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Tolles Projekt auf Föhr : Integration mit Spiel und Spaß

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Schwimmtraining mit der Deutschen Lebensrettungs-Gesellschaft: Flüchtlinge treffen sich einmal wöchentlich im nassen Element.

Mehr als 70 Flüchtlinge leben aktuell auf Föhr. Um deren Integration das Amt Föhr-Amrum, der Verein „Flüchtlingshilfe Föhr“, Kitas und Schulen sowie Sportvereine Hand in Hand bemüht sind. Zu den Helfern zählt seit einiger Zeit auch der Föhrer Ortsverein der Deutschen Lebensrettungs-Gesellschaft (DLRG), dessen Ausbilder den Flüchtlingen ein Schwimmtraining anbieten.

Sprachbarrieren und unterschiedlichen religiösen Hintergründen zum Trotz: Die „Schüler“ aus Syrien, Afghanistan, Georgien oder Eritrea sind mit Eifer dabei. Zwölf männliche Teilnehmer konnte das Team um den Föhrer DLRG-Vorsitzenden Brar Nissen zum Trainingsauftakt begrüßen. Erste Unsicherheiten auf beiden Seiten waren schnell überwunden und in deutscher und englischer Sprache und der Zuhilfenahme von Händen und Füßen wurden wichtige Elemente des Schwimmens vermittelt. Geblieben ist ein harter Kern: durchschnittlich sechs Teilnehmer sind jede Woche dabei.

Die Organisatoren haben offenbar ins Schwarze getroffen, denn das Training ist nicht nur gut besucht, sondern bereitet den Protagonisten auch jede Menge Spaß. Sahid Hashemi aus Kabul etwa war bereits zum siebten Mal dabei. Seit 14 Monaten ist der 36-Jährige in Deutschland. In der Heimat Afghanistan habe er keine Gelegenheit zum schwimmen gehabt, berichtet er, „aber hier in Europa habe ich das Gefühl, dass ich es lernen muss“.

Nicht der einzige Anfänger, der sich in der Gruppe willkommen fühlt. So konnte Mohammad al-Hamoud aus Damaskus am Anfang gar nicht schwimmen. Seit sechs Monaten ist der 22-Jährige in Deutschland und fühlt sich im nassen Element mittlerweile recht sicher. Und Mohammed Albaba aus Damaskus berichtet sogar von einem kleinen Schwimmbad, das er in Syrien hatte und nicht nutzen konnte. Wie wichtig die Sicherheit im Wasser sein kann, erlebte der 26-Jährige am eigenen Leibe, denn er flüchtete mit dem Boot nach Europa.

Zu den Fortgeschrittenen zählt dagegen Tamim Rashidi aus Afghanistan, der seit elf Monaten in Deutschland ist. Er genießt es, beim Training Deutsch zu sprechen. Ein wichtiger Bestandteil der Integration, weshalb Beate Nissen einheimische Erwachsene – auch Nichtschwimmer – einlädt, zu den Trainingseinheiten am Donnerstag ins Aquaföhr zu kommen. Nissen ist gemeinsam mit Wiebke Zwanziger Jugendwartin der DLRG-Ortsgruppe. Beide sind die Initiatoren des wöchentlichen Treffens und mit der Resonanz zufrieden. Bis zu vier Ausbilder sorgen am Beckenrand für Sicherheit und verteilen bei Bedarf wie beim Kindertraining Schwimmhilfen. Allerdings: „Einige können schon sehr gut schwimmen“, berichtet Beate Nissen. Dass sie trotzdem gern kommen, spricht für die Gruppe. So ist der 21-jährige Meraade Yemane aus Eritrea dabei, weil ihm der Sport wichtig ist, und Hashen Bakri aus dem syrischen Aleppo möchte die Techniken von Grund auf lernen. Seit zehn Monaten ist der 34-Jährige in Deutschland.

Nicht lange nach der Männer- hat die DLRG auch eine Frauen- und Mädchengruppe ins Leben gerufen. Dem Wunsch der Frauen, unter sich zu bleiben, trug man Rechnung und trifft sich im Utersumer Reha-Zentrum. Ein mit Unterstützung der Kirche und ehrenamtlicher Helfer eigens eingerichteter Fahrdienst hilft, den Aufwand zu minimieren. Auch diese Gruppe wurde sehr gut angenommen und ist derzeit so stark besetzt, dass es eine Warteliste gibt.

Zufrieden sind auch die Initiatoren. Generell seien die Begegnungen in beiden Gruppen stets von Freundlichkeit und gegenseitigem Respekt geprägt, resümiert Beate Nissen. „Wir haben uns näher kennengelernt und einiges über die Menschen und deren Wünsche und Schicksale erfahren. Die erste Aufregung ist verflogen und alle trainieren fleißig und mit viel Spaß.“

Die Termine – Männergruppe: donnerstags von 20 bis 21 Uhr im Aquaföhr; Frauen- und Mädchengruppe: sonnabends von 16 bis 17 Uhr in der Utersumer Reha-Klinik.

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erstellt am 04.Dez.2015 | 19:18 Uhr

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