Föhr und Amrum : Kampf gegen den Wohnungsmangel

Mögliche Bauflächen sollen auf beiden Inseln ermittelt werden.
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Mögliche Bauflächen sollen auf beiden Inseln ermittelt werden.

Ehrgeiziges Ziel: Bis 2030 sollen auf den beiden Inseln 540 Dauerwohnungen entstehen.

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25. Januar 2018, 13:00 Uhr

Bis 2030 werden auf Föhr rund 360 und auf Amrum etwa 180 Wohnungen fehlen. Dies hatte das unabhängige Beratungs- und Forschungsinstitut Gewos prognostiziert, das den insularen Wohnungsmarkt basierend auf Zahlen aus den Jahren 2014 und 2015 analysiert hatte. Hauptursachen sind demnach die Zweckentfremdung von Dauerwohnraum für die touristische Nutzung und der zunehmende Verkauf von Häusern und Grundstücken als Wochenend- oder Feriendomizile an Auswärtige.

Nach der Bestandsaufnahme sind nun Stadt und Gemeinden in der Pflicht. Denn sie sollen im Zuge der Neugestaltung der Regionalplanung und der damit verbundenen Erarbeitung einer „Landesentwicklungsstrategie Schleswig-Holstein 2030“ soweit wie möglich selbst planen. Auf Föhr und Amrum wird dafür ein Wohnraumentwicklungskonzept erstellt, in dessen Rahmen alle Flächen betrachtet und Potenziale ermittelt werden sollen. Oberstes Gebot: Die Sicherung von Dauerwohnungen und preisgünstigen Wohnraums sowie der Neubau familiengerechter Wohnungen für Einheimische. Geschehen soll dies alles auch im Bestand im Rahmen der Nachverdichtung: Grundstücke in den Dörfern oder der Stadt sollten vorrangig bebaut werden.

Abgesehen von Wyk, wo die Stadtvertreter voraussichtlich in ihrer nächsten Sitzung im Februar abstimmen werden, haben sich alle Gemeinden auf Föhr und Amrum für das Konzept ausgesprochen. Wohl auch mangels Alternative, denn das Land macht Druck. Der Landesentwicklungsplan sieht vor, dass Gemeinden des ländlichen Raumes von 2010 bis 2025 zehn Prozent mehr Wohnraum schaffen dürfen. Eine Grenze, die vielerorts längst erreicht ist. Für deren Überschreitung braucht es die Zustimmung des Landes. Auf diese können die betroffenen Gemeinden aber nur hoffen, wenn sie an dem Wohnraumentwicklungskonzept teilnehmen.

Für Norddorfs stellvertretenden Bürgermeister Christoph Decker ist das Ergebnis der Analyse Grundlage für eine langfristige Planung: „Das Gutachten belegt eindeutig den Bedarf und wird unsere Argumentation gegenüber dem Kreis künftig vereinfachen.“ Auch Oldsums Bürgermeister Hark Riewerts bewertet das nun anstehende Konzept positiv: „Eine gemeinsame Linie muss gefunden werden, es kann nicht jeder sein eigenes Süppchen kochen.“ Etwas skeptischer ist man in Nebel, wo sehr kontrovers diskutiert wurde. Einer der Kritikpunkte war, dass Ferienwohnungen, die in Dauerwohnungen rückgewandelt wurden, keine Berücksichtigung gefunden hätten, so Bürgermeister Bernd Dell Missier. „Wenn schon eine Zukunftsperspektive, dann muss das mit einfließen.“

Die Möglichkeiten, den erforderlichen Wohnraum zu schaffen, bewerten die Amrumer Gemeindechefs unterschiedlich. Zum einen, da die Insel außerhalb der örtlichen Bebauung aus Natur- oder Landschaftsschutzflächen bestehe, sagt Wittdüns Bürgermeister Jürgen Jungclaus. Und Flächen für Baugebiete gebe es in seiner Gemeinde ohnehin nicht mehr. Es müsse geschaut werden, wie Einfluss auf Immobilien genommen werden könne, die von ihren Eigentümern aufgegeben werden. Und in Nebel gibt es zwar Flächen, die sich als Bauland eignen würden. „Die sind aber in der Regel in Privatbesitz“, so Dell Missier. Anders in Norddorf, sagt Decker: „Wir haben im Ort und auch an den Rändern noch bebaubare Flächen.“

Auch auf Föhr gibt es Potenzial. So werden in Wyk im Neubaugebiet am Kortdeelsweg noch einige Mehrfamilienhäuser und angrenzend ein weiteres Baugebiet entstehen. Süderende plant für etwa zehn Häuser, „mit Erweiterungsmöglichkeiten und alles Dauerwohnraum“, wie Bürgermeister Christian Roeloffs betont. Oldsum hat ein Neubaugebiet in Toftum auf dem Zettel, Utersum könnte das Neubaugebiet Tewelken erweitern und auch in Nieblum gibt es noch Möglichkeiten, sagt Friedrich Riewerts. Dass es auf beiden Inseln genügend Areale gibt, davon ist Bauamtsmitarbeiterin Katharina Strödel überzeugt. Ein erstes Lückenkataster, das im Rahmen des Wohnungsmarktkonzeptes erstellt wurde, habe mögliche Flächen aufzeigt. Auch solche, auf denen gegebenenfalls größere Neubaugebiete entstehen könnten. „Rein vom Eindruck her wird das auf jeden Fall ausreichen“, glaubt die Stadtplanerin.

Ein wichtiges Instrument für Stadt und Gemeinden sind die Bebauungspläne, die vorgeben, in welchem Verhältnis die Nutzung als Dauer- oder Ferienwohnung zugelassen ist. Diese sowie die Erhaltungssatzungen sollen nach und nach überprüft werden, kündigt Katharina Strödel an, um den tatsächlichen Wohnraum in den jeweiligen Gebieten zu ermitteln. In vielen B-Plan-Gebieten ist der Begriff Ferienwohnungsnutzung nicht explizit gestaltet gewesen, betont Amtsdirektorin Renate Gehrmann. „Man muss jetzt wirklich jeden B-Plan anfassen. Das wird eine Aufgabe sein, die gemeinsam zu lösen ist.“

Parallel wird es ein Monitoring geben, das mit Beginn dieses Jahres alle Verfahren im Bauamt erfasst. „Dann haben wir klare Zahlen und wissen, ob es einen Zuwachs an Dauerwohnungen gibt oder eher einen Rückgang und ob viele Ferienwohnungen entstehen“, kündigt Strödel an. Dieses Monitoring soll laufend fortgeschrieben werden.

Hat auch die Stadt dem Konzept zugestimmt, sollen die nächsten Schritte mit Land und Kreis abgesprochen werden. Es folgen Gespräche mit den Gemeinden und Katharina Strödel hofft, dass der weitere Fahrplan noch vor den Kommunalwahlen festgezurrt werden kann.

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