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Föhrer Karneval : Kinder, Kühe und ein bisschen Sport

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Bei der Nieblumer Prämienmaskerade wurden wieder aktuelle Inselthemen aufs Korn genommen. Fünf Stand- und fünf Laufmasken waren zu bewundern.

Die Teilnehmer an der Prämienmaskerade waren sichtlich froh, die Masken nach etwa eineinhalb Stunden endlich abnehmen zu dürfen. „Ich habe selbst oft genug drunter gesessen und weiß, wie das ist, wenn sich ein Schweißtropfen langsam auf den Weg zur Nasenspitze macht“, erklärt Hauke Brett, Wehrführer der Feuerwehr Nieblum, das Gefühl, wenn man über eine Stunde regungslos unter der Maske ausharren muss. Und dabei hat er fast vergessen, seine maskierten Nachfolger zu „befreien“, als er bei der Siegerehrung der diesjährigen Prämienmaskerade sofort zur Preisverleihung übergehen wollte, statt zuerst die Demaskierung anzuordnen.

Bereits etwa eine halbe Stunde vorher durften die Masken aus ihrer Starre herausfallen, nachdem sie zuvor eine Stunde lang still dagestanden und gesessen hatten, um ihre Meinung zu verschiedenen aktuellen Themen kundzutun. Diese Themen waren in diesem Jahr manchmal naheliegend, manchmal um die Ecke gedacht aber ganz sicher immer kreativ. So durfte zum Beispiel die Schließung des Kreißsaales im Wyker Krankenhaus nicht fehlen, zu diesem Thema gab es sowohl eine Standmaske als auch eine Laufmaske. Ebenfalls doppelt vertreten war der starke Preisverfall der Milch und die dadurch verursachten Schwierigkeiten für die Milchviehhalter. Unter anderem wurde noch das Gerücht um als Rauchmelderkontrolleure getarnte Diebe aufs Korn genommen, sowie die Verschmutzung des Meeres und das Pottwalsterben der letzten Wochen angeprangert.

„Die Gruppen haben alle brandaktuelle Masken entworfen und waren dabei echt kreativ. Der Einfallsreichtum ist wirklich gewaltig“, freute sich Hauke Brett darüber, dass es sowohl fünf Stand- als auch fünf Laufmasken gab. „Vor einer Woche hatte ich erst zwei Anmeldungen, da kam ich natürlich schon ein bisschen ins Schwitzen. Aber mit der jetzigen Anzahl liegen wir über der vom letzten Jahr, das heißt wir können zufrieden sein.“ Trotzdem sieht Brett noch Luft nach oben: „Ich hoffe natürlich, dass die bleiben, die in diesem Jahr zum ersten Mal dabei sind. Und es wäre natürlich schön, aus jedem Dorf eine Maske zu haben.“ Wenn er das hinbekommen sollte, würde es im Haus des Gastes in Nieblum aber sehr eng werden.

Schon jetzt war es drückend voll, als am vergangenen Sonnabend abends um acht die Türen für die Zuschauer geöffnet wurden. Interessiert wurde begutachtet, was in diesem Jahr alles auf die Beine gestellt und thematisiert wurde. Dabei gab es für das Publikum einen klaren Favoriten: „Die sind alle echt gut, aber ich finde der Kreißsaal ist doch noch einen Tick besser“, meinte zum Beispiel Silke Roeloffs. Und auch Svenja Popp fand, das diese Maske besonders gut gelungen war: „Die Botschaft dahinter ist echt super.“ Für Dirk Eisersdorff gab es dagegen einen anderen heißen Anwärter auf den ersten Preis: „Das Standbild über den Preisverfall der Milch hat mir sehr gut gefallen.“ Hauke Brett blieb dagegen objektiv: „Wir haben hier Masken am Start, die sind künstlerisch perfekt. Bei anderen ist das Thema gut gewählt. Ich möchte nicht entscheiden müssen, welche die beste Maske ist.“

Diese Aufgabe übernahmen fünf zufällig ausgewählte Juroren. Und bei ihnen war das Ergebnis weniger eindeutig als beim Publikum: Zwischen dem ersten und dem zweiten Platz lag gerade einmal ein mickriger Punkt: Während das Bild über das „Tri-Island“-Spektakel 495 Punkt holen konnte, musste das Kreißsaal-Pärchen nur vier der 500 Punkte abgeben. Dritter wurde die Anklage gegen die niedrigen Milchpreise.

Bei den Laufmasken war das Ergebnis etwas eindeutiger: Das Thema Kreißsaal wurde zweiter, hinter einer wandelnden Milchtüte mit den Literpreisen der letzten Jahre. Die Müllsammler, die auf die verdreckten Weltmeere aufmerksam machen wollten, wurden dritter.

Die Darsteller waren trotz der Anstrengung unter den Masken froh, dabei gewesen zu sein: „Ich habe zwar doll geschwitzt, aber es hat echt viel Spaß gemacht. Nächstes Jahr kann ich hoffentlich wieder dabei sein“, meinte zum Beispiel Leve Brodersen, der als Bauer verkleidet war.

Bei Anja Christiansen, zusammen mit ihrer Maskenkollegin Eike Brett Siegerin des Abends, war von Anstrengung dagegen nichts zu spüren: „Wir haben hier schön stillgesessen und dabei entspannt.“ Bereits seit 21 Jahren sind die beiden regelmäßig dabei, wenn es darum geht, ein möglichst kreatives Bild zu erstellen. Am diesjährigen Siegerbild hatten sie eineinhalb Wochen gearbeitet, wobei der Entschluss, mitzumachen, bereits im Herbst gefallen war. Und auch im nächsten Jahr wollen die beiden bei dem jährlichen Brauch wieder kräftig mitmischen.

Wann der entstanden ist, weiß übrigens niemand so genau, den ersten Vermerk gibt es Anfang des 20. Jahrhunderts, wahrscheinlich ist es aber noch länger her. Und damit man bald nicht eine Traueranzeige schalten muss, bei der um Anteilnahme am Ende der Prämienmaskerade gebeten wird, werden dringend Gruppen für nächstes Jahr gesucht. „Bis eine Woche vorher brauche ich mindestens ein paar Anmeldungen, ansonsten lohnt sich das nicht“, erklärt Hauke Brett. „Aber im Moment bin ich ganz zuversichtlich, dass das klappt.“

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