den 1960-er Jahren wurden an der St.-Johannis-Kirche Baumaßnahmen durchgeführt, die sich fatal ausgewirkt haben. „Die Verantwortlichen und die Handwerker haben es gut gemeint“, betont Architekt Röher, „doch hatten sie noch nicht die Einblicke über die wir heute verfügen“.

So sorgte unter anderem die Verwendung von Zement dafür, dass die Luftzirkulation unterbrochen wurde und die unterschiedliche Dehnung der verwandten Materialien führt unweigerlich zu Rissen im Mauerwerk. So sind nun die Maurer damit beschäftigt, die Backsteine Stück für Stück zu überprüfen und notfalls auszutauschen. Dabei kommen dann wieder die besonderen Klostersteine zum Einsatz, die eine dänische Firma herstellt, die noch über die alte Rezeptur verfügt und außerdem ihre Ziegelsteine noch nach alter, aufwändiger Methode in einem Hoffmannschen Ringofen brennt.

Bis zum Herbst sollen die Mauerarbeiten fertig sein. „Bei solch einem alten Bauwerk ist man allerdings vor Überraschungen nicht sicher“, stellt Dietrich Röher fest. Neben der Sanierung des Mauerwerkes steht auch das Turmdach im Fokus der Bauherren, wobei die Fachleute noch entscheiden müssen, welche Teile neu mit Blei eingedeckt werden sollen. Die Kosten für diese Maßnahme betragen nach Mitteilung von Pastorin Hoffmann-Busch zwischen 200 000 und 300 000 Euro.

Nicht nur am Turm wird gearbeitet, sondern auch im Altarraum stehen Arbeiten an. „Der Denkmalschutz wollte“, so die Pastorin, „dass der alte Predigerstuhl wieder aufgestellt wird“. Er soll nun, ebenso wie das Holzgemach für die Frau des Pastors, neu gestrichen werden. Doch zuvor war eine ausführliche Diskussion über die Farbgebung erforderlich.


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erstellt am 19.Aug.2014 | 12:15 Uhr

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