Ungewöhnlicher Besuch in Wittdün : Junge Kegelrobbe verirrt sich auf Fähranleger

Das Jungtier ließ sich von dem Trubel um sie herum nicht stören.
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Das Jungtier ließ sich von dem Trubel um sie herum nicht stören.

Über eine Niedrigwassertreppe kam die junge Kegelrobbe an Land – und wäre fast auch mit der Fähre mitgefahren.

shz.de von
30. Dezember 2017, 17:00 Uhr

Wittdün auf Amrum | Da staunten die Passagiere auf dem Wittdüner Fähranleger nicht schlecht, als während der Schiffsentladung am Vormittag plötzlich eine junge Kegelrobbe auftauchte. Diese war über die Niedrigwassertreppe des Fähranlegers, an der im Sommer die Ausflugsschiffe anlegen, aus der Nordsee gerobbt. Klar, dass die Anwesenden begeistert waren. Vom Smartphone über den Fotoapparat bis hin zur Profikamera wurde alles genutzt, um das Jungtier abzulichten. Und scheinbar hatte auch die Kegelrobbe ihren Spaß, die es den Fotografen leicht machte, ganz aus der Nähe einige lustige Bilder zu schießen.

In der Zeit, in der auf den Seehundjäger gewartet wurde, robbte die Kegelrobbe interessiert und recht schnell Richtung Fähre und ließ sich dabei nicht von dem Trubel bei der Schiffsverladung stören. Kleine Ablenkungsmanöver halfen dann aber, um das Findelkind von einer Schwarzfahrt auf der Fähre abzuhalten.

Der für den Schutz der Kegelrobben und Seehunde beauftragte Seehundjäger Holger Lewerentz attestierte dem Tier nach einer ersten Sichtung einen unverletzten, aber unterernährten Zustand. Bei der ersten Berührung zeigte sich das Jungtier allerdings standesgemäß angriffslustig und war nicht sonderlich begeistert, als Lewerentz es mit gekonntem Griff in die Transportbox verfrachtete.

Mit gekonntem Griff fing Seehundjäger Holger Lewerentz das Jungtier ein.
Foto: oe
Mit gekonntem Griff fing Seehundjäger Holger Lewerentz das Jungtier ein.
 

Nach genauerer Betrachtung konnte Lewerentz, der zu den auf Amrum ansässigen staatlich beauftragten Seehundjägern gehört und somit für den Schutz und die Betreuung der Meeressäuger verantwortlich ist, berichten, dass es sich um ein Weibchen handelt. „Das Jungtier ist rund vier Wochen alt und schon komplett abgestillt. Das Fell ist bereits durchgefärbt und es gibt keine Atemgeräusche und Hinweise auf Entzündungen“, erklärte Lewerentz.

Das Gewicht schätzte der Seehundjäger zwischen zehn und zwölf Kilogramm und vermutete, dass das stürmische Wetter das Jungtier in der rauen Nordsee überfordert hat. „Normal hätte das Gewicht zwischen 30 und 40 Kilogramm liegen müssen“, so der Seehundsjäger. Bereits mit der Mittagsfähre ging es dann für das Tier aufs Festland nach Dagebüll, wo es von den Mitarbeitern der Aufzuchtstation in Friedrichskoog in Empfang genommen wurde. Als Nummer elf in der Geburtensaison wird es auf etwaige Krankheiten Untersucht und mit Elektrolyten erstmal aufgepäppelt.

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