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Tourismus : Keine Landeszuschüsse mehr für Wyk

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Aus der Redaktion des Insel-Boten

Ob es das Musikfeuerwerk „Föhr on Fire“ im kommenden Jahr noch einmal gibt, steht in den Sternen. Nur eine von vielen weit reichenden Konsequenzen des Austritts der Stadt Wyk aus der Föhr-Tourismus GmbH.

shz.de von
erstellt am 18.Sep.2013 | 08:00 Uhr

„Das ist ein Projekt, mit dem sie bei der Landesregierung offene Türen einlaufen“, hatte Wirtschaftsminister Reinhard Meyer bei seinem Besuch auf Föhr vor einem knappen Jahr Wyker Pläne für ein „Nachhaltigkeitszentrum“ an der Stelle der ehemaligen Südstrand-Kurverwaltung begeistert kommentiert. Doch Hoffnungen auf Zuschüsse für dieses neue Gebäude, das Mittelpunkt eines Biosphären-Reservats Föhr werden soll, können die Wyker sich ebenso abschminken wie Fördermittel für Sanierung oder Neubau des maroden Wellenbads. Grund ist die vor vier Wochen von der Stadtvertretung beschlossene Kündigung von Gesellschafts- und Dienstleistungsvertrag mit der Föhr Tourismus GmbH (FTG). „Wyk verliert damit den Anspruch auf Fördermittel, die an das Vorhandensein einer Lokalen Tourismus-Organisation (LTO) gebunden sind“, heißt es dazu aus Meyers Ministerium. Denn die in den Förderrichtlinien des Landes geforderte LTO müsse immer ortsübergreifend sein, „die Stadt alleine kann keine LTO bilden“, betont Meyers Sprecher, dass Wyk sich keine Hoffnungen auf eine Ausnahmeregelung zu machen brauche, wie sie beispielsweise für die kleineren Nordseeinseln gelte oder für die Stadt Fehmarn, die ja ein Zusammenschluss der ehemals selbstständigen dortigen Inselgemeinden ist.

Bitter könnte der Ausstieg Wyks aus der FTG auch für die Gemeinde Nieblum werden, die gerade große Pläne für die touristische Aufwertung ihrer Strände hat. Nach derzeitigem Kenntnisstand würden die Landgemeinden, die ja in der FTG verbleiben wollen, zwar ihre Ansprüche behalten, so der Ministeriumssprecher. Doch dies sei noch nicht abschließend bewertet.

Droht der Insel Föhr, auf der der Fremdenverkehr mit einem Jahresumsatz von rund 150 Millionen Euro der wichtigste Wirtschaftszweig ist, damit in den nächsten Jahren Stillstand, wird die Insel von anderen Destinationen abgehängt? Das fürchtet jedenfalls Constanze Höfinghoff, als Geschäftsführerin des Nordsee-Tourismus-Service (NTS) oberste Marketing-Fachfrau an der Westküste. „Die Föhrer werden in Zukunft sehr viel mehr Geld ausgeben müssen, um ihren Standard zu halten“, ist Höfinghoff überzeugt und garantiert Einbrüche in den nächsten Jahren in der Außenwirkung und auch in der Kooperation mit anderen Partnern. „Die Zusammenarbeit in der FTG ist inhaltlich, sachlich und fachlich richtig“, betont die Tourismus-Expertin und appelliert an die Insulaner: „Never change a winning team“.

Ganz unmittelbare Konsequenzen hat der Austritt Wyks aus der FTG jetzt für die Akteure vor Ort. Denn das komplette Fremdenverkehrs-Marketing ist auf die ganze Insel ausgerichtet, ob Messeauftritte, Plakat-Aktionen oder der Internet-Auftritt www.foehr.de, der auch die gesamtinsulare Zimmervermittlung enthält. Und was passiert mit den Publikationen der Tourismus GmbH? Werden Wyker Vermieter noch ins Gastgeberverzeichnis der FTG aufgenommen? Wird der Veranstaltungskalender künftig nur noch über das informieren, was in den Landgemeinden los ist? Hier müssten, so betont FTG-Chef Armin Korok auf Nachfragen des Insel-Boten, ganz schnell Entscheidungen gefällt werden. Denn die Anzeigen-Akquise für den Veranstaltungskalender 2014 sei bereits gelaufen, und das Gastgeberverzeichnis soll eigentlich bereits im Oktober erscheinen. „Da werden wir den Andruck wohl um ein, zwei Wochen verschieben müssen“, so Korok.

Konsequenzen wird das Auseinanderbrechen der FTG auch für künftige Großveranstaltungen haben. „Ich kann im Moment nicht sagen, ob es die Kinder-Uni oder ‚Föhr on Fire‘ im nächsten Jahr noch geben wird, und dabei haben wir jetzt bereits Anfragen von Gästen, die ihren Urlaub danach buchen wollen“, so Armin Korok. Immerhin hat das Musikfeuerwerk alljährlich Zigtausende Besucher angezogen, allein fast 1500 Tagesgäste wurden in diesem Jahr nach der Veranstaltung mit zwei Sonderfähren zurück zum Festland gebracht.

Wie geht es weiter mit dem Tourismus auf Föhr? Das wird Thema einer öffentlichen „Zukunftskonferenz“ sein, die die FTG am kommenden Dienstag, 24. September, um 20 Uhr im Wyker Kurgartensaal veranstaltet. Wie es weitergeht mit dem Tourismus in Wyk, ist bereits morgen Thema im nichtöffentlichen Teil der Stadtvertretersitzung, auf dessen Tagesordnung erneut „Tourismus-Angelegenheiten“ stehen. „Ich hoffe, dass wir dann das Ruder doch noch mal rumreißen können“, so der Wyker Bürgermeister Paul Raffelhüschen, der in der letzten Sitzung gegen den Austritt aus der FTG gestimmt hatte.

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