Menschen des Jahres 2018 - Georg Quedens : Kenner und Hüter der Amrumer Natur

Naturschützer, Fotograf und Autor: Georg Quedens.
Naturschützer, Fotograf und Autor: Georg Quedens.

Der 84-Jährige ist Heimatforscher und Chronist seiner Insel und seit den 1950-er Jahren überzeugter Naturschützer.

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30. November 2018, 19:10 Uhr

Noch heute kann der 84-jährige Georg Quedens die Stelle in den Dünen zeigen, an der er als kleiner Junge sein erstes Möwenei geräubert hat. Diesen überlebenswichtigen Fund in Zeiten des Krieges bezeichnet Quedens als sein „erstes Damaskus“. Das „zweite Damaskus“, das ihn quasi vom Saulus zum Paulus machte, geschah Anfang der 50-er Jahre, als er feststellte, dass auf Amrum praktisch keine Möwen oder Kiebitze mehr vorkamen. Damit wurde aus dem Wilddieb ein überzeugter Naturschützer.

Dass heute wieder eine Vielfalt an Vögeln anzutreffen ist, ist nach Quedens’ Überzeugung dem Fremdenverkehr zu verdanken. „Die Amrumer hatten keine Zeit mehr, nach Eiern zu suchen, und sie erfuhren von ihren Gästen die Attraktion einer intakten Natur.“ Falls sich doch noch Eierräuber in die Dünen wagten, fanden sie an vielen Nestern Schilder mit der Aufschrift „angebrütet“ vor. Die hatte Quedens klammheimlich aufgestellt, wohl wissend, dass diese Eier für die menschliche Ernährung ihre Bedeutung verloren haben.

Es wäre zu kurz gegriffen, Georg Quedens ausschließlich als Kenner und Schützer der Natur zu bezeichnen. Der Norddorfer Fotograf ist vielmehr profunder Heimatforscher und Chronist seiner Insel, der sich für alles interessiert – von Strandungsfällen, über Kapitänsfamilien bis hin zum Seebad Amrum – und das in Wort und Bild festhält. Davon zeugen unzählige Bücher und Publikationen, auch über die Nachbarinsel Föhr und die Halligen, sowie die Chronik der Insel Amrum, für die er 30 Jahre lang verantwortlich zeichnete.

Sein Wissen hat Quedens sich überwiegend autodidaktisch angeeignet, bei Veröffentlichungen legt er Wert auf exakte Daten. Bei der Überprüfung von Fakten schöpft er jede denkbare Quelle aus. Dabei macht er auch vor Anrufen in dänischen Ministerien nicht halt.

Im Laufe seines Lebens hat Quedens Unmengen an Fotos gemacht. Nicht nur von Vögeln und der Natur, sondern auch von Menschen. Diese Masse an Fotografien bereitet dem Norddorfer besondere Sorgen: „Mein Weg zur St.-Clemens-Kirche ist nicht mehr weit und eigentlich wären meine Bilder dann in der Ferring-Stiftung am richtigen Ort.“ Doch die meisten Aufnahmen sind nicht archiviert, und es wird schwierig, wenn nicht sogar unmöglich sein, die Motive zu ordnen. Zwar hat Quedens in seinem Sohn Kai einen Nachfolger für die Vorträge über Inseln und Natur gefunden. Doch Kai Quedens ist Kunstmaler und kein Fotograf und wird diesbezüglich nicht in die Fußstapfen seines Vaters treten.

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