zur Navigation springen

Inselklinik Wyk : Kampf um den Kreißsaal geht weiter

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Eine Informationsveranstaltung in Wrixum war gut besucht. Insulaner aller Generationen machten sich für die Geburtshilfe auf Föhr stark.

„Wir müssen einen Brief an alle Verantwortlichen schreiben, der so bitter ist, wie meine Galle“. Friedrich Amfaldern ist so empört über die Schließung des Kreißsaales im Wyker Krankenhaus, dass er gemeinsam mit Renate Sieck und Jens Jacobsen zu einem Treffen in den „Alt Wrixumer Hof“ einlud, bei dem ein weiteres Vorgehen diskutiert werden sollte. Dass nicht nur Amfalderns Galle hochkommt, sondern auch die vieler Insulaner, machte die große Zahl der Besucher deutlich, die sehr engagiert diskutierten.

„Nichts passiert, und es kommt mir wie ein Schattenboxen vor“, charakterisierte er die augenblickliche Situation und kritisierte das Verhalten vieler Politiker. „Auch unser gewählter Bundestagsabgeordneter lässt uns im Regen stehen“, so der Redner, der an die Bedeutung der Wähler erinnerte. Amfaldern brachte weiter seine Sorge zum Ausdruck, dass der Kreißsaal genannt, aber auf den Klinikstandort Wyk gezielt werde. „Wir müssen unser Krankenhaus schützen. Wir können nicht akzeptieren, dass die Versorgung werdender Mütter nicht mehr möglich sein soll, obwohl die komplette Ausstattung vorhanden ist.“

Dank des Sicherstellungszuschlages sei das Wyker Krankenhaus bis auf weiteres nicht in Gefahr, erklärte der Mediziner und Jurist Dr. Reinhard Raabe. Seiner Ansicht nach müsse das Ziel eine Hebammen gestützte Einrichtung, also ein Geburtshaus sein. Doch zuvor müssten sich die Hebammen einig werden und sagen, was sie wollen. Deutlich machte Raabe schließlich: „Jede Schwangere hat das Recht zu entscheiden, wie sie entbinden will. Eine Schwangerschaft ist keine Krankheit.“

Diese Aussage hatte großen Beifall und zahlreiche emotionale Beiträge rund um das Thema Geburt zur Folge. Es sei ein Verstoß gegen die Menschenrechte, hieß es da, den Frauen verwehren zu wollen, auf Föhr ihre Kinder zu bekommen. Weiter wurde es als untragbar bezeichnet, dass Schwangere 14 Tage vor dem Termin aufs Festland müssen. Dies sei weder den Frauen noch deren Familien zumutbar. Für Hausgeburten wurde nachdrücklich plädiert.

Sie sei zwar generell bereit, bei Hausgeburten Beistand zu leisten, erklärte auf Nachfrage die Wyker Hebamme Kerstin Lauterberg. Doch gehe dies nur, wenn zur Sicherheit ein Gynäkologe und ein Kreißsaal zur Verfügung stehen. Thematisiert wurde dabei auch ein deutschlandweites Problem: die immer teurer werdende Haftpflichtversicherung für Hebammen.

Der Kreißsaal sei in einsatzbereitem Zustand, erklärte Dr. Jörn Harder, ärztlicher Direktor des Krankenhauses. Erk Roeloffs, Vorstandsmitglied des Krankenhaus-Fördervereins, machte deutlich, dass der Verein 60  000 Euro in die Ausstattung des Kreißsaales investiert habe. Die Nutzung des Saales sei versprochen: „Das kann Landrat Harrsen nicht mit einem Fingerzeig wegschieben“, so Roeloffs.

Heiß diskutiert wurde natürlich auch das geheim gehaltene Gutachten über die Geburtenstation auf Föhr. Jens Jacobsen, der selbst viele Jahre Mitglied des nordfriesischen Kreistags war, warf den Kreistagsmitgliedern des Krankenhaus-Aufsichtsrates vor, dass sie sich dazu nicht zu Wort melden. „Wir brauchen ein neutrales Gutachten, sonst stochern wir weiter im Nebel“, so seine Forderung. Doch diese Idee musste schließlich verworfen werden: „Landrat Harrsen hat das Hausrecht und wird mit Sicherheit neuen Gutachtern keinen Einblick erlauben“, hieß es. Es bleibe nur die Hoffnung auf ein Gutachten, das das Land in Auftrag gegeben hat, das aber noch nicht auf dem Tisch liegt.

Als weitere Möglichkeiten, sich für den Erhalt der Geburtsstation auf Föhr stark zu machen, sahen die Anwesenden den bereits erwähnten „bitteren Brief“, der möglichst breit gestreut werden sollte.

Zwar kam bei diesem ersten Treffen noch kein endgültiger Schlachtplan zustande. Alle waren sich jedoch einig, dass sie weiter für den Erhalt der Geburtsstation auf Föhr streiten werden. Deshalb plant man schon bald das nächste Treffen. Bis dahin sollen Ideen für das weitere Vorgehen gesammelt werden.



zur Startseite

von
erstellt am 20.Apr.2016 | 12:15 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen