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Insel-Bote

24. September 2017 | 19:37 Uhr

In Stennodde : Jede Menge Holz auf der Mole

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Die Schäden im Amrumer Wald sind größer als zunächst angenommen. Wander- und Radwege wurden aber inzwischen geräumt.

Seit den Stürmen „Christian“ und „Xaver“ im Herbst letzten Jahres hat sich im Amrumer Wald viel verändert. Nun konnten die Aufarbeitungsmaßnahmen des Windbruchs abgeschlossen und viele Wege für die Erholungssuchenden hergerichtet werden. „Wir haben jetzt noch einmal Geld angefasst, um unseren Gästen die meisten Bereiche des Amrumer Waldes wieder zugänglich zu machen“, erklärt Nebels Bürgermeister Bernd Dell-Missier stellvertretend für die Amrumer Gemeinden und den Forstverband. Dank der guten Zusammenarbeit der drei Unternehmer, die mit Großgeräten entlang der wichtigsten Wege gehäckselt und gemulcht haben, sind die meisten Rad- und Wanderwege jetzt wieder in einem guten Zustand. „Wir müssen froh sein, dass wir nach gleich zwei so außergewöhnlichen Naturereignissen so weit sind, dass im Herbst die Aufforstungsmaßnahmen in Angriff genommen werden können“, so Dell-Missier.

Das wird für den Forstverband Amrum eine in diesem Ausmaß noch nicht dagewesene Anpflanzmaßnahme bedeuten, für die dieser Zusammenschluss der Amrumer Waldbesitzer jede erdenkliche finanzielle Unterstützung benötigt. Die Aufforstungsmaßnahmen der vergangenen Jahre haben gezeigt, dass die Pflege der Jungtriebe bis zum herangewachsenen Baum langwierig und überaus arbeitsintensiv und somit auch kostenintensiv ist. Verschiedene Aktionen von Privatpersonen, Geschäftsleuten, Vereinen und Organisationen haben bereits erste Spendengelder eingebracht. „Mit der Aufstellung von Spendendosen auf Amrum erhoffen wir uns weitere finanzielle Unterstützung“, so Holger Peters, der optimistisch ist, dass diese nach der Anlegung des Inselwaldes in den 1950-er Jahren größte Pflanzmaßnahme gestemmt werden kann.

„Die Förderprogramme für Aufforstungen wurden verabschiedet und entsprechende Anträge sind für die Maßnahme auf Amrum gestellt worden“, erklärt Revierförster Walter Rathkens. Er berichtet, dass man zunächst nur von einem Fünftel der jetzt aus dem Wald gefahrenen Holzmenge von rund 13 000 Raummetern ausgegangen sei. „Nach dem Orkan ‚Christian‘ im Oktober sah es schon verheerend aus“, so Rathkens. Die Flächen seien überhaupt nicht durchgängig erreichbar gewesen, so dass man, als dann im Dezember auch noch „Xaver“ zuschlug, zunächst gar keinen Überblick über die tatsächlichen Schäden gehabt habe, so der Förster. Zum Vergleich: Der ebenfalls beeindruckende Orkan „Anatol“ im Jahr 1999 hatte mit 3100 Raummetern nur rund ein Viertel des Holzes umgeworfen, das jetzt von den Stürmen gefällt wurde.

Der beauftragten Firma, die sich auf die Aufarbeitung von Sturmschäden in Wäldern spezialisiert hat, ist es gelungen trotz der besonderen Verhältnisse auf einer Insel die enormen Holzmengen aufzuarbeiten und über den Seeweg abzutransportieren. Dabei konnte für den Forstverband sogar noch ein Ertrag erwirtschaftet werden. Der europaweit agierende Unternehmer Josef Pirchmoser musste sich schon sehr ins Zeug legen, um ein Vielfaches der eigentlich vertraglich vereinbarten Menge bei der Holz verarbeitenden Industrie loszuwerden. Wie zu erwarten war, gingen die Holzpreise durch Überangebote in den Keller. Was dazu führte, dass die Annahme in Belgien Anfang des Monats gestoppt wurde. „Wir brauchen ein wenig Geduld, bis sich die Situation wieder entspannt“, kommentiert Pirchmoser die missliche Situation.

Da der Forstverband und die Gemeinden den Wald geräumt haben wollten, um die Wege für die Saison aufarbeiten zu können, hat sich der Holzfachmann die Mole in Steenodde notgedrungen als Zwischenlager eingerichtet. „Das Schiff muss nun so groß sein, dass es die gesamte Menge Holz auf einmal fassen kann“, plant Pirchmoser. Dieser Tage soll ein entsprechender Frachter vor Anker gehen. Der wird von den für die Verlademole verantwortlichen Amrumer Versorgungsbetrieben sehnsüchtig erwartet. „Wir haben für die Mole die Verantwortung und vor der Lagerung hat es keine Anfrage gegeben“, bemängelt Vorstandsmitglied Norbert Gades. Die Verkehrssicherungspflicht liege beim Holzeigentümer. „Es gibt Pachtverträge auf der Mole, die nun nicht eingehalten werden können und für den Pächter finanzielle Einbußen bedeuten. Die verärgerten Anrufe habe ich entgegen zu nehmen“, schimpft Gades und wünscht sich eine zügige Abfuhr der gewaltigen Holzmenge.

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