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ARD-Krimikomödie „Reiff für die Insel“ : „Katharina und der Schäfer“: Das hat Föhr nicht verdient

vom
Aus der Onlineredaktion

Was die ARD am Donnerstagabend seinen Zuschauern zumutete, bedarf einer Erklärung.

von
erstellt am 13.Mär.2015 | 15:22 Uhr

Föhr | Ein Baum fällt um, ein Zaun geht kaputt, Schafe flüchten: Es ist windig auf Föhr. Das trübt die Insel-Idylle. Doch nicht nur das: Anwältin Katharina muss sich um den geheimnisvollen Schäfer Manuel kümmern – „Technick“ aus der Saturn-Werbung übrigens. Dessen Schafe trampeln zunächst mal den Minigolf-Platz platt, zuvor ist der Schäfer nur knapp einem Mordanschlag entgangen. Der harmlose friesische Hirte ist in einem Zeugenschutzprogramm und deshalb auf der Insel. Aus Liebe zu einer Frau - warum auch sonst - hatte er sich mit einer Rockergang angelegt. Ein Killer ist ihm nun auf den Fersen und kommt alsbald auf seine Spur. Die Krimikomödienreihe „Reiff für die Insel“ befasst sich im vierten Teil „Katharina und der Schäfer“ weniger mit den Schafen, als mit den unbekannten Hirten. Mithilfe des Ex-Polizisten Thies kommen sie dem Auftragskiller am Ende auf die Schliche.

Doch das Föhr-Spektakel ist ein Flop und in etwa so platt wie Nordfriesland. Langweilige Dialoge in friesischem Akzent à la „Jo, ma kieken“ und zu offensichtlich nordischen Namen wie Fiete Finnsen oder Finn Feddersen treffen auf ein Bild des Insulaners, der unterbelichtet und hinterwäldlerisch ist und mit Freuden Alkohol trinkt. Da ist der schrullige Polizist, der den Leuten mit dem Kommentar: „Im Namen der Bundesrepublik, Sie sind verhaftet“ die Handschellen anlegt und dabei mit einem Jagdgewehr hantiert. Total authentisch. Es gibt eine Portion Beziehungsdrama zwischen Katharina und Thies und einen großen Löffel pubertierende Tochter, die mit ihrer Mutter im Augenblick so gar nicht kann. Man hört Helene-Fischer-Musik und es gibt einen Insel-Ball in der Scheune, zu dem das ganze Eiland erwartet wird. Ein Jahresereignis. Herzlichen Dank, ARD. Mehr Klischee geht nicht.

Als die Protagonisten dann noch eine Straßensperre errichten, weil der Auftragskiller in eine Sackgasse gefahren ist, geht es zu weit. Bis zum Morgen müssen die Männer ausharren, denn dann kommt erst das BKA. Die Wartezeit vertreiben sich die Männer mit Alkohol. Man schläft mitten auf der Straße seinen Rausch aus, der Unbekannte kann am Morgen über einen Feldweg neben der Straße fliehen. Das weiß man als Einheimischer offenbar nicht.

Angesichts der aufkommenden Langeweile beginnt der Zuschauer, die Schafe zu zählen und wartet darauf, was die Tiere als nächstes anstellen. Denn dass in diesem Krimi je etwas Schlimmes oder Unvorhersehbares passiert, muss man zu keinem Zeitpunkt befürchten. Die schauspielerische Leistung und das langweilige Drehbuch lassen sowohl Witz als auch Spannung vermissen. Als der Auftragskiller den Schäfer am Ende doch noch durch einen Streifschuss verletzt und dann flüchtet, ist der Spannungsbogen an seinem Höhepunkt. Doch es passiert wieder nichts. Der Schäfer überlebt und die Flucht des Killers endet - wie zu erwarten - in der Schafherde. In der letzten Szene wird in der Scheune getanzt. Es ist idyllisch auf Föhr.

„Reiff für die Insel“ ist weder Krimi noch Komödie und ist für die Primetime um 20.15 Uhr definitiv zu optimistisch angesetzt. Der Streifen taugt allenfalls für den Vorabend. Doch selbst dann sollte die Klischee-Keule der Macher Oliver Schmitz (Regie) und Marcus Hertneck (Buch) lieber im Schrank bleiben. Interessierte können den Film noch bis zum 19. März in der ARD-Mediathek nachsehen.

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