Föhr : Kinderlyrik – alles andere als banal

Schulkinder präsentierten literarische und musikalische Kostproben aus dem Buch.
Schulkinder präsentierten literarische und musikalische Kostproben aus dem Buch.

Neues Buch mit altem Kulturgut: Die Ferring-Stiftung bringt friesische Reime von Föhr und Amrum heraus.

shz.de von
23. Mai 2018, 15:00 Uhr

„Wenn der Vorsitzende der Ferring-Stiftung eine gebügelte Hose und ein gestärktes Hemd anzieht, muss etwas Bedeutendes passiert sein“, erklärte Volkert Faltings mit einem selbstkritischen Blick. Und in der Tat konnte er nicht ohne Stolz mit „Aarebaare Lungesnaare“, Kinderreime und
-lieder von Föhr und Amrum, die dritte Veröffentlichung des hauseigenen Friesischen Arbeitskreises präsentieren. Faltings und sein Mitherausgeber Reinhard Jannen blickten wieder dankbar auf die engagierte Unterstützung der 15 Frauen dieses monatlich tagenden Arbeitskreises. „Das soll euch erst einmal einer nachmachen“, lobte Faltings, der in seinen Dank auch Uta Marienfeld (Layout), Kai Faltings (Digitale Aufarbeitung) und Ingwert Paulsen (Husum Druck- und Verlagsgesellschaft) mit einschloss. Ohne die ansprechenden Text-Illustrationen von Margret Fischer sei das Buch allerdings nur halb so viel wert, ergänzte er und überreichte das erste Exemplar der sehr aktiven Zeichnerin.

Kinderlyrik habe es in der Literatur nicht leicht, werde sie doch als banal, nicht künstlerisch oder literarisch unreif bezeichnet, so Faltings. Die buntscheckige Vielfalt von Wiegenliedern, Abzählreimen oder Dorfversen vereitle häufig die Einteilung in Kategorien. Somit mag „Aarebaare Lungesnaare“ ein bemerkenswertes Werk sein, denn mit 169 Eintragungen im Hauptteil und 79 Varianten in den Anmerkungen beinhaltet es die momentan umfangreichste Sammlung seiner Art im Nordfriesischen Sprachraum. Als besonders glücklicher Zufall erwies sich, dass der inzwischen verstorbene Alkersumer Julius Hartmann viele alte Kinderreime aufgeschrieben hatte und seine Nachkommen diese der Ferring-Stiftung zur Verfügung gestellt hatten.

Annamária Cserepka ist es zu verdanken, dass auch Noten vorliegen, denn viele Kinderlieder und -reime wurden auch gesungen. Die Melodien, die glücklicherweise noch in den Köpfen einiger Frauen des Arbeitskreises „schwirrten“, konnten mit Hilfe Cserepkas professionellen Gehörs zu Papier gebracht werden.

Am Klavier begleitete sie die Dritt- und Viertklässler der Grundschule Föhr Land, die mit ihrem Auftritt bewiesen, dass alte friesische Kinderlyrik bis heute lebendig ist: Angeleitet von Enken Tholund präsentierten sie charmant und mit ansteckender kindlicher Begeisterung literarische und musikalische Kostproben aus dem Buch.

Wer sich mit der Widmung „Tu altumaal grat an letj jongen faan Feer an Oomrem an ölershuar“ (Für alle großen und kleinen Kinder auf Föhr und Amrum und anderswo) angesprochen fühlt, kann „Aarebaare Lungesnaare“ ab sofort in der Ferring-Stiftung erwerben, in Kürze auch im Handel.

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