Ärger im Ausschuss : Jugend-Therapeut: Schnellschuss geht nach hinten los

Stadt und Amt unterstützen die Ansiedlung eines Kinder- und Jugendpsychotherapeuten auf Föhr, schrieb der Arbeitskreis an die Kassenärztlichen Vereinigung. Da hatte der Jugendausschuss das Thema noch nicht beraten. Ärger war vorprogrammiert.

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27. März 2009, 11:54 Uhr

Wyk | Eigentlich wollte sich der Jugend-, Kultur- und Sozialausschuss in seiner jüngsten Sitzung damit befassen, inwieweit die Stadt das Ansinnen unterstützen kann, einen Kinder- und Jugendpsychotherapeuten auf der Insel anzusiedeln. Doch zu dieser Beratung kam es nicht mehr, denn in der Sitzung wurde bekannt, dass einer der Initiatoren dieses Ansinnens, Uwe Peterzumplasse, diese Unterstützung der Kassenärztlichen Vereinigung (KV), schriftlich bereits zugesichert hatte. "Die Bemühungen… werden unterstützt vom Amt Föhr-Amrum sowie dem Ausschuss für Jugend, Kultur und Soziales der Stadt Wyk auf Föhr" heißt es in dem Brief, den Peterzumplasse abgeschickt hatte, ohne ein entsprechendes Signal des Ausschusses abzuwarten.
Finanzielle Versprechen gemacht?

"Das ist ein seltsames Vorgehen, dass ein Schreiben schon unterwegs ist, obwohl es noch kein Meinungsbild und keinen Beschluss gab", so der Kommentar der Ausschuss-Vorsitzenden Elisabeth Schaefer (KG). Für Irritation sorgte auch, dass Peterzumplasse in seinem Brief an die KV weiter angekündigt hatte, dass Stadt, Amt und weitere Institutionen "gerne bereit" seien, einen niedergelassenen Kinder- und Jugendtherapeuten "weitestgehend zu unterstützen". In diese Aussage, so hieß es am Rande der Sitzung, könne auch eine finanzielle Beteiligung der Stadt hineininterpretiert werden - dies sei ein Unding, solange es kein entsprechendes Votum gebe.

Wie soll der Ausschuss damit umgehen, dass hier schon Fakten geschaffen wurden, bevor die Mitglieder Gelegenheit hatten, das Thema zu diskutieren? Bevor darüber beraten wurde, musste das Publikum den Sitzungssaal verlassen. Zu Recht, wie Schaefer anschließend auf Nachfrage des Insel-Boten erklärte. Bei dieser Beratung hätten nämlich auch Dinge angesprochen werden müssen, die die Persönlichkeitsrechte Einzelner berührten.
Richtigstellung

Folgendes Beratungsergebnis teilte Schaefer dann mit: Im Ausschuss bestehe Einigkeit darüber, dass das Thema aufgrund der neuen Entwicklung an diesem Abend nicht mehr behandelt werden könne. Der Kassenärztlichen Vereinigung solle schriftlich mitgeteilt werden, dass Wyk keine Unterstützung zugesagt habe. Außerdem werde das Kreisjugendamt, dem diese Thematik nicht bekannt sei, über die Briefe seines Föhrer Mitarbeiters Uwe Peterzumplasse informiert werden.

Bereits in der Januarsitzung des Jugend-, Kultur- und Sozialausschusses war an die Ausschussmitglieder ein Schreiben Peterzumplasses verteilt worden. Darin berichtete er, dass sich im vergangenen Jahr aus dem Arbeitskreis Sozialarbeit heraus ein Arbeitskreis gebildet habe, der das Ziel verfolge, einen bei den Krankenkassen zugelassenen Kinder- und Jugendtherapeuten auf die Insel zu bekommen. Föhrer Fachleute würden den Bedarf an einer solchen Stelle bestätigen, zumal die Fahrt zu Therapeuten auf dem Festland für Insulaner vom Zeit- und teilweise auch finanziellen Aufwand her nur schwer machbar sei. Peterzumplasse bat die Stadt darum, die Ansiedlung eines solchen Therapeuten zu unterstützen, beispielsweise durch Hilfe bei der Raumsuche beziehungsweise durch Bereitsstellung von verbilligten Räumen in der Anfangszeit.
Ausschuss wollte Thema berücksichtigen

Seinerzeit waren die Ausschussmitglieder überein gekommen, dieses Anliegen in ihrer nächsten Sitzung zu behandeln und außerdem an die Amtsgremien weiterzuleiten. Umso erstaunter waren sie, als sie am Abend ihrer geplanten Beratung erfuhren, dass Peterzumplasse längst "Nägel mit Köpfen" gemacht hatte.

Wenn es nach der Ausschuss-Vorsitzenden geht, soll eine inhaltliche Beratung des Themas trotzdem nicht endgültig vom Tisch sein. Sie strebt an, es in der nächsten Sitzung erneut auf die Tagesordnung zu setzen.

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