turmsanierung in boldixum : Kirchengemeinde unter Zeitdruck

Waren beeindruckt: Constanze Falke und Annette Liebeskind (v.r.) von der Stiftung Denkmalschutz.
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Waren beeindruckt: Constanze Falke und Annette Liebeskind (v.r.) von der Stiftung Denkmalschutz.

Die Stiftung Denkmalschutz hat der Gemeinde St. Nicolai bei einer Ortsbesichtigung Fördergelder für die geplante Turmsanierung in Aussicht gestellt. Allerdings müssen die Arbeiten am ersten Bauabschnitt noch in diesem Jahr beginnen.

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02. Juni 2014, 08:00 Uhr

Einiges hat sich getan, am Turm der Boldixumer St.-Nicolai-Kirche, nachdem im Sommer des vergangenen Jahres einige Gemeindemitglieder eine Initiative ins Leben gerufen hatten. Mit dem Ziel, das sanierungsbedürftige Bauwerk aus dem 17. Jahrhundert zu erhalten. So wurden nicht nur rund 20 000 Euro durch private Spenden und Kollekten gesammelt, sondern der Turm in vielen Stunden ehrenamtlicher Arbeit von Dingen befreit, die sich über die Jahre in dem nicht mehr genutzten Gebäudeteil angesammelt hatten.

Nun sind die Initiatoren einen weiteren, wichtigen Schritt vorangekommen. Mit der Kunsthistorikerin Constanze Falke und der Architektin Annette Liebeskind hatten sich zwei Mitarbeiterinnen der Stiftung Denkmalschutz auf den Weg von Bonn nach Föhr gemacht, um das gemauerte Sorgenkind in Augenschein zu nehmen. Eine Bestandsaufnahme, so Falke, um sich einen Eindruck zu verschaffen und Möglichkeiten für die Unterstützung zu finden. Denn: „Wir können uns vorstellen, hier zu helfen“, berichtete die Kunsthistorikerin, dass das Projekt bei den Gremien der Stiftung auf Interesse gestoßen sei.

Erklärende Worte gab der Diplom-Ingenier und Architekt Pieter Martijn Dubbeldam von der Abteilung Bau der Kirchenkreisverwaltung. Dubbeldam berichtete, dass das ursprüngliche Ziel längst dem Plan „Kirchensanierung“ gewichen sei. Priorität aber habe das bei der Stiftung Denkmalschutz beantragte Vorhaben, den Turm zu restaurieren, dem im ersten Abschnitt der gesamten Bauphase neues Leben eingehaucht werden soll.

Dessen Westfassade weist starke Mauerbeschädigungen auf, als Folge der Insellage und der aggressiven salzhaltigen Luft, so der Architekt. Zudem sind immer wieder falsche Materialien für die Reparaturarbeiten verwendet worden. Mit der Folge, dass das Mauerwerk Feuchtigkeit gespeichert hat, die zu Abplatzungen in den Steinoberflächen und damit zu einem immer stärkeren Wassereintritt führten. Der Zahn der Zeit nagte zudem an den statisch erforderlichen geschmiedeten Mauerwerksankern, die stark korrodiert und verrostet sind.

Auch an der Südfassade ist mit zementhaltigem Mörtel das falsche Material für Reparaturen verwendet worden. Allerdings ist dieser Bereich weniger beschädigt. Auch hier sind die Mauerwerksanker stark korrodiert und verrostet – das Gleiche gilt für die Ost- und die Nordfassade. Versöhnlicher stellt sich das Dach dar: Konstruktion und Eindeckung des Turmes sind, so der Architekt, soweit ersichtlich, intakt.

Ein interessantes Projekt, so das Fazit von Constanze Falke und Annette Liebeskind. Ausschlaggebend für die positive Bilanz war die historische Bedeutung der Kirche. „Das, was hier erhalten ist, ist kunsthistorisch ein Highlight“, zeigte sich Constanze Falke begeistert. Ein weiterer wichtiger Aspekt sei das Engagement aus der Gemeinde heraus. Ein wichtiges Kriterium für die Stiftung, wenn es um den Erhalt von Kirchen geht: „Wenn es eine Bürgerschaft gibt, die ganz klar dahinter steht, ist das für uns ein Zeichen dafür, dass wir uns gern einbringen“.

In der Tat passt alles, denn die Stiftung fördert Maßnahmen, die dem Erhalt der originalen Bausubstanz dienen. Die Turmsanierung aber müsste zeitnah erfolgen, denn die Förderbeträge sind jeweils an den einjährigen Haushalt der Stiftung gebunden. „Wir sind startklar“, gab die Kunsthistorikerin grünes Licht. Allerdings müsse sichergestellt sein, dass die Arbeiten noch in diesem Jahr beginnen können.

Die Gemeinde muss also das Geld für die Turmsanierung zeitnah aufbringen. Nicht einfach, bei einem Kostenvoranschlag von rund 350 000 Euro. 20 000 Euro wurden durch Spenden bisher gesammelt, die gleiche Summe käme von der Stiftung. Die Mammutaufgabe zu stemmen, soll der erste Bauabschnitt nun noch einmal geteilt werden. Derweil hofft die Gemeinde, so Pastorin Hanna Wichmann, dass die Zusage der Stiftung Signalwirkung für andere potenzielle Unterstützer hat. Ungern würde man zu Plan B greifen und ein Darlehen aufnehmen.

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