Echte Inselkinder : Kein Geburtshaus auf Sylt

<p>Auf Föhr können demnächst wieder Kinder geboren werden.</p>

Auf Föhr können demnächst wieder Kinder geboren werden.

Was auf Föhr dank eines Vereins gelingt, taugt nicht als Vorbild für die Nachbarinsel.

shz.de von
12. Juli 2018, 18:00 Uhr

Rund drei Jahre nach der Schließung der Geburtsstation könnten in Wyk noch in diesem Jahr wieder echte Inselbabys in einem Geburtshaus das Licht der Welt erblicken (wir berichteten). Dieser Erfolg ist dem Föhrer Verein „Inselgeburt“ zuzuschreiben, der seit Jahren dafür kämpft, dass hier wieder Kinder zur Welt kommen können. Im Zuge dieses Bemühens wird nun demnächst zur Freude der Föhrer Einwohner ein hauptsächlich über Spenden finanziertes Geburtshaus eröffnet. Die Wiedereröffnung des Kreißsaals in der Inselklinik Föhr-Amrum ist jedoch weiter das Hauptziel des Vereins.

Auch auf Sylt hat sich die Nachricht unter den schwangeren Frauen herumgesprochen. „Mich fragen viele werdende Mütter, ob sie für Geburten nicht auch nach Föhr fahren könnten“, sagt Cornelia von Böhlen. Davon rät die Sylter Hebamme allerdings ab, der Aufwand sei zu groß. Denn die Schwangeren müssten vor der Geburt einmal im Monat auf die Nachbarinsel fahren.

Die Möglichkeit, dass es auf Sylt in Zukunft ebenfalls ein Geburtshaus geben könnte, schließt sie derzeit allerdings aus. „Nach der Schließung der Sylter Geburtsstation Ende 2013 wurde bereits über ein ähnliches Konzept hier bei uns gesprochen“, erinnert sie sich. Es sei aber aufgrund von vielen Problemen, darunter organisatorischen und finanziellen, nicht umsetzbar gewesen.

Für die werdenden Mütter auf Föhr freut sich die Sylter Hebamme: „Wenn der Verein so weitermacht, bekommen sie bestimmt auch ihren Kreißsaal zurück“, glaubt sie. Das läge vor allem daran, dass sich die Beteiligten auf Föhr in vielem einig sind, „besser zusammenhalten als die Sylter“ und dass es finanzstarke Investoren gibt. Zudem seien die Gynäkologen auf Sylts Nachbarinsel bereit, zu helfen.

Heidrun Hepper, ebenfalls Hebamme auf Sylt, schließt sich der Meinung ihrer Kollegin an. Sie kennt sich mit Geburtshäusern aus, hat in Berlin in den 1980-er Jahren eine solche Einrichtung sogar mit aufgebaut. „Für ein Geburtshaus bräuchten wir die entsprechenden Ärzte, die bereit sind, da mitzumachen“, sagt sie. Ein großes Problem sei die Finanzierung, außerdem müssten mindestens drei weitere Hebammen zu den bisher drei auf Sylt tätigen mitmachen – und die gäbe es auf der Insel nicht.

Für Heidrun Hepper ist klar: „So, wie die Situation auf Sylt ist, kann und will ich nicht an einem Geburtshaus-Projekt mitwirken“, sagt sie. „Da muss einfach alles stimmen und das ist hier leider nicht der Fall.“

Auch wäre nicht klar, wie viele Frauen diesen Dienst auf Sylt in Anspruch nehmen würden: „Man müsste sehr gut auswählen, denn es darf nur eine Frau in das Geburtshaus, die keine Risiken mit sich trägt. Da bleiben vielleicht auf Sylt 70 bis 80 Frauen im Jahr übrig.“

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