zur Navigation springen

In Norddorf und Nebel : Jagdszenen auf Amrum

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Tote Kaninchen am Wegesrand: Ein Urlauber ist entsetzt. Die Jäger betonen die Notwendigkeit der Dezimierung.

von
erstellt am 28.Okt.2017 | 18:00 Uhr

Die Jagdsaison auf den Inseln hat begonnen, doch die Treibjagden, die für viele Jäger das Highlight des Jahres sind, werden von anderen Menschen oft kritisch gesehen. So erreichte unsere Redaktion jetzt ein Brief eines Amrum-Urlaubers aus Oberbayern, der von unschönen Jagdszenen auf der Insel berichtete. Zum fünften Mal sei er zusammen mit seiner Frau auf Amrum gewesen, schreibt Claus Nicolaus, doch bei diesem Aufenthalt hätte sich das bisherige positive Amrum-Bild des Ehepaares komplett ins Negative gedreht.

Nicolaus und seine Frau wurden bei einer Radtour von Norddorf nach Steenodde Zeugen einer Kaninchenjagd. „Es war ein Bild des Schreckens“, berichtet der Urlauber. „Am Kliff wurde der Mais geerntet und das Feld wurde von Jägern umstellt, die auf die flüchtenden Kaninchen schossen. Begründung: Küstenschutz wegen Unterhöhlung des Kliffs, was mir durchaus eingeleuchtet hat“, so Nicolaus. Doch nicht alle Tiere seien gleich tot gewesen, „und deshalb musste man direkt am Wattweg mit anschauen, wie die verletzten Kaninchen erschlagen wurden. Teilweise wurden noch zuckende Tiere neben die bereits toten Tiere gelegt. Der Anblick war unerträglich“. Ein Anblick, der sich auch Familien mit Kindern geboten habe, die auf dem Weg unterwegs waren.

„Warum wird der Weg für diese kurze Zeit nicht gesperrt, oder eine andere Uhrzeit oder Jahreszeit gewählt“, fragt der Amrum-Gast, der an diesem und am folgenden Tag noch zwei weitere Jagderlebnisse hatte. Zwischen Nebel und der Kläranlage sei direkt neben einer Pferdekoppel gejagt worden, die Pferde seien panisch in der Koppel hin und her gerannt. Und am geteerten Rad-/Feldweg zwischen Norddorf und Nebel seien zwei Schulklassen Zeugen der Treibjagd geworden. „Ich glaube, der Schock wird nachhaltig sein“, glaubt Claus Nicolaus und berichtet, dass er selbst von diesen Bildern so belastet gewesen sei, dass er schlecht geschlafen habe.

„Ich bin kein Vegetarier und auch kein Tierschützer, der sich bewusst für Kaninchen einsetzen möchte. Ich glaube auch subjektiv, dass es auf Amrum zu viele Kaninchen gibt“, betont der Gast. Doch es mache wenig Sinn, für viel Geld Reklame für die „Insel der Freiheit“ zu machen, wenn Gästen, Schulklassen und Kindern solche Erlebnisse zugemutet würden, und sie dann künftig der Insel fern blieben.

„Da haben wir im Eifer des Gefechts nicht nachgedacht“, räumt der Vorsitzende der Amrumer Jägerschaft, Karsten Schult ein. „Es ist unsensibel, die Strecke dort hinzulegen, wo Kinder sie sehen können. Das tut uns leid“, sagt Schult, der die Jagd dennoch als „sinnvoll und notwendig“ verteidigt. „Wir sind das dem Bauern schuldig, auf dessen Flächen die Kaninchen großen Schaden anrichten.“ Und auch am Kliff sei die Jagd aus Küstenschutzgründen notwendig. Sicher sei es schöner, die Kaninchenjagd erst zu veranstalten, wenn nicht mehr so viele Gäste auf der Insel seien, doch sei man bei der Maisernte von den Terminvorgaben des Lohnunternehmers abhängig, der mit seinem Häcksler auf die Insel komme.

Dass einzelne Kaninchen noch gezuckt hätten, sei ganz normal, die seien schon tot gewesen, aber die Nerven seien noch einige Zeit aktiv. Und auch für die Pferde auf der benachbarten Koppel sei die Jagd kein wirkliches Problem. Die Tiere wüssten, dass ihnen keine Gefahr drohe, so der Jäger. „Ich habe sogar schon erlebt, dass Austernfischer, während wir auf Tontauben schossen, einfach sitzen geblieben sind.“

Den Weg während der Jagd zu sperren, halten weder Karsten Schult noch Lars Rickerts von der Amrum-Touristik, an die sich Claus Nicolaus ebenfalls gewandt hatte, für eine Lösung. „In dem Moment haben wir von 40 anderen Gästen Beschwerden, die nicht einsehen wollen, warum sie den Weg nicht benutzen können“, ist Rickerts überzeugt.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen