Public-viewing : Jubeln und leiden mit der DFB-Elf

Zu den begeisterten Fans gehörte auch Michael Hoff, Veranstaltungsleiter der Amrum-Touristik.
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Zu den begeisterten Fans gehörte auch Michael Hoff, Veranstaltungsleiter der Amrum-Touristik.

Auch der zweite Auftritt der deutschen Fußball-Nationalmannschaft wurde auf Föhr und Amrum vielerorts in großer Gemeinschaft vor Riesen-Bildschirmen verfolgt. Dabei durchlebten die Fans eine Achterbahn der Gefühle.

shz.de von
23. Juni 2014, 08:00 Uhr

Auch der zweite Auftritt der deutschen Fußball-Nationalmannschaft wurde auf Föhr und Amrum vielerorts in großer Gemeinschaft vor Riesen-Bildschirmen verfolgt. Public-Viewing heißt das Zauberwort, bei dem sich die Fans wie in der Stadion-Kurve fühlen und die Trikots der DFB-Elf – teilweise versehen mit originellen Namen wie „Erste Wahl“ oder „Scheiß drauf“ – zur alles beherrschenden Kleidung gehören.

Da kann der geneigte Anhänger dann mit seinen Idolen jubeln oder leiden. Letzteres war beim Spiel gegen Ghana zumindest teilweise angesagt. Taktisch von Bundestrainer Jogi Löw im ersten Durchgang an die Leine gelegt, hatte sich die deutsche Mannschaft ohne Zählbares zum Halbzeitpfiff gekickt. Stimmung ist anders, das galt für die Akteure in Fortaleza ebenso wie für die Zuschauer in der Wittdüner Nordseehalle oder der Wyker Nationalparkhalle.

Rund 350 waren es in Wittdün, darunter auch zwei Jugendgruppen aus der nahegelegenen Jugendherberge, in Wyk wurde die 400-er Marke geknackt. Und wer auf eine Fortsetzung der 4:0-Gala gegen die Portugiesen gehofft hatte, sah sich enttäuscht. Da half auch das lautstarke Mitsingen der Nationalhymne nichts, wie in Wittdün geschehen, es wurde ein Zitterspiel und eine Achterbahn der Gefühle.

„Das wird wieder ein Schützenfest“, war einer der zahlreichen jungen Föhrer Fans vor dem Anpfiff optimistisch und sprach den meisten aus der Seele. Die Skeptiker, die davor warnten, die Afrikaner zu unterschätzen, gehörten wie überall im Land auch auf den Inseln zur Minderheit. Und dann – die Achterbahn. Götze trifft, die Stimmung kocht; Ghana gleicht aus, der Geräuschpegel nimmt rapide ab. Nicht wenige der insularen Anhängerschar hatten „vorgeglüht“ und bekamen nicht viel vom Geschehen mit. Der eigentliche Aussetzer aber war auf dem Bildschirm zu bewundern, wo Philipp Lahm beinahe stümperhaft den 1:2-Rückstand der Löw-Jungs einleitete.

Anders als in Wyk, wo Jörn „Butsche“ Schultz, Betreiber der Nationalparkhalle, eine „ruhige Atmosphäre“ konstatierte, tat dies der guten Stimmung in der Amrumer Halle keinen Abbruch. Als Deutschlands Rekord-Torschütze Miroslav Klose eingewechselt wurde, skandierten hier einige Zuschauer „jetzt geht’s los, jetzt geht’s los…“.

Und als eben jener Klose kurz darauf zum 2:2-Ausgleich traf, kannte die Begeisterung keine Grenzen mehr. „Deutschland, Deutschland…“ schallte es in der Nordseehalle und auch in Wyk kochte die Stimmung. „Die haben noch 20 Minuten für den Sieg“ meint eine Zuschauerin, „das werden die doch wohl schaffen, oder?“. Berechtigte Zweifel, wie sich mit dem Abpfiff zeigte.

„Das leistungsgerechte Unentschieden geht in Ordnung, und der Punktgewinn war enorm wichtig“, so die Meinung eines Großteils der scheinbar sehr fachkundigen Amrumer Fußballfans. Und auch in der Nationalparkhalle saßen zahlreiche „Bundestrainer“ noch lange zusammen, fachsimpelten und gaben sich redlich Mühe, eine gemeinsame Spiel-Analyse zu formulieren.

Gewinner war an diesem Abend die Vernunft. „Keine Randale“, so die Bilanz von Jörn Schultz. „Die Stimmung war gut, ich kann mich nicht beklagen.“ Schultz hofft auf das Weiterkommen der deutschen Mannschaft und eine Steigerung der Zuschauerzahlen sowie des Stimmungsbarometers. Stets fange es verhalten an, ob bei Europa- oder Weltmeisterschaften. Die Euphorie werde erst größer, wenn die Vorrunde vorbei und der Einzug in das Achtelfinale geschafft sei. Der erreicht werden kann, sollte ein Sieg im letzten Gruppenspiel gegen die Amerikaner am Donnerstag in Recife gelingen (18 Uhr). Natürlich von zahlreichen Fans unterstützt in der Nordsee- und der Nationalparkhalle.

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