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Föhrer Krebs-Forum : Interessante Informationen für Ärzte und Patienten

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Wissenschaftler präsentierten im Kurgartensaal neue Forschungsergebnisse. Anschließend gab es Workshops und Schnupperkurse in der Klinik „Sonneneck“.

„Man muss sich als Arzt in den Patienten hineinversetzen und sich nach dessen Lebensphilosophie richten“, so Professor Maike de Wit aus Berlin, Referentin beim Föhrer Krebs-Forum. De Wit unterstrich damit, dass es nicht eine für alle Betroffenen gültige Therapie gebe, sondern dass jede Behandlung samt der Nebenwirkungen möglichst individuell erstellt werden solle.

Das von der Leiterin der Fachklinik Sonneneck, Dr. Cornelia C. Kaufmann, ins Leben gerufene Föhrer Krebsforum, das in diesem Jahr bereits seinen 14. Geburtstag feierte, war wieder geprägt von interessanten Vorträgen, kompetenten Referenten und vielen Zuhörern – Ärzte, Betroffene und deren Angehörige.

Der Lungenkrebs, so de Wit, stehe bei Männern an zweithäufigster Stelle der Krebserkrankungen, bei Frauen auf Platz drei und stelle Ärzte und Patienten immer vor eine therapeutische Herausforderung. Die „Gold-Standardbehandlung“ bestehe aus der sogenannten definierten Radiochemotherapie in Kombination mit einer Operation. Ganz besonders wichtig sei die Erfahrung des Chirurgen, weshalb de Wit zu einer Behandlung in einem Tumorzentrum riet.

Während in den neunziger Jahren noch alle Patienten gleich behandelt wurden, werde heute immer differenzierter nach den genetischen Veränderungen in den Tumorzellen gesucht, die wiederum wegweisend für neue, effektivere Medikamente seien. Denn neben der tumorspezifischen Behandlung bedürfe es bereits intensiver vorausgehender Forschung auf molekularer Ebene, so alle Referenten unisono.

Exemplarisch für genetische Veränderungen in Tumorzellen erklärte Professor Michael Kneba aus Kiel, dass je nach Tumorbiologie mehrere „Arten“ eines Blutkrebses entschlüsselt worden seien, die eine zielgerichtete Therapie ermöglichten. Eindrucksvolle Verbesserungen in der Behandlung seien ein durchschlagender Erfolg, stellte Professor Reiner Siebert, ebenfalls aus Kiel, das internationale Krebs-Genom-Projekt vor, das, 2008 gegründet, Tumorarten molekular analysieren will. Bei einer Zahl von bereits 7000 komplett katalogisierten Tumoren, multipliziert mit 3,2 Milliarden Basenpaaren des menschlichen Genoms, werde diese immense Datenmenge zu einer logistischen Herausforderung, die nur mit einer internationalen Forschergruppe zu bewältigen sei. Inzwischen beteiligten sich 70 Staaten an diesem ehrgeizigen Projekt.

Die chinesische Medizin, so Dr. Hans Lampe aus Rostock, sei keine Alternativmedizin, sondern Schulmedizin. Nur frage der chinesische Arzt nicht, was ist das Ziel, sondern wie ist der Moment? Die chinesische Behandlung richte sich darauf, ob Funktionen im Gleichgewicht seien und wie die innere Balance wiederhergestellt werden könne. So wurde aus Grünem Tee eine Substanz isoliert, die eine wirksame Arznei gegen eine Art von Blutkrebs sei. In Kombination mit westlicher Chemotherapie könnten so Nebenwirkungen reduziert werden.

„Körperliche Inaktivität ist das Risikoreichste, was Sie machen können“, ermahnte Dr. Freerk Baumann aus Köln, allerdings nicht mit dem erhobenen Zeigefinger. Während noch vor einigen Jahren Krebskranken geraten wurde, sich körperlich zu schonen, belaste man Erkrankte und Frischoperierte heute schon sehr früh. Wissenschaftliche Studien zeigten, dass, je nach Krankheit und Einschränkung, eine gezielte Bewegungstherapie den Heilungsprozess nicht nur deutlich beschleunige, sondern den Patienten auch zufriedener mache.

Nicht um den Krebs, aber sehr wohl auch um eine tückische Erkrankung, die es weltweit zu bekämpfen gelte, ging es den Föhrer Rotariern, die sich mit einem kleinen Erfrischungsstand ins Forum der Veranstaltung gestellt hatten und den Erlös aus Kaffee und Saft komplett dem weltweiten Projekt gegen Kinderlähmung spendeten.

Am Nachmittag hatten Interessierte die Gelegenheit, in Workshops in der Klinik „Sonneneck“ Yoga, Qigong, Tanzen oder Kunsttherapie kennenzulernen.

„Es ist ein Geschenk an meine Ärzte“, formulierte es Brigitte Göbel, die seit 2009 regelmäßig als Patientin ins „Sonneneck“ kommt und die mit ihren im Forum ausgestellten Fotos zeigen wollte, wie glücklich kreatives Gestalten mache und wie bereichernd für sie der Blick auf „das Kleine“, zum Beispiel auf Muscheln am Meer, sei.

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