Im Einsatz auf Föhr : Kein Leben ohne Feuerwehr

Lebensmittelpunkt Feuerwehrgerätehaus: Oben Wohnung, unten Schaltzentrale. Fotos: psz (2)
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Lebensmittelpunkt Feuerwehrgerätehaus: Oben Wohnung, unten Schaltzentrale.

Helfen ist wichtig: Sabine Jensen ist Gerätewartin in Wyk und ist voller Leidenschaft bei den Brandschützern.

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13. Juli 2018, 17:30 Uhr

Stell dir vor es brennt, und keiner kommt. Die Freiwilligen Feuerwehren kämpfen vielerorts mit Nachwuchsproblemen. Föhr bildet keine Ausnahme. Die Inselwehren haben mit einer großen Werbeaktion unter dem Motto „Wir brauchen Dich“ gegengesteuert. Wir stellen in einer kleinen Serie einige Brandschützer vor.

Sie ist gelernte Landwirtin, machte eine Umschulung zur Kfz-Mechanikerin, arbeitete auf Föhr rund zwölf Jahre bei einem Fahrradverleih und nebenbei sechs Jahre als Melkerin. Seit gut zwei Jahren ist sie in der Lagerlogistik bei einem Wyker Baumarkt angestellt. Das Herz von Sabine Jensen aber, die auf der Insel nur Grisu genannt wird, schlägt für die Feuerwehr. 2003 war sie der Liebe wegen auf die Insel gezogen, seit 2014 ist sie als Nachfolgerin von Uwe Hansen Gerätewartin der Wyker Brandschützer und unter anderem zuständig für den Tausch von Schläuchen und Atemschutzmasken sowie das Befüllen der Atemluftflaschen nach den Einsätzen für alle Föhrer Inselwehren.

Geboren in Wulfsdorf, einem kleinen Dorf südlich von Lübeck, zog es Jensen schon früh zu den Kameraden. Im Dorf gab es nur Landwirtschaft, einen Bolzplatz, eine kleine Grundschule mit 21 Schülern und die Freiwillige Feuerwehr. „Da war es selbstverständlich, gemeinsam etwas zu unternehmen“, sagt sie. Mit 16 Jahren gab es dann kein Halten mehr und sie wurde die erste Kameradin der Wulfsdorfer Feuerwehr. Als im Jahr 2000 eine Truppe für den Nachwuchs gegründet wurde, war Jensen als Ausbilderin dabei.

Sie selbst gab von Beginn an Gas. Bereits 1993, in ihrem ersten Jahr, absolvierte sie den Grundlehrgang. Die Liste der weiteren Schulungen, teilweise bei der Berufsfeuerwehr in Lübeck absolviert, ist beachtlich: Truppmann, Truppführer, Funker, Maschinist, Technische Hilfe, Atemschutzgeräteträger, Kreisausbilder, Gruppenführer, Gerätewartung, Atemschutzgerätewartung, Fahrsicherheitstraining und Brandschutzhelfer.

An ihren ersten großen Einsatz kann sich Sabine Jensen noch gut erinnern: „Es brannte in einer Holzhandlung in Lübeck und wir waren zu Nachlöscharbeiten eingeteilt.“ Der Kunststoff sei vom Hallendach getropft, „und die Gummireifen der Stapler waren riesige, klebrige schwarze Flächen“. Damals machte man sich noch nicht so viele Gedanken um die Gesundheit und unsichtbare Gefahren, die etwa durch Gase entstehen können. „Das Feuer war aus, also wurden Glutnester und Aufräumarbeiten weitestgehend ohne Atemschutz abgearbeitet.“ Nach einer Weile wurde ihr schwindelig, am Tag darauf wachte sie im Krankenhaus mit der Diagnose Rauchvergiftung auf. Erst nach drei Tagen durfte sie das Krankenhaus verlassen. „Solche Erfahrungen muss ich nicht wieder haben. Daraus gelernt habe ich viel, und das versuche ich nun an jüngere Kameraden weiterzugeben.

Auch in ihrer Föhrer Zeit gab es etliche Einsätze, als Gerätewartin ist Sabine Jensen heute allerdings selten dabei. Wirklich glücklich ist die Hauptlöschmeisterin – den Dienstgrad trägt sie, seit sie als Nachfolgerin von Ocke Holm Kreisausbilderin für Truppmann und Truppführer wurde – mit dieser Situation nicht. Aber: „Man findet sich damit ab, meine Arbeit fängt hinterher an“, sagt sie. Dabei ist ihr Posten nicht weniger wichtig: Sie hält Kontakt mit der Leitstelle, ist Ansprechpartnerin im Gerätehaus während der Einsätze und dafür verantwortlich, dass die Ausrüstung in Notfällen funktionsfähig ist.

Nicht Mitglied der Brandschützer zu sein, ist für Sabine Jensen undenkbar. „Wir können nicht mal eben vom Festland Hilfe anfordern, sondern müssen uns selbst helfen“, verweist sie auf die Insellage. Die mache die Feuerwehren und deren gute Zusammenarbeit über die Gemeindegrenzen hinaus unverzichtbar. Außerdem finde man unter den Kameraden gute Freunde, gegenseitige Unterstützung werde in allen Lebensbereichen groß geschrieben. Und den Umgang mit den verschiedensten Geräten und Fahrzeugen, den findet die gelernte Kfz-Mechanikerin ohnehin spannend.

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